Internationale Umfrage: Mehrheit erwartet Kontakt mit Außerirdischen
Durham (Großbritannien) – Eine internationale Online-Umfrage unter mehr als 6.400 Personen hat untersucht, wie sich die Menschheit einen möglichen Kontakt mit außerirdischer Intelligenz vorstellt und welche Reaktionen sie in unterschiedlichen Szenarien für angemessen hält.

Quelle: Bohlander, Anton, Elliott, SocArXiv 2026
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Die nun auf dem Preprint-Server „SocArXiv“ vorab veröffentlichten Umfrageergebnisse zeigen eine überwiegend offene Haltung gegenüber einem solchen Ereignis. Zugleich offenbaren die Antworten aber auch erhebliche Spannungen bei Fragen zu militärischer Verteidigung, Menschenrechten und der politischen Entscheidungsgewalt.
Der publizierte Artikel ist eine Vorabversion eines Open-Access-Kapitels des 2027 bei Routledge erscheinenden Sammelbandes „Human Life after Contact with Extraterrestrial Civilisations – Interdisciplinary Perspectives on the Consequences of First Contact“, herausgegeben von den Autoren und der Durham-Doktorandin Amber Dagnall.
Mehr als drei Viertel erwarten Kontakt
Die Untersuchung wurde im Sommer 2024 von Michael Bohlander von der Durham Law School, Andreas Anton vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg sowie John Elliott von der University of St Andrews durchgeführt. Die Umfrage war von Juli bis Oktober 2024 in englischer, französischer, deutscher und spanischer Sprache online zugänglich (…GreWi berichtete). Insgesamt flossen die Antworten von 6.492 Befragten aus 88 Ländern in die nun veröffentlichte Auswertung ein.
77,6 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die Menschheit irgendwann Kontakt mit außerirdischer Intelligenz aufnehmen werde. 59,5 Prozent waren zudem der Ansicht, dass Außerirdische die Erde bereits besucht hätten. Interessant: Die Zustimmung zur Annahme früherer Besuche nahm mit steigendem Bildungsniveau ab.
Bei der Frage, ob die Menschheit selbst Signale ins All senden sollte, um so Kontakt mit technologisch entwickelten Außerirdischen herzustellen – ein Ansatz, der als „Messaging to Extraterrestrial Intelligence“ (METI) bezeichnet wird –, hielten sich Zustimmung und Ablehnung weniger deutlich auseinander: 47,7 Prozent befürworteten das Senden von Botschaften, 35 Prozent lehnten es ab.
Wissenschaft statt Regierungen als Entscheidungsträger
Eine zentrale Frage der Studie war, wer über eine Kontaktaufnahme oder die Reaktion auf ein empfangenes Signal entscheiden sollte. Hier sprachen sich 71,1 Prozent dafür aus, wissenschaftlichen Vereinigungen die Entscheidung über eine aktive Kontaktaufnahme zu überlassen. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die EU kamen auf 67,7 Prozent, ein weltweites Referendum auf 60,1 Prozent. Nationale Regierungen lagen hingegen mit 13,8 Prozent am Ende der Rangfolge – und das sogar noch hinter kommerziellen Unternehmen.

Quelle: Bohlander, Anton, Elliott, SocArXiv 2026
Signale, Raumschiffe und Artefakte auf dem Mond
Auch bei der Frage, wer auf ein empfangenes Signal für die Menschheit reagieren sollte, lagen wissenschaftliche Vereinigungen deutlich vorn: 67,7 Prozent befürworteten ihre Beteiligung, gefolgt von einem globalen Referendum mit 58 Prozent und internationalen Organisationen mit 44,6 Prozent.
Die persönlichen Reaktionen auf mögliche Kontaktszenarien fielen überwiegend positiv aus: 74,5 Prozent erklärten, sie wären von einem wissenschaftlich bestätigten, nicht entschlüsselbaren Signal außerirdischen Ursprungs zunächst begeistert; 23,9 Prozent würden sich Sorgen machen. Bei einem außerirdischen Artefakt auf dem Mond stieg der Anteil der Begeisterten auf 78,3 Prozent.
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Ein Raumschiff in einer Erdumlaufbahn, das keinen Kontakt aufnimmt, würde für die meisten zunächst keine grundlegende Verhaltensänderung bedeuten: 63,3 Prozent würden weiter die Nachrichten verfolgen und ihren Alltag ansonsten fortsetzen. Allerdings: 45,4 Prozent erklärten, dass die unter diesem Szenario überlegen würden, einen Lebensmittelvorrat anzulegen.
Woher kommen UFOs?
Eine weitere Frage befasste sich mit der möglichen Herkunft von UFOs. Mit 73 Prozent fand die Erklärung, UFOs stammten aus dem Weltraum, die größte Zustimmung. An zweiter Stelle standen mit 59,2 Prozent geheime, von Menschen hergestellte Objekte – etwa militärische Technologien. Nahezu gleichauf lag mit 58,9 Prozent die Annahme, UFOs könnten aus einer anderen Dimension stammen.
