Trumps erste UFO-Akten – Ein Kommentar
Saarbrücken (Deutschland) – Lange angekündigt und geteasert, wurde gestern die erste Tranche der von Donald Trump versprochenen US-UFO-Akten veröffentlicht. Ein Kommentar von GreWi-Hrsg. Andreas Müller.

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Nothingburger oder Royal-Cheese…?
Im US-Englischen gibt es einen gerade in Zeiten schneller Nachrichten und Social-Media populärgewordenen Begriff des „Nothingburgers“. Gemeint ist damit eine Situation, eine Nachricht oder eine Person, die medial viel Aufmerksamkeit erhält, sich aber nach dem ersten Hype und bei Überprüfung als eher belanglos, enttäuschend oder inhaltslos herausstellt. Da Donald Trump, auf dessen Initiative und Anweisung (als Reaktion auf Obamas „Aliens sind Real“-Aussagen) die Veröffentlichung der UFO-Akten zurückgeht, bekannt für seine Vorliebe für Fast-Food-Burger ist, scheint dieser Vergleich und Nachfrage naheliegend.
Kleiner Spoiler vorab: Ein „Nothingburger“ sind die veröffentlichten Akten nicht. Aber es handelt sich auch nicht um ein „Royal-Double-Bacon-mit-Käse-Menü“.
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Zunächst ist erstaunlich und lobend hervorzuheben ist, mit welchem Aufwand das neu eingeführte „Presidential Unsealing and Reporting System for UAP Encounters“ (kurz: PURSUE) auf den Seiten des ehemaligen US-Verteidigungs- und jetzigen „Kriegsministeriums“ (Department of War, DOW) präsentiert wird (…GreWi berichtete).
Doch schon in die einleitenden Erläuterungen auf der Webseite dieses “Präsidialen Systems zur Entsiegelung [Freigabe] und Meldung von UAP-Begegnungen“ zeigen, leitet (zumindest eine thematisch unbedarfte Leserschaft) auf eine falsche Fährte.
Nachdem zuvor von Trump und dem DOW behauptet wurde, es handele sich um „bislang unbekannte“ Akten, suggeriert der einführende Text auf der neuen Webseite, dass hier nur rätselhafte, also vermutlich echte UFO-Fälle präsentiert werden („Die hier archivierten Materialien betreffen ungelöste Fälle. Das bedeutet, dass die Regierung keine endgültige Bestimmung über die Natur der beobachteten Phänomene treffen kann.“) Zwar heißt es im Anschluss weiter: „Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen, unter anderem aufgrund unzureichender Daten. Das Department of War begrüßt daher Analysen, Informationen und Fachwissen aus dem privaten Sektor“, doch zeigen zahlreiche erste Reaktionen gerade aus den Nachrichtenmedien, die sich nicht von wirklichen Experten braten ließen, dass diese Zusatz schnell und gerne untergeht. Stattdessen ist man versucht, den nun veröffentlichten Akten allzu schnell alleine, weil sie vom DOW veröffentlicht wurden ein Echtheitszertifikat oder zumindest das Prädikat „Vom PURSUE und dem DOW geprüft und im Sinne der UFO-Frage für gut befunden“ auszustellen.
Doch gerade hier ist jedoch große Vorsicht geboten!
Im Westen kaum Neues
Tatsächlich handelt es sich bei den meisten der Aktenbestände dieser ersten Tranche um bereits bekannte Akten. Einige sind sogar schon seit Jahrzehnten bekannt – teilweise, weil die Regierungsorganisationen, aus deren Archiven sie stammen, diese selbst schon zuvor auch online als UFO-Akten veröffentlicht hatten. So betreibt etwa das FBI, von dem 82 der insgesamt 162 Akteneinheiten stammen, schon seit vielen Jahren eine Webseite (https://vault.fbi.gov/UFO), auf der auch die UFO-Akten des US-Inlandsgeheimdienstes veröffentlicht wurden.
Auch die Akten zu den sogenannten „Foo Fighter“-Sichtungen alliierter (und vermutlich auch deutscher) Piloten im Zweiten Weltkrieg über Deutschland, Europa und Asien, sind nicht neu und seit vielen Jahren über die US-National-Archives öffentlich und online einsehbar. (Eines dieser Dokumente (s.11/17) finden sie beispielsweise in meinem gerade erschienenen Buch „UFO – Ein Sachbuch“, S. 117).
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Ebenfalls nicht, dafür aber umstritten ist die UFO-Sichtung durch Astronaut Frank Borman während der Gemini-7-Mission. Interessant hierzu sind die nun (meines Wissens erstmals?) freigegebene Audio-Aufzeichnung des Funkverkehrs zur Sichtung. Auch die Aufnahmen der Apollo-Missionen 12 (siehe bspw. HIER), 13 und 17, die nun Teil der veröffentlichten UFO-Akten sind und Lichter über dem Mondhorizont zu zeigen scheinen, sind bereits seit Jahrzehnten von der NASA selbst publiziert und teilweise Inhalt von wissenschaftlichen Publikationen.
Veröffentlