European UAP Barometer: Daten belegen wachsende Bedeutung europäischer UFO-Meldestrukturen
Rotterdam (Niederlande) – Im „European UAP Barometer“ analysiert der französische UFO-Datenforscher Philippe Ailleris seit Jahren zivile Meldungen unidentifizierter Flugobjekte und Phänomene in Europa (UFOs/UAPs). Aus seiner nun aktualisierten Auswertung geht einmal mehr die Bedeutung europäischer Meldestrukturen wie UFO-Forschungsvereine und -Meldestellen hervor.

Copyright: grewi.de (KI erstellt)
Inhalt
In seiner auf UAPcheck.com veröffentlichten Aktualisierung des „European UAP Barometer“ erweitert Ailleris erstmals die bisherige Datengrundlage um Meldungen aus dem Jahr 2025 sowie um neue Quellen. Die Untersuchung betrachtet den Zeitraum 2020 bis 2025 und kommt zugleich zu dem Schluss, dass die verfügbaren europäischen UAP-Daten nur unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Herkunft sinnvoll interpretiert werden können. Die Zahl eingegangener Meldungen lasse sich nicht unmittelbar als Maß für die tatsächliche Häufigkeit ungewöhnlicher Himmelsbeobachtungen verstehen.
Neue Datenquellen erweitern die europäische Erfassung
Der aktuelle Bericht versteht sich als methodische Weiterentwicklung der vorherigen Ausgaben, besonders des letzten Updates für den Zeitraum 2019 bis 2024 (…GreWi berichtete). Neben nationalen zivilen und offiziellen Meldestellen wurden erneut Informationen zu europäischen Sichtungen in internationalen Datenbanken der zivilen UFO-Forschungsorganisationen MUFON und NUFORC berücksichtigt. Neu hinzu kommt insbesondere die Smartphone-basierte Meldeplattform „Enigma Labs“, deren Daten für den Zeitraum ab 2023 einbezogen wurden.
www.grewi.de
+ HIER den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +
Allerdings seien die verschiedenen Quellen nicht methodisch gleichwertig. Nationale Organisationen verfügen vielfach über langjährige Archive und eigene Untersuchungs- und Klassifikationsverfahren und bilden deshalb die wichtigste Grundlage für länderspezifische Vergleiche. „MUFON“ und „NUFORC“ können dagegen insbesondere Länder abdecken, in denen entsprechende nationale Meldestrukturen fehlen oder nur unvollständig verfügbar sind. Bei „NUFORC“ ist zudem ab 2023 ein methodischer Bruch zu berücksichtigen. Nach Angaben der Organisation werden Meldungen inzwischen überprüft, bewertet und schrittweise veröffentlicht. Ältere, vor März 2023 eingegangene Meldungen seien bislang teilweise noch nicht bewertet. Veränderungen der veröffentlichten Fallzahlen können deshalb zumindest teilweise auf veränderte Bearbeitungs- und Veröffentlichungspraxis zurückgehen.
Auch die seit 2023 berücksichtigten Daten von „Enigma Labs“ erfordern Vorsicht. Die Einführung einer Smartphone-Anwendung schafft einen zusätzlichen Meldeweg und kann dadurch andere Bevölkerungsgruppen erreichen als traditionelle Organisationen. Steigende Fallzahlen können daher auch eine Folge zunehmender Bekanntheit und Nutzung der Plattform sein.
7.193 Meldungen im Jahr 2025 – dennoch bleibt Aussagekraft begrenzt
Die zusammengeführten Daten ergeben für 2020 insgesamt 6.867 verfügbare Meldungen. 2021 sank die Zahl auf 4.996, bevor sie wieder anstieg: 2022 wurden 6.018, 2023 insgesamt 6.404 und 2024 bereits 6.938 Meldungen erfasst. Für 2025 weist die Untersuchung mit 7.193 Fällen den höchsten Wert des betrachteten Zeitraums aus.