Natürliche, bislang unbekannte Phänomene wurden von 42 Prozent der Befragten als mögliche Erklärung genannt. 40,1 Prozent vermuteten einen Ursprung in einer anderen Zeit. Die Vorstellung, UFOs könnten aus noch unerforschten Regionen der Erde stammen – möglicherweise in Verbindung mit der sogenannten kryptoterrestrischen Hypothese –, lag mit 31,9 Prozent auf dem letzten Platz.
Die Ergebnisse spiegeln damit vor allem die Vorstellungen der befragten Personen wider. Sie liefern keinen Beleg für eine der genannten Herkunftshypothesen. Da Mehrfachnennungen möglich waren, schließen sich die ausgewiesenen Prozentwerte zudem nicht gegenseitig aus.
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Friedlicher Kontakt bevorzugt
Sollte ein außerirdisches Raumschiff auf der Erde landen, würden 82,2 Prozent zunächst beobachten und abwarten. 81,3 Prozent wären dafür eine Willkommensbotschaft zu senden und zu versuchen, Kontakt herzustellen. Eine Zerstörung des Raumschiffs schon im Vorfeld befürworteten dagegen nur 13,4 Prozent.
Die Ergebnisse fallen deutlich anders aus, wenn es um mögliche feindselige Begegnungen geht: Lediglich 28,8 Prozent unterstützten eine vorsorgliche Verstärkung militärischer Weltraumverteidigung; 54,2 Prozent lehnten dies ab. Gleichzeitig stimmten 66,4 Prozent der Aussage zu, die Menschheit solle im Fall einer existenziellen Bedrohung durch Außerirdische gegebenenfalls die für menschliche Kriege geltenden Regeln des humanitären Völkerrechts verletzen dürfen.
Menschenrechte und Freiheiten auf dem Prüfstand
Auch die Bereitschaft, grundlegende Rechte für außerirdische Technologie aufzugeben, wurde untersucht. Eine solche Technologie könnte in dem hypothetischen Szenario Energie- und Ernährungsprobleme lösen und die Armut beseitigen. Die Zustimmung zu den meisten vorgeschlagenen Einschränkungen blieb im einstelligen Prozentbereich. Rund ein Viertel der Befragten hielt jedoch Einschränkungen der Religionsfreiheit oder bestimmte invasive Methoden der Strafverfolgung für „hinnehmbar“. Fast elf Prozent akzeptierten Maßnahmen außerirdischer Akteure zur Geburtenkontrolle bei Menschen. 6,2 Prozent befürworteten sogar, Menschen gegen ihren Willen für Experimente auszuliefern.
Aussagekraft durch deutliche Grenzen eingeschränkt
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse global nicht repräsentativ sind. Allein Deutschland stellte 54,7 Prozent der Antworten, Frankreich weitere 14,7 Prozent. Deutschland, Frankreich, die USA und Großbritannien vereinten zusammen 81,6 Prozent der bereinigten Teilnahmen auf sich. Zudem waren 75,2 Prozent der Befragten männlich. Die offene Online-Umfrage dürfte außerdem besonders Menschen angesprochen haben, die sich bereits für das Thema interessierten.
Zwar erlauben die Ergebnisse deshalb keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Einstellungen der Weltbevölkerung. Nach Einschätzung der Autoren liefern sie dennoch Anhaltspunkte für künftige Diskussionen über die Suche nach außerirdischer Intelligenz (Search for Extraterrestrial Intelligence, SETI) und METI sowie zum Umgang mit möglichen UFO- beziehungsweise UAP-Enthüllungen und die gesellschaftlichen Folgen eines bestätigten Kontakts. Insgesamt deuten die Antworten darauf hin, dass viele Befragte eine Begegnung mit dem maximal Fremden weniger bedrohlich einschätzen, als häufig angenommen und als möglicher Grund für eine Geheimhaltung mutmaßlich bereits vorhandener Informationen über UFOs und Außerirdische genannt wird.
„Unser Verhältnis zu potenziellen realen Außerirdischen ist, das zeigt unsere Umfrage einmal mehr, von Ambivalenzen geprägt“, erläutert Andreas Anton abschließend. „Die meisten Menschen würden nach eigener Erwartung zwar mit Freude und Begeisterung auf ein Erstkontaktereignis reagieren, viele erwarten allerdings auch, dass sie besorgt wären und Angst hätten. Was davon berechtigter ist, werden wir wohl erst herausfinden, sollte es eines Tages tatsächlich zu einem Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation kommen. Fest steht, dass dies eine der größten, wenn nicht sogar die größte Herausforderung für die Menschheit bedeuten würde.“
Michael Bohlander
Contact With Extraterrestrial Intelligence and Human Law: The Applicability of Rules of War and Human Rights
Brill Nijhoff, 2023
267 Seiten, ISBN: 978-9004677692,
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Recherchequelle: SocArXiv
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