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UFOs und anhaltende Ungewissheit

Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen wurde die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Jennice Vilhauer jüngst in den UAP-Forschungsrat der US-Regierung unter Donald Trump berufen (…Grewi berichtete). In einem aktuellen Artikel befasst sich Vilhauer mit der „Chronische Ungewissheit über ungeklärte Phänomene und ihre psychologischen Auswirkungen“.

Symbolbild (Illu.).Copyright/Quelle: grewi.de
Symbolbild (Illu.).
Copyright/Quelle: grewi.de

– Bei dem folgenden Artikel handelt es sich um eine von der Autorin Dr. Jennice Vilhauer genehmigte Übersetzung ihres Originalartikels „UFOs and Prolonged Uncertainty“, der am 24. August 2026 erstmals auf „Psychology Today“ veröffentlicht wurde. Die darin gemachten Aussagen und Ansichten sind die der Autorin.

Das wachsende öffentliche Interesse an unidentifizierten anomalen Phänomenen (UAP) dreht sich nicht nur um den Wunsch zu wissen, was sich am Himmel befindet. Es geht auch darum, die Frage zu beantworten, welche Auswirkungen sie auf die Menschheit haben. Doch während das Interesse wächst, nimmt auch das Ausmaß der Frustration zu, das viele Menschen derzeit erleben.

Während jüngste Anhörungen im Kongress, wissenschaftliche Initiativen und die Berichterstattung in den etablierten Medien zeigen, dass über das zuvor tabuisierte Thema inzwischen offener von ernstzunehmenden Personen gesprochen wird, bleiben die Schlussfolgerungen weiterhin uneindeutig.

Die PURSUE-Akten (Presidential Unsealing and Reporting System for UAP Encounters), von denen Donald Trump auf seinem Truth-Social-Account ausdrücklich erklärte, dass er sie veröffentliche, damit „die Menschen selbst entscheiden können, ‚was zur Hölle da vor sich geht“, haben fast zwei Milliarden Aufrufe erhalten. Doch die veröffentlichten Informationen werden ohne Kontext oder Erläuterungen bereitgestellt und haben bislang mehr Fragen erzeugt als Antworten zu liefern.

Zahlreiche Regierungs- und Militärvertreter haben öffentlich erklärt, dass sie geheime Informationen gesehen hätten, die auf die Möglichkeit nichtmenschlicher Raumfahrzeuge und biologischen Materials hindeuteten. Zugleich könnten sie aber nicht mehr darüber sagen. Selbst Whistleblower, die versuchen, Informationen bereitzustellen, berichten, dass sie aufgrund von Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) oder aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen keine Einzelheiten nennen können.

Es scheint immer so, als wisse jemand etwas, das er einem aus irgendeinem Grund nicht sagen kann. All diese Unklarheit hat zu dem Gefühl geführt, dass wir möglicherweise niemals die wirklichen Antworten erhalten werden.

Und diese Art chronischer Ungewissheit hat erhebliche psychologische Auswirkungen: Wenn Menschen das Gefühl haben, dass Informationen absichtlich zurückgehalten werden, verändert dies die Art und Weise, wie sie das Geschehen verarbeiten.

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Ungewissheit kann zu Ohnmacht werden

Menschen leben mit ständiger Ungewissheit. Wir wissen nicht genau, was in den nächsten fünf Minuten passieren wird, geschweige denn in fünf Tagen, fünf Monaten oder fünf Jahren. Doch wenn wir uns unsicher fühlen, weil es den Anschein hat, als kontrolliere jemand anderes, was wir wissen dürfen, fragen wir uns nicht mehr, was wahr ist, sondern beginnen stattdessen zu fragen: „Warum wird mir die Wahrheit vorenthalten?“

Wenn man keinen Zugang zu den Informationen hat, die man benötigt, um wichtige Fragen zu beantworten, kann man sich machtlos fühlen. Daraus können weitere negative Emotionen wie Misstrauen, Frustration und sogar Wut entstehen.

Wut kann einem das Gefühl vermitteln, in einer Situation wieder mehr Kontrolle zu besitzen. Sie motiviert Menschen und bringt sie zum Handeln. Menschen können beginnen zu protestieren oder Antworten einzufordern, um auf diese Weise einen Teil ihrer Kontrolle zurückzugewinnen.

Gibt es jedoch keine klare Handlungsmöglichkeit, mit der sich die Ungewissheit auflösen lässt, kann diese Energie nirgendwo produktiv hin. Ein Mensch kann psychologisch weiterhin aktiviert bleiben, während die Situation unverändert bleibt.

Bei manchen Menschen kann dies zu Rückzug führen: Sie hören vollständig auf, sich dafür zu interessieren oder dem Thema Aufmerksamkeit zu schenken. Bei anderen kann es dazu führen, dass sie sich noch aktiver engagieren.

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Die Suche nach einem Abschluss

Wenn Menschen mit Ungewissheit bei einem Thema konfrontiert sind, das für sie persönlich bedeutsam ist, versuchen sie auf natürliche Weise, ihre Angst zu beruhigen. Im Fall von UAP können sie nach weiteren Informationen suchen, indem sie Regierungsberichte lesen, Kongressanhörungen verfolgen, historische Aufzeichnungen durchsuchen, Interviews anhören oder sich aktiv an Onlinegemeinschaften beteiligen. Jedes neue Dokument oder jede neue Zeugenaussage bietet die Möglichkeit, dass sie endlich das fehlende Puzzleteil finden.

Doch daraus kann auch ein Kreislauf aus Erwartung und Enttäuschung entstehen: Jedes Mal, wenn es eine neue Anhörung gibt, ein neuer Zeuge hervortritt oder die Veröffentlichung eines Dokuments angekündigt wird, steigen die Hoffnungen, dass dies die gesuchte Bestätigung sein könnte. Doch eindeutige Beweise scheinen niemals aufzutauchen.

Menschen können beginnen, sich getäuscht oder töricht zu fühlen, weil sie geglaubt haben, nun endlich eine Antwort zu bekommen. Und die Suche nach Informationen kann beginnen, emotional vereinnahmend zu werden, weil das Gehirn die offene Frage weiterhin als unerledigte Angelegenheit behandelt, die einer Lösung bedarf.

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Selbstsicherheit kann Beweise ersetzen

Wenn die gegebenen Erklärungen – sofern es überhaupt welche gibt – unzureichend sind, um das zu erklären, was wir beobachten, geschweige denn die grundlegende Frage zu beantworten, die sich alle stellen – nämlich „Sind wir allein im Universum?“ –, verschwindet das Interesse nicht einfach. Die Menschen beginnen, anderswo nach den Antworten zu suchen, die sie benötigen.

Die Forschung zeigt, dass Ungewissheit und ein Mangel an Kontrolle Menschen empfänglicher für falsche Erklärungen machen können.¹ Dies kann die Tür zum Glauben an Verschwörungstheorien öffnen, insbesondere an solche, die die Regierung als täuschend oder bedrohlich darstellen.

Wenn keine Informationen bereitgestellt werden, können Menschen beginnen, Stimmen, die laut oder selbstsicher auftreten, mit Glaubwürdigkeit zu verwechseln. Eine selbstbewusst vorgetragene Erklärung kann beruhigend wirken, doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie auf fundiertem Wissen beruht.

Staatliche Kommunikation wird Desinformation zwar nicht verhindern, sie kann jedoch den Raum verkleinern, in dem Desinformation wächst.

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Der Verlust von Vertrauen

Vertrauen hilft Menschen, Ungewissheit zu tolerieren. Wir müssen nicht selbst über sämtliche Informationen verfügen, solange wir glauben, dass diejenigen, die über sie verfügen, kompetent und ehrlich sind und in guter Absicht handeln.

Allein die Veröffentlichung von Informationen garantiert jedoch kein Vertrauen.

Untersuchungen zur Transparenz von Regierungen zeigen, dass diese mitunter Uneinigkeit, schlechte Entscheidungen oder Unsicherheit sichtbar machen kann und dadurch kurzfristig sogar das Vertrauen verringern kann.²

Menschen betrachten einen Prozess jedoch eher als fair und vertrauenswürdig, wenn sie glauben, dass die Regierung transparent handelt – selbst dann, wenn sie nicht das Ergebnis erhalten, das sie sich gewünscht haben.³ Dies ist psychologisch bedeutsam, weil faire und verständliche Verfahren es leichter machen, Ungewissheit zu ertragen.

Menschen können verstehen, dass die Regierung nicht wissen wird, was jedes UAP ist. Sie wollen jedoch verstehen, wie die Beweise bewertet werden, warum bestimmte Informationen weiterhin geheim bleiben, welche Schlussfolgerungen die vorhandenen Beweise zulassen und wie offene Fragen beantwortet werden.

Ohne dieses Verständnis bleibt es den Menschen überlassen, die bereitgestellten mehrdeutigen Informationen ebenso zu interpretieren wie das Schweigen der Regierung.