Ailleris gibt jedoch zu bedenken, daraus keine entsprechende Zunahme der tatsächlichen Zahl ungewöhnlicher Beobachtungen abzuleiten. „Bereits der hohe Wert von 2020 steht unter dem Einfluss besonderer Rahmenbedingungen, darunter der damals besonders hohen öffentlichen Aufmerksamkeit für Starlink-Satelliten und damit verbundener Beobachtungen.“ Auch der Anstieg ab 2023 fällt in eine Phase, in der mit „Enigma Labs“ ein neuer digitaler Meldekanal hinzukam. Die jährlichen Gesamtzahlen beschreiben deshalb in erster Linie die Entwicklung der verfügbaren Meldestrukturen und nicht die tatsächliche Häufigkeit von UAP.
Ein ähnliches Problem zeige sich bei der geografischen Verteilung. Besonders hohe kumulierte Meldezahlen finden sich unter anderem in den Niederlanden, Großbritannien, Deutschland, Italien, Belgien, Schweden, Frankreich, Dänemark und Norwegen. Diese Länder verfügen entweder über etablierte nationale Meldestellen, eine hohe Aktivität auf internationalen Plattformen oder über beides.
Philippe Ailleris, der bei der europäischen Raumfahragentur ESA als Senior Project Controller Sentinel-Erdbeobachtungsprogramme arbeitet, engagiert sich ist bereits seit Jahren in der wissenschaftlichen UFO-Forschung und hat sich auf Fragen der instrumentellen Detektion von unidentifizierten Flugobjekten und anomalen Phänomenen (UFOs/UAPs) sowie die Datenauswertung spezialisiert. Seit 2025 koordiniert Ailleris als offizielle UFO-Anlaufstelle Anfragen und Meldungen zu UFOs und UAPs bei der ESA (…GreWi berichtete).
– Lesen Sie ein ausführliches Interview mit Ailleris zur UFO-Politik der ESA und viele weitere Informationen zum UFO-Phänomen…

…im neuen Buch von GreWi-Hrsg. Andreas Müller
Niedrige Zahlen in anderen europäischen Staaten seien dagegen nicht automatisch als Hinweis auf eine geringe Zahl entsprechender Beobachtungen zu verstehen. Sie könnten ebenso auf fehlende nationale Strukturen, eine geringere öffentliche Sichtbarkeit oder eine stärkere Abhängigkeit von internationalen Plattformen zurückzuführen sein.
Frankreich und Portugal verdeutlichen methodische Unterschiede
Wie stark die Wahl der Datenquelle die Statistik beeinflussen kann, zeigt der Vergleich zwischen Frankreich und Portugal. In Frankreich existiert mit „GEIPAN“ eine offizielle nationale Meldestelle. Daneben liefern „MUFON“, „NUFORC“ und „Enigma Labs“ eigene Datenströme.
Besonders deutlich werde die unterschiedliche Bedeutung der jeweiligen Statistik bei „GEIPAN“: Die veröffentlichten Jahreszahlen beziehen sich nicht auf sämtliche Kontakte mit der Öffentlichkeit oder alle eingegangenen Beobachtungsmeldungen, sondern auf Fälle, die untersucht und veröffentlicht werden. Für 2025 werden rund 4.900 Kontakte aus der Bevölkerung und etwa 1.800 beobachtungsbezogene Meldungen genannt. In die veröffentlichte Statistik gingen zum damaligen Zeitpunkt dagegen lediglich 62 untersuchte Fälle ein. Ein erheblicher Teil der Meldungen werde bereits vorher ausgeschlossen, etwa weil Beobachtungen schnell identifiziert werden können, Angaben unvollständig sind oder andere Voraussetzungen für eine Veröffentlichung fehlen.

