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Neue DNA-Analysen zeigen: „Stonehenge-Schamane“ war eine Frau

Devizes (Großbritannien) – Ein bereits 1803 in einem Grabhügel 16 Kilometer von Stonehenge entfernt entdecktes Skelett aus der Bronzezeit gilt als das eines in der Metallverarbeitung kundigen Schamanen und wurde bislang als das eines Mannes gedeutet. Eine neue DNA-Analyse zeigt nun, dass dem nicht so ist.

Die Ausstellung der Funde zum „Upton Lovell Shaman“ im Wiltshire Museum in Devizes zeigt derzeit noch eine Rekonstruktion des Skeletts als bärtigen Mann.Copyright: Wiltshire Museum
Die Ausstellung der Funde zum „Upton Lovell Shaman“ im Wiltshire Museum in Devizes zeigt derzeit noch eine Rekonstruktion des Skeletts als bärtigen Mann.
Copyright: Wiltshire Museum

Das Grab wurde 1803 von William Cunnington bei Upton Lovell erstmals erkundet. Aufgrund der Größe der Knochen schloss man damals und seither, dass die Bestattung „offenbar einem kräftigen Mann“ gehörte. Bestärkt wurde diese Zuordnung durch zahlreiche bemerkenswerte Grabbeigaben, darunter eine Streitaxt, Werkzeuge zur Goldverarbeitung sowie ein Umhang, der mit durchbohrten Tierknochen verziert war. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Grabhügel durch landwirtschaftliches Pflügen stark beschädigt. Im Jahr 2000 wurde die Fundstelle deshalb unter der Leitung von Dr. Colin Shell, Senior Fellow an der Universität Cambridge, und mit Unterstützung der Wiltshire-Archäologin Gill Swanton erneut ausgegraben. Colin Shell barg die menschlichen Überreste und entdeckte als Erster Spuren von Gold auf einigen der steinernen Werkzeuge aus dem Grab.

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Neue Forschugsergebnisse

Gemeinsam mit der Ausstellung „We Go Way Back“ zu Untersuchungen sogenannter alter DNA am Francis Crick Institute in London präsentiert das die Funde beherbergende Wiltshire Museum in Devizes neue Forschungsergebnisse, wonach der sogenannte „Upton Lovell Shaman“ tatsächlich eine im Goldhandwerk kundige Frau war.

„Die Analyse der aus Schädel, Zahn und Zehenknochen gewonnenen DNA ergab, dass die Bestattete über XX-Geschlechtschromosomen verfügte, wie sie typisch für weibliche Personen sind“, erläutert der Direktor des Wiltshire Museum, David Dawson. “Untersuchungen der Knochen zeigen außerdem, dass sie beim Tod wahrscheinlich älter als 45 Jahre war und an Arthrose im rechten Handgelenk litt – ein Befund, der mit der lebenslangen Nutzung von Werkzeugen zur Metallbearbeitung übereinstimmt. Die detaillierten Untersuchungen, die im Ancient Genomics Laboratory des Crick Institutes durchgeführt wurden, sollen in Kürze in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden.“

Lisa Brown, Kuratorin des Wiltshire Museum, erklärte: „Diese bahnbrechende Forschung, die modernste Methoden nutzt, zeigt, wie wichtig es ist, Museumssammlungen für wissenschaftliche Analysen zugänglich zu machen. Wir haben nun ein völlig neues Verständnis dieser Bestattung gewonnen. Damit schreiben wir ihre Geschichte neu, überwinden stereotype Vorstellungen und rücken Frauen in das Zentrum unseres Verständnisses der Gesellschaft der frühen Bronzezeit.“

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Belege für die Sonderstellung von Frauen in der Bronzezeit

„Damit gibt es erstmals direkte Belege dafür, dass Frauen bereits zur Zeit von Stonehenge kunstvolle Goldobjekte herstellten“, erläutert Dawson weiter. „Zu den Grabbeigaben gehören vier Feuersteinäxte, die zum Zeitpunkt der Bestattung bereits rund tausend Jahre alt waren. Auf ihnen fanden sich winzige Spuren von Ocker. Dieses feine Mineralpulver wurde zwar als Farbstoff verwendet, spielte aber auch beim Polieren von Metall eine wichtige Rolle. Kleine Gefäße, die ebenfalls Ocker enthielten, dienten vermutlich dazu, das Pulver während der Arbeit bereitzuhalten.“

Besonders aufschlussreich sei eine stark beschädigte Streitaxt aus Stein, die deutliche Gebrauchsspuren vom Hämmern aufweist. „Offenbar war sie das wichtigste Werkzeug der Handwerkerin. Da es sich ursprünglich um eine Streitaxt handelte, besaß sie vermutlich eine eigene Geschichte – ihre Besitzerin dürfte gewusst haben, wem sie einst gehört hatte und in welchem Zusammenhang sie verwendet worden war.“

Ein weiteres bemerkenswertes Fundstück ist ein sogenannter Prüfstein (Touchstone). Auf diesem dunklen Stein konnte Gold abgerieben werden; die Farbe des Abriebs verriet den Reinheitsgrad des Metalls. „Auch dieser Prüfstein belegt das hohe fachliche Können und das metallurgische Wissen der Frau.“

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vermuten außerdem, dass sie nicht nur Metallhandwerkerin, sondern auch eine Schamanin gewesen sein könnte. „Dafür sprechen die Knochen, die mit ihr bestattet wurden: Sie trug eine Halskette aus Knochen, weitere Knochen waren am unteren Saum ihres Umhangs befestigt“, erklärt Dawson. „Diese außergewöhnliche Bestattung vereint beide Rollen auf eindrucksvolle Weise und erzählt die Geschichte einer Frau, die zugleich meisterhafte Goldschmiedin und spirituelle Persönlichkeit gewesen sein könnte.“

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Recherchequelle: The Wiltshire Museum

© grewi.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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