Pień (Polen) – Der Fund eines Skeletts aus dem 17. Jahrhundert mit einer Sichel um den Hals und einem Vorhängeschloss um den Fuß rückte das polnische Pien in den Fokus der Erforschung historische Vorstellungen von Wiedergängern und Vampiren. Nun weisen weitere Merkmale auf den einst aktiven Aberglauben auf.
Fundsituation eines mit Steinen beschwerten Kinderskeletts im polnischen Pien. Copyright/Quelle: TSE“Ewolucja“/Projekt Pień
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Das 2022 entdeckte Grab Nummer 75 stammt wahrscheinlich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und weist eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Kombination von Beigaben auf: Ein großes Vorhängeschloss war am linken großen Zeh Verstorbenen befestigt, während eine Sichel mit der Schneide in Richtung Hals über ihrem Hals platziert war.
Eine Sichel vor der Kehle sollte diese Frau von der Wiederkehr aus ihrem Grab abhalten. Copyright: Miroslav Blicharski / Aleksander Poznan
Die Forschenden interpretieren diese Anordnung und Merkmale als sogenannte apotropäische, also gegen Unheil gerichtete Maßnahmen, die dazu gedient zu haben scheinen, die Tote – der die Forschenden den Namen Zosia gaben – symbolisch daran zu hindern, aus dem Grab zurückzukehren oder den Lebenden zu schaden. Die Kombination aus Sichel und Vorhängeschloss in einem einzigen Grab ist nach Angaben der Autoren bislang ohne Parallele in der veröffentlichten archäologischen Literatur (…GreWi berichtete 1, 2, 3).
Über die Facebookseite „Pień – badania archeologiczne“, die über die Pień – archäologischen Funde und Untersuchungen in Pien berichtet, wurden nun weitere, bislang jedoch noch nicht offiziell publizierte Funde auf dem historischen Friedhof veröffentlicht.
Zum einen handelt es sich um den unteren Teil des Skeletts eines Kindes, das – auffallend ungewöhnlich – mit dem Kopf nach unten beigesetzt wurde und dessen Füße offenbar zusätzlich mit einer Eisenstange zu Boden gehalten werden sollten.
Blick auf die nach unten gerichteten Beine des Grabes eines Kindes im polischen Pien. Copyright/Quelle: L. Czyżewski/Projekt PienGrafische Rekonstruktion einer Bauchbestattung eines Kindes im polnischen Pien (Illu.). Copyright: Pień – badania archeologiczne und TSE Ewolucja
Angesichts des Fundes stellen sich derzeit allerdings noch zahlreiche Fragen: Was bedeutet beispielsweise das Fehlen des oberen Teiles des Skeletts? Ist es das Ergebnis früher Ausgrabungen oder einer absichtlichen, gezielten Handlung, sogenannter Entkeilung und/oder Exhumierung. Auch die Frage, ob die Eisenstange tatsächlich dazu diente, den Körper am und im Boden zu halten, sei noch nicht eindeutig geklärt. Obwohl die Vermutung nicht zuletzt wegen der früheren Funde naheliegen könnte, wollen die Forschenden um dem Anthropologen Dr. Matteo Borrini vermeiden, jegliche merkwürdigen Funde in Pien zwangsläufig als anti-vampirische/aphrodisiakische Beerdigung auszulegen, die darauf ausgelegt ist, den Toten daran zu hindern, zurückzukehren. Möglich wären auch gänzlich andere, beispielsweise magischen-religiöse Praktiken?
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Weiterhin offen sei zudem eine genaue zeitliche Einordnung, der körperliche Zustand des lebenden Kindes, seine Ernährung oder Herkunft (ob es sich um eine lokale Person handelte. Antworten erhoffen sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nun von genetischen und isotopischen Analysen, deren Ergebnisse zukünftig auch in Fachjournalen veröffentlicht werden sollen: „Bislang vermuten wir, dass es Gemeinsamkeiten mit Zosia vorliegen haben, aber das müssen wir es überprüfen.
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Mit Steinen beschwert
Im Jahr 2025 stießen Archäologinnen und Archäologen von „Project Pien“ und „TSE Evolucja“ auf die Reste eines weiteren, vermutlich aphrodisiakischen Grabes. Dem Leichnam des hier bestatteten Kindes – vermutlich, das zeigen erste Knochenanalysen, ein Junge, der von Borrini als „Vladimir“ bezeichnet wird – wurden zwar schwere Steine auf seine Schultern gelegt. Ein dritter Stein ruhte auf seinem Bauch (s. Titelabb.).
Grafische Rekonstruktion der einstigen Beisetzung (KI-Illu.). Copyright/Quelle: TSE“Ewolucja“/Projekt Pień
Auch hier erhoffen sich die Forschenden die vollständige Bestätigung von weiteren genetischen Studien, die dann auch in Fachjournalen veröffentlicht werden sollen. Während auch hier die Absicht der Steinauflagen auf den ersten Blick offenkundig scheint, halten sich die Forschenden auch bei der Deutung dieses Fundes bislang noch zurück, da es auch hier weitere Umstände zu berücksichtigen gelte.
Eine um den Hals gelegte Sichel sollte offenbar beigesetzte vermeintliche Vampire beim Versuch sich zu erheben enthaupten. Das Foto zeigt eines der 2008/09 auf dem Friedhof von Drawsko im Nordwesten Polens entdeckten Skelette. Copyright/Quelle: Gregoricka, Betsinger et al. / PLoS One
Diesem angeblichen Pest-Vampir in Venedig wurde bei der Bestattung anno 1578 ein Steinquader in den Mund getrieben. Copyright: Matteo Borrini, restiumani.it
Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)
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