Quelle: European UAP-Barometer, P. Ailleris
Portugal wiederum zeigt, welchen Einfluss der Ausbau nationaler Meldestrukturen haben kann. Neben „CTEC-STELLAR“ wurden für die aktuelle Ausgabe erstmals Daten der Organisation „CIFA“ integriert, die rückwirkende Zahlen bis 2021 bereitstellt. Dadurch verbessert sich sowohl die aktuelle als auch die historische Datenbasis Portugals erheblich.
Auch die weiterhin fehlenden oder unvollständigen Daten aus Großbritannien, Italien und Rumänien verdeutlichen die Abhängigkeit des europäischen Barometers von freiwilliger Zusammenarbeit und dezentralen Meldestrukturen.
Sonderstellung der Ukraine
Eine Sonderstellung nimmt aktuell die Ukraine ein: Dort werden Beobachtungen unter den Bedingungen des andauernden Krieges erfasst. Neben zivilen Meldungen fließen Daten des staatlichen „ePPO-Systems“ ein, über das unter anderem Flugzeuge, Drohnen, Raketen und andere Objekte gemeldet werden können (…GreWi berichtete). Eine eigene Kategorie „UFO“ erfasst zunächst nicht identifizierte Beobachtungen. Aufgrund des militärischen Charakters des Systems seien diese Daten jedoch nicht unmittelbar mit zivilen UAP-Statistiken anderer europäischer Länder vergleichbar.
Vom Zählen der Meldungen zur Untersuchung ungelöster Fälle
Als nächsten methodischen Schritt schlägt die Untersuchung vor, nicht mehr ausschließlich die Zahl eingegangener Meldungen zu betrachten, sondern auch deren Untersuchungsergebnisse. Gerade die wesentlich kleinere Gruppe jener Fälle, die nach einer Untersuchung ungeklärt bleiben, könnte für die UAP-Forschung von größerer Bedeutung sein.
Derzeit erschweren jedoch unterschiedliche Klassifikationen einen europaweiten Vergleich. Begriffe wie „unidentifiziert“, „unerklärt“, „D“, „D1“, „unzureichende Daten“ oder „unaufgelöst“ können bei verschiedenen Organisationen unterschiedliche Bedeutungen haben. Zudem veröffentlichen manche Stellen detaillierte Einzelfälle, während andere lediglich Jahresstatistiken bereitstellen.
Der im aktuellen Barometer begonnene Bestand ungelöster bzw. unidentifizierter Fälle wird deshalb zunächst als Machbarkeitsnachweis verstanden. Künftige Ausgaben könnten neben der Gesamtzahl der Meldungen einen zweiten Indikator etablieren: die Zahl jener Fälle, die auch nach einer Untersuchung ungeklärt bleiben.
Der Autor sieht darin eine mögliche Weiterentwicklung des europäischen UAP‑Monitorings. Das Barometer soll dabei ausdrücklich nicht die tatsächliche Häufigkeit ungewöhnlicher Phänomene messen, sondern vielmehr die vorhandene europäische Meldelandschaft und deren Entwicklung. Ziel künftiger Ausgaben sei es, neben den Fallzahlen zunehmend auch Datenqualität, Meldewege, Klassifikationsergebnisse und ungelöste Fälle systematisch zu erfassen.
– Die umfassende Aktualisierung des „European UAP-Barometers“ mit weiteren Daten, Quellen und Analysen finden Sie HIER
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
UFO-Barometer Europa: Mehr als 32.000 UFO-Meldungen 2019–2024 29. Dezember 2025
Europäische Raumfahrtagentur ESA benennt Anlaufstelle für Anfragen zu UFOs und UAP 24. September 2025
Statistik zu europäischen UFO-Sichtungen 2019–2023: Rohdaten nach Ländern und Jahren 23. August 2024
Rechercherquelle: European UAP-Barometer via UAPcheck.com
© grewi.de
Philippe Ailleris, der bei der europäischen Raumfahragentur ESA als Senior Project Controller Sentinel-Erdbeobachtungsprogramme arbeitet, engagiert sich ist bereits seit Jahren in der wissenschaftlichen UFO-