Rätselhaftes Wolken-Zehneck über dem Südpol des Saturn entdeckt
Leioa (Spanien) – Von jeher ist der Planet Saturn ebenso Ziel für Science-Fiction-Visionen wie für wissenschaftliche Faszination und Entdeckungen. Während eine gewaltige sechseckige Struktur in der Atmosphäre über dem Nordpol des Ringplaneten seit über 40 Jahren stabil beobachtet wird, hat sich offenbar erst seit einigen Jahren eine nicht weniger erstaunliche Jet-Stream-Struktur mit zehn Seiten über dem Südpol entwickelt.

Copyright: NASA, ESA, STScI, A. Sánchez-Lavega (University of the Basque Country), A. Simon (NASA-GSFC), M. Wong (UC Berkeley); Image Processing: A. Pagan (STScI)
Inhalt
Wie das Team um Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes und Amy Simon vom Goddard Space Flight Center der NASA aktuell im Fachjournal „Science Advances“ (DOI: 10.1126/sciadv.aee425) berichtet, haben Saturns jahreszeitliche Veränderungen dazu geführt, dass sein Südpol nach längerer Zeit wieder besser von der Erde aus sichtbar wurde. Schon 2024 bemerkten Sánchez-Lavega sowie die Amateurastronomen Trevor Barry und Jean-Paul Oger in ihren Aufnahmen eine schwache, wellenförmige Struktur in der Atmosphäre rund um den Südpol. Weitere Aufnahmen aus dem Jahr 2025 deuteten zunehmend auf ein regelmäßiges Zehneck hin.
Geometrische Strömungsmuster über den Polen
Diese zehnseitige Struktur erinnert zwar auf den ersten Blick an das berühmte Sechseck am Nordpol des Planeten, unterscheidet sich von diesem jedoch in wesentlichen Punkten, berichten die Forschenden: Während das nördliche Hexagon seit mehr als 40 Jahren stabil beobachtet wird, scheint sich das südliche Decagon (Zehneck) erst vergleichsweise kürzlich entwickelt zu haben und derzeit in seiner Ausformung noch zu verstärken. Die aktuelle Entwicklung biete eine seltene Gelegenheit, die Entstehung und Veränderung eines gewaltigen atmosphärischen Musters direkt zu verfolgen.
Nach den ersten Beobachtungen von der Erde aus, konnten die Forschenden auch auf Hubble-Beobachtungen zurückgreifen, die bis ins Jahr 2023 zurückreichen. Die Aufnahmen stammen aus dem seit mehr als einem Jahrzehnt laufenden Programm „Outer Planet Atmospheres Legacy“ (OPAL), mit dem Hubble die äußeren Planeten regelmäßig dokumentiert.

Copyright: NASA, ESA, STScI, A. Sánchez-Lavega (University of the Basque Country), A. Simon (NASA-GSFC), M. Wong (UC Berkeley); Image Processing: A. Pagan (STScI)
Diese älteren Aufnahmen zeigen, dass sich bereits 2023 erste Hinweise auf die Struktur abzeichneten. Damit ließ sich nun nachvollziehen, wie sich das Muster allmählich entwickelt. Hubble bietet dabei gegenüber bodengebundenen Teleskopen den Vorteil einer hohen räumlichen Auflösung und kann den Saturn während seiner vollständigen Rotation ohne die störenden Effekte der Erdatmosphäre beobachten.
Ein neues Phänomen
Das Zehneck befindet sich innerhalb eines der starken Jetstreams des Saturn und erstreckt sich über mehrere Atmosphärenschichten. Es handelt sich daher offenbar nicht lediglich um eine Struktur in den obersten Wolkenschichten, sondern um ein vertikal ausgedehntes atmosphärisches Phänomen.
Dass sich die genaue Position des Zehnecks in den Hubble-Aufnahmen geringfügig verändert, führen die Astronomen auf unterschiedliche Beobachtungswellenlängen zurück. Diese dringen jeweils unterschiedlich tief in die Saturnatmosphäre ein.
Besonders bemerkenswert ist, dass frühere Aufnahmen der Raumsonde Cassini, die Saturn zwischen 2004 und 2017 umkreiste, keine vergleichbare langlebige Struktur erkennen ließen. Seit 1990 hatten Wissenschaftler gezielt aber vergeblich nach einem Gegenstück zum nördlichen Hexagon gesucht.
Weitere Beobachtungen
Warum das Zehneck gerade jetzt entstanden ist, ist bislang ungeklärt. Weitere Hubble-Beobachtungen sowie Untersuchungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop und Computersimulationen sollen zeigen, wie die Struktur entstanden ist und wie lange sie bestehen bleibt.
Die Forscher wollen insbesondere klären, ob sich das Zehneck zu einer stabilen, langlebigen Struktur entwickelt oder weiterhin verändert. Die Beobachtung verdeutlicht zugleich den Wert langfristiger Programme wie OPAL: Erst die über Jahre hinweg gesammelten Daten ermöglichen es, langsam ablaufende Veränderungen in den Atmosphären der äußeren Planeten zu erkennen.
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Webb-Teleskop entdeckt weitere rätselhafte Strukturen in der Atmosphäre des Saturn 23. September 2025
Neue Simulationen zeigen, wie das Saturn-Hexagon entstehen kann 15. Juni 2020
Cassini-Daten offenbaren zweites Sturm-Sechseck auf Saturn 4. September 2018
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Recherchequelle: ESAhubble.org
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