Menschen können ehrliche Ungewissheit tolerieren

Amtsträger könnten befürchten, dass das Eingeständnis von Ungewissheit das Vertrauen der Öffentlichkeit untergräbt. Forschung deutet jedoch darauf hin, dass ehrliche Ungewissheit häufig weniger schädlich ist als erwartet.

Studien haben ergeben, dass die Kommunikation von Unsicherheit nicht zu einer bedeutsamen Verringerung des Vertrauens in die Informationsquelle führt.⁴ Auch transparente Erklärungen über die Stärke und die Grenzen von Beweisen scheinen das öffentliche Vertrauen nicht zu untergraben.⁵

Eine solche Kommunikation bietet einen psychologisch wichtigen Rahmen.

Menschen können verstehen, dass Beweise unvollständig sind oder dass verschiedene Erklärungen möglich sind. Und sie können verstehen, dass es gute Gründe – etwa die nationale Sicherheit – dafür geben kann, dass bestimmte Informationen nicht sofort veröffentlicht werden können. Schwerer zu ertragen sind Gefühle von Mehrdeutigkeit und Ungewissheit, wenn es keinen klaren Prozess zu ihrer Auflösung gibt.

Ungewissheit in einen gemeinsamen Prozess verwandeln

Transparenz bei UAP ist nicht davon abhängig, dass jedes Dokument veröffentlicht wird. Sie erfordert jedoch eine klare und ehrliche Kommunikation, die den Menschen hilft, den sich entwickelnden Prozess besser zu verstehen.

Kommunikation allein wird die Ungewissheit nicht beseitigen. Wenn Menschen jedoch verstehen, was geschieht, kann die Entdeckung dessen, was UAP sind, zu einem gemeinsamen wissenschaftlichen Problem werden – und nicht zu einem Prozess, von dem sie sich ausgeschlossen fühlen.

Die Suche nach Antworten kann dann darauf ausgerichtet bleiben, die tatsächlichen Beweise zu entdecken, statt von dem Wunsch getrieben zu werden, das Unbehagen des Nichtwissens zu beseitigen.

Wie auch immer die letztendliche Erklärung für UAP aussehen mag: Die Öffentlichkeit reagiert bereits psychologisch auf den Prozess, in dem Informationen untersucht und veröffentlicht werden. Die Antworten sind wichtig. Aber ebenso wichtig ist die Erfahrung des Wartens auf sie.

Quellen
1. Douglas, K. M., Sutton, R. M., & Cichocka, A. (2017). The psychology of conspiracy theories. Current Directions in Psychological Science, 26(6), 538–542. https://doi.org/10.1177/0963721417718261
2. Grimmelikhuijsen, S., Porumbescu, G., Hong, B., & Im, T. (2013). The effect of transparency on trust in government: A cross-national comparative experiment. Public Administration Review, 73(4), 575–586. https://doi.org/10.1111/puar.12047
3. de Fine Licht, J. (2014). Transparency actually: How transparency affects public perceptions of political decision making. European Political Science Review, 6(2), 309–330. https://doi.org/10.1017/S1755773913000131
4. van der Bles, A. M., van der Linden, S., Freeman, A. L. J., & Spiegelhalter, D. J. (2020). The effects of communicating uncertainty on public trust in facts and numbers. Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(14), 7672–7683. https://doi.org/10.1073/pnas.1913678117
5. Kerr, J. R., Schneider, C. R., Freeman, A. L. J., Marteau, T., & van der Linden, S. (2022). Transparent communication of evidence does not undermine public trust in evidence. PNAS Nexus, 1(5), pgac280. https://doi.org/10.1093/pnasnexus/pgac280

Über die Autorin
Dr. Jennice Vilhauer absolvierte ihr Psychologiestudium an der University of California (UCLA) und erwarb ihren Doktorgrad an der Fordham University in New York City. Seit 15 Jahren ist sie als Psychologin tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche Führungspositionen an US-Krankenhäusern inne. Dazu gehörte unter anderem die Leitung der ambulanten Psychotherapieprogramme sowohl bei Emory Healthcare in Atlanta, Georgia, als auch am Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, Kalifornien. Im Juni 2026 wurde Sie als Mitglied in den „UAP Science Advisory Council“ berufen. Der Forschungsrat soll die US-Regierung bei der Untersuchung von unidentifizierten Flugobjekten und anomalen Phänomenen (UFOs/UAPs) wissenschaftlich beraten.

© Dr. Jennice Vilhauer

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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