GreWi-Faktencheck: UAP-Beobachtungen der EU? Alte News in neuem Kleid
Paris (Frankreich) – Eine aktuelle Schlagzeile auf Euronews.com sorgt seit dem heutigen gestern für Aufsehen, wird darin doch behauptet, ein Schreiben würde belegen, dass die EU insgeheim UFOs/UAPs überwacht. Ein GreWi-Faktencheck rückt das Ganze jedoch in ein etwas anderes Licht.

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Inhalt
Zu Beginn erklärt der Euronews-Artikel, exklusiv eingesehenen Dokumente würden belegen, dass Brüssel durchblicken lasse, „dass man unidentifizierte anomale Phänomene (UAP) beobachte“, und entsprechende Beobachtungsfähigkeiten verbessere.
Die Euronews-Version
Im weiteren Verlauf suggeriert die Story das Bild von dem Sender vorliegenden geheimen Dokumenten, Briefen, Antwortschreiben und E-Mails unter anderem an und von der EU-Kommission und behauptet: „Die Europäische Kommission scheint seit mindestens 2023 unidentifizierte anomale Phänomene (UAP) unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung zu beobachten.“
Das vorliegende Dokument stamme demnach aus dem „Verteidigungsbereich der Kommission“ und beziehe sich „auf Beobachtungen des Himmels und des Weltraums über Malaysia“. Weiter erkläre die Kommission in einem Antwortschreiben an zwei malaysische Astronomen: „Wir werden besser darin, es (UAPs) zu sehen und besser darin, es zu identifizieren, da sich unsere technologischen Fähigkeiten verbessern, aber wir müssen noch besser werden“.
Laut Euronews signalisiere diese Aussage, „dass die EU-Kommission das Phänomen offenbar aktiver beobachtet, als dies bislang offiziell dargestellt wurde, und offenbar daran interessiert ist, es weiter zu untersuchen.“
Die beiden Astronomen hätten sich im Oktober 2022 mit einem Schreiben mit dem Titel „UAP captures in the airspace and deep space using our UV infrared telescope“ (dt: UAP-Aufnahmen im Luftraum und im Weltraum mit unserem UV-Infrarotteleskop) an die Kommission gewandt und dieser „37 Aufnahmen des Himmels und des Weltraums, darunter mutmaßliche UAP gesandt, und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach deren Herkunft gefragt“.
Weiter hätten die Astronomen erklärt, dass die Objekte „sehr nahe an Flugzeugen und wichtigen Zielen wie militärischen und nuklearen Einrichtungen“ zu fliegen schienen. „Wir haben außerdem verschiedene Signale von oben über die lokalen Netzwerke und WLAN-Frequenzen festgestellt“.
Da die beschriebenen Phänomene über Malaysia beobachtet worden seien, verweise die Kommission in dem Schreiben, das von Euronews weder im Original veröffentlicht noch verlinkt wurde, auf „fehlende Zuständigkeit“. Die EU-Kommission habe keine Befugnis, diese Angelegenheit zu untersuchen. „Gleichzeitig erklärte die Kommission jedoch, sie werde ihren 27 Mitgliedstaaten vorschlagen, ‚ihre Fähigkeit zu verbessern, Objekte in der Weltraumumgebung rund um die Erde zu erkennen‘. Dies diene teilweise dazu, „zu helfen, die von Ihnen beobachteten UAPs und die vielen Weltraumtrümmer, die die vielfältigen Nutzungen des Weltraums gefährden, besser zu identifizieren“, so das zitierte Schreiben der Kommission weiter und schränke zugleich ausdrücklich ein: „Wir behaupten nicht, dass dies in Zukunft alle Fälle lösen wird, wie jene, die Sie gemeldet haben, aber vielleicht einige von ihnen.“
Weiterhin hätten die beiden Amateurastronomen auch zahlreiche andere Institutionen, darunter die NASA, den Generaldirektor der malaysischen Atomenergiebehörde Abdul Rahim Harun, das malaysische Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie das kanadische Verteidigungsministerium mit gleichem Anliegen kontaktiert. Allesamt hätten diese das Anliegen „höflich zurückgewiesen“.
Der Rest des umfangreichen Artikels fasst einige der bisherigen Entwicklungen auf dem Gebiet der UAP-Forschung recht gut zusammen, während er zugleich auch einige gerade für den europäischen Raum elementar wichtige Entwicklungen völlig auslässt (u. a. die akademische Erforschung von UAP am IFEX an der Uni Würzburg). Diese Ausführungen haben jedoch mit der Haupt-Story und dem Claim des Artikels nur noch bedingt etwas zu tun.
– Den ausführlichen Originalartikel auf Euronews finden Sie HIER
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Alte News in neuem Kleid
Was Euronews aktuell als „exklusive“ News bezeichnet, ist hingegen unter UFO-Forschern schon seit 2024 bekannt. Damals erhielt – und veröffentlichte! – der Forscher Chris Gaffney über eine Anfrage unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz den Schriftwechsel der malaysischen Astronomen mit der EU-Kommission mit nahezu identischem Wortlaut.
– Einen damaligen ausführlichen Artikel von 2024 dazu finden Sie HIER auf Sentinel-News.org
GreWi meint…
Die Story ist also nicht neu. Die Meldung via Euronews erzeugt dennoch erwartungsgemäß großes Aufsehen, wird doch der Eindruck einer kleinen (oder auch großen) News-Sensation geweckt. Ein Beispiel dafür, welche Eigendynamik eine solche Story entwickeln kann, wenn Journalisten glauben, eine Exklusiv-Story entdeckt zu haben, dann aber mit Experten auf dem Gebiet keine Rücksprache zu dieser Behauptung gehalten haben.
Das ist umso bedenklicher, als dass vermutlich auch die Euronews-Lesart dieses Schreibens, dessen Inhalt überbewertet: Statt ein bislang geheime UAP-Beobachtungsbemühungen der EU zu offenbaren, handelt es sich bei diesem EU-Antwortschreiben im Form und Wortwahl ganz offensichtlich viel mehr um höfliche Allgemeinfomulierungen dafür, dass man hier schlichtweg nicht zuständig sei – und ja, den Luftraum und unbekannte Flugobjekte im Auge behalte.
Dass Euronews weder die Original-Korrespondenz noch Links dazu liefert, erschwert die Sachlage ebenso wie der Umstand, dass auch die besagten Aufnahmen und Beweise der namentlich nicht genannten malaysischen Astronomen bislang nirgends veröffentlicht wurden. Eine Überprüfung der grundlegend interessanten Behauptungen, ist also gar nicht möglich.
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Recherchequellen: Euronews, Sentinel News, eigenen Recherchen grewi.de
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