Eine neue Skala zur Ermittlung untersuchungswürdiger UFO-Sichtungen
Eine elfstufige Skala soll die Zahl von „Fehlalarmen“ bei UFO-Sichtungsmeldungen reduzieren, damit Wissenschaftler sich auf schwerer erklärbare und damit wirklich interessanten Fälle konzentrieren können.

Copyright: grewi.de (KI erstellt)
Inhalt
– Bei dem folgenden Artikel handelt es sich um eine Übersetzung des englischsprachigen Originalartikels „A new scale for spotting UFO reports worth investigating“ von Dirk Schulze-Makuch und Tony Reichhardt, der am 11. Juni 2026 erstmals auf BigThink.com veröffentlicht wurde. Der Hinweis auf UAP-Meldestrukturen in Deutschland wurde durch GreWi hinzugefügt. Die Autoren haben die Übersetzung genehmigt. Die im Artikel gemachten Aussagen sind die der Autoren.
von
Dirk Schulze-Makuch & Tony Reichhardt
Unidentifizierte Luftphänomene (UAP, früher als UFOs bezeichnet) sind wieder in den Nachrichten – durch die jüngsten Veröffentlichungen (größtenteils alter) Fallakten durch das US-Kriegssministerium sowie durch den Start von Steven Spielbergs aktuellem Film „Disclosure Day“. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass uns eines von beidem der Lösung des Rätsels der UAPs näherbringen wird. Hilfreicher könnte dagegen eine Methode sein, mit der bestimmt werden kann, welche der jährlich gemeldeten Tausenden von UFO/UAP-Sichtungen tatsächlich eine Untersuchung wert sind.
Zu diesem Zweck schlagen wir eine Bewertungsskala vor, die Bürgern und Wissenschaftlern gleichermaßen helfen soll, die Zuverlässigkeit von UAP-Berichten anhand der Art und Qualität der Beweise einzuschätzen. Diese Skala wird die meisten Fälle nicht lösen (mehr als die Hälfte der vom der US-UAP-Unteruschungsbehörde „AARO“ [All-domain Anomaly Resolution Office] geprüften Sichtungen verfügen nicht über ausreichende Daten für eine gründliche Analyse). Sie könnte jedoch helfen, die Zahl der „Fehlalarme“ zu reduzieren.
Wir gehen von der Annahme aus, dass die meisten UAP-Berichte auf Missverständnissen beruhen – Menschen sehen ihnen unbekannte Objekte am Himmel, die bei vollständiger Untersuchung eine gewöhnliche Erklärung hätten. Diese Objekte reichen von Ballons und Drohnen (die zusammen 91 Prozent der zwischen 1996 und 2024 vom AARO aufgeklärten Sichtungen ausmachten) bis hin zu Meteoren, Vogelschwärmen und sogar seltenen atmosphärischen Erscheinungen wie sog. „Sprites“ und „Elves“.
Es bedeutet nicht, dass Menschen, die gewöhnliche Objekte fälschlicherweise als UAP melden, dumm oder unehrlich sind. Meistens haben sie einfach etwas gesehen, das ihnen ungewöhnlich erschien, und möchten wissen, was es war. Wenn man noch nie eine [astronomische] helle Feuerkugel am Nachthimmel oder eine Reihe von Starlink-Satelliten gesehen hat, kann dies durchaus wie etwas aus einem Science-Fiction-Film wirken.
Wir weisen auch nicht grundsätzlich die Möglichkeit zurück, dass UAPs außerirdischen Ursprungs sein könnten. Es ist durchaus möglich, dass andere raumfahrende Zivilisationen in unserer Galaxie existieren. Und selbst wenn die Entfernungen zwischen Sternen groß sind – was würde eine Reise von 10.000 Jahren für Wesen bedeuten, die möglicherweise in einem biologischen Ruhezustand 100-mal länger leben? Die Möglichkeit, dass auch nur ein gemeldetes UAP ein Hinweis auf fortgeschrittenes außerirdisches Leben sein könnte, erklärt das anhaltende öffentliche Interesse an diesem Thema und macht eine ernsthafte wissenschaftliche und staatliche Untersuchung sinnvoll.
Die vorgeschlagene Zuverlässigkeitsskala für UAP-Berichte
Wie bewertet unsere Skala also gemeldete Sichtungen? Wir ordnen sie nach der Qualität der Beweise ein und berücksichtigen Faktoren wie die Zahl der Beobachter, vorhandene unterstützende Beweise (beispielsweise Fotos oder Videos) sowie die Frage, ob Zeugen oder Dritte versucht haben, eine gewöhnliche Erklärung für das Beobachtete zu finden.
* 10 Lang andauernde Sichtung durch mehrere Einzelpersonen oder Gruppen an verschiedenen Orten oder aufgezeichnete Daten mehrerer Sensoren; physische Beweise; von Experten geprüft und bislang ungeklärt
* 9 Lang andauernde Sichtung durch mehrere Einzelpersonen oder Gruppen an verschiedenen Orten oder aufgezeichnete Daten mehrerer Sensoren; physische Beweise
* 8 Lang andauernde Sichtung durch mehrere Einzelpersonen oder Gruppen an verschiedenen Orten oder aufgezeichnete Daten mehrerer Sensoren; von Experten geprüft und bislang ungeklärt
* 7 Lang andauernde Sichtung durch mehrere Einzelpersonen oder Gruppen an verschiedenen Orten oder aufgezeichnete Daten mehrerer Sensoren; plausibel erklärt, aber die Erklärung ist umstritten
* 6 Lang andauernde Sichtung durch mehrere Einzelpersonen oder Gruppen an verschiedenen Orten oder aufgezeichnete Daten mehrerer Sensoren
* 5 Lang andauernde Sichtung durch eine Einzelperson oder Gruppe mit aufgezeichneten Beweisen
* 4 Lang andauernde Sichtung (mehr als etwa 10 Sekunden) durch eine Einzelperson oder Gruppe, ohne aufgezeichnete Beweise
* 3 Kurzzeitige Sichtung durch eine Einzelperson oder Gruppe mit aufgezeichneten Beweisen
* 2 Kurzzeitige Sichtung durch eine Einzelperson oder Gruppe, untersucht, aber ohne aufgezeichnete Beweise
* 1 Kurzzeitige Sichtung (unter etwa 10 Sekunden) durch eine Einzelperson oder Gruppe, nicht untersucht
* 0 Sichtung zweifelsfrei als bekanntes Phänomen oder Objekt erklärt
Dieser letzte Schritt – der Versuch, eine gewöhnliche Erklärung zu finden, der notwendig ist, um von Kategorie 1 auf Kategorie 2 oder höher aufzusteigen – könnte der wichtigste Faktor sein, um die Zahl falscher Alarme zu reduzieren. Einige UAP-Melde-Organisationen wie das „National UFO Reporting Center“ und „Enigma Labs“ bieten wahrscheinliche Erklärungen für bestimmte online eingereichte Fälle an. Zukünftige Systeme mit künstlicher Intelligenz werden zweifellos noch mehr Fälle erklären können. Aber bereits heute kann man durch etwas Online-Recherche möglicherweise selbst eine Erklärung für ein mysteriöses Licht am Himmel finden.
Eine „Vor der Meldung prüfen“-Checkliste
Daher empfehlen wir UAP-Zeugen, sich vor einer Meldung die Zeit für eine einfache eigene Überprüfung zu nehmen. Nachfolgend eine Liste möglicher UAP-Erklärungen sowie Quellen, die jeweils überprüft werden können:
* Flugzeuge: FlightRadar24 oder ADS-B Exchange
* Wetterballons: SondeHub Tracker
* Raketenstarts oder Wiedereintritte: U.S. Launch Range Locations oder Vapor Tracers
* Meteore: American Meteor Society (im deutschsprachigen Raum u.a. Arbeitskreis Meteore e.V.)
* Satelliten: N2YO.com Real Time Satellite Tracking oder Starlink Satellite Map
* Militärflugzeuge: Karten US-amerikanischer Militärstützpunkte, um mögliche Tests und Überflüge zu überprüfen. Viele Stützpunkte veröffentlichen Hinweise zu solchen Ereignissen und beantworten Anfragen über ihre Informationsstellen. Eine Liste deutscher Militärstandorte finden Sie HIER
* Ungewöhnliche Wolkenformationen: Cloud Appreciation Society (D: Meteoros.de)
* Sterne oder Planeten: Stellarium Star Map
* Vögel: BirdCast-Vorhersagen für Vogelwanderungen in Echtzeit / Europa
* Drohnen: Interactive Map of UAV Drones over the USA (eine sehr begrenzte Liste der geschätzten 8.500 öffentlichen und privaten Drohnen, die täglich im US-Luftraum unterwegs sind)
Damit eine Sichtung in eine höhere Kategorie unserer Skala eingestuft werden kann (Kategorie 8 und höher), ist eine gründliche, detaillierte Untersuchung durch externe Experten erforderlich. Dies gilt besonders für Informationen, die durch moderne Sensoren gesammelt wurden, deren genaue Fähigkeiten und mögliche Fehlerquellen oft nur einer relativ kleinen Gruppe von Spezialisten bekannt sind.
Wir schlagen vor, dass solche Prüfungen durch neutrale Stellen durchgeführt werden (die nicht mit dem UAP-Zeugen verbunden sind), entsprechend der Tradition wissenschaftlicher Begutachtung. Dazu sollten Personen mit beruflichem Hintergrund in Wissenschaft, Ingenieurwesen, Psychologie und anderen relevanten Bereichen gehören. Diese Expertenprüfungen könnten in den USA durch das AARO oder durch ein dauerhaftes Komitee einer angesehenen Organisation wie dem „American Institute of Aeronautics and Astronautics“ oder der „U.S. National Academy of Sciences“ durchgeführt werden. Obwohl die NASA-Studie zu Unidentified Anomalous Phenomena aus dem Jahr 2023 nicht damit beauftragt war, konkrete UAP-Behauptungen zu untersuchen, könnte sie als Modell für einen solchen Ansatz dienen.
UFO-Meldungen in Deutschland
In Deutschland widmet sich seit 1972 die zivile Gesellschaft zur Untersuchung des UFO-Phänomens (GEP) der Untersuchung von UFO-Sichtungsmeldungen aus der Bevölkerung. Gemeinsam mit den Forschungsvereinen MUFON-CES und IGAAP betreibt die GEP zudem die öffentliche Online-UFO-Datenbank über die ebenfalls Sichtungen gemeldet aber auch bereits eingetragene Sichtungsmeldungen recherchiert werden können.An der Universität Würzburg erforscht das „Interdisziplinäre Forschungszentrum für Extraterrestrik“ (IFEX) neben Raumfahrttechnologien auch UFOs/UAPs ganz offiziell und im Rahmen des Forschungskanons der Universität. Über die dortige „UAP-Meldestelle für Piloten“ können Piloten und Crewmitglieder ihre Sichtungen melden.
In Deutschland ist das IFEX das einzige institutionelle Forschungszentrum, das sich per Statut ausdrücklich u.a. auch der Erforschung von UAP/UFO widmet, während es ansonsten in Deutschland keine Behörde oder staatliche Einrichtung dazu gibt.
Wer auch immer die Experten sind, sollte berücksichtigen, dass UAP-Sichtungen aufgrund ihrer Natur ein Problem für wissenschaftliche Untersuchungen darstellen, da sie nicht im Labor reproduziert werden können. Physische Beweise sind hilfreich, aber selten. Die Glaubwürdigkeit vieler Fälle hängt von der Zuverlässigkeit der Zeugenaussagen ab, und ein eindeutiger Nachweis wird selbst unter idealen Bedingungen schwer zu erbringen sein.
Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Einzelpersonen und Gruppen [darunter die genannten Gruppen und Einrichtungen in Deutschland, IFEX, GEP] Metabunk, Skeptoid, das American Institute of Aeronautics and Astronautics, die Society for UAP Studies, die SCU oder das Galileo Project an der Harvard University, die sich ernsthaft darum bemühen, UAP-Beweise wissenschaftlich und kritisch zu bewerten. Uns ist bewusst, dass auch bei Fällen mit einer plausiblen Erklärung die Diskussionen weitergehen können. Daher werden viele Fälle wahrscheinlich nicht über Kategorie VII hinauskommen – darunter auch einige, die in der UAP-Literatur bekannt geworden sind. In manchen Fällen wird es wahrscheinlich niemals ein endgültiges, autoritatives Urteil geben.
Um zu zeigen, wie unsere vorgeschlagene Bewertungsskala angewendet werden könnte, haben wir in einer aktuellen Arbeit zwei bekannte UAP-Fälle bewertet: den Fall Council Bluffs (Iowa, 1977) und die Nimitz-„Tic Tac“-Begegnungen aus dem Jahr 2004.
Wir ermutigen alle, gegenüber UAP offen zu bleiben und daran zu denken, dass selbst der erfahrenste Beobachter das Erlebte falsch interpretieren kann (die Äußerungen des erfahrenen Astronauten Scott Kelly vor dem NASA-Untersuchungsgremium 2023 sind hierfür aufschlussreich). Wir hoffen, dass unser Bewertungssystem – oder etwas Vergleichbares – dazu beitragen kann, Licht in ein Rätsel zu bringen, das die Öffentlichkeit weiterhin fasziniert.
© Dirk Schulze-Makuch & Tony Reichhardt / dt. Übers. grewi.de
Bücher zum Thema

– Bei einer Bestellung via Amazon erhält GreWi eine Provision. –
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Was beinhaltet die zweite Tranche der US-UFO-Akten? 25. Mai 2026
US-Super-Geheimdienst NSA gibt ehemals strengst geheime UFO-Akten frei 20. Mai 2026
US-UFO-Akten online: Eine Milliarde Aufrufe nach nur einer Woche 19. Mai 2026
US-Kriegsministerium bereitet Veröffentlichung von 46 UFO-Videos vor 15. Mai 2026
Trumps erste UFO-Akten – Ein Kommentar 9. Mai 2026
US-Kriegsministerium veröffentlicht erste UFO-Akten 8. Mai 2026
© grewi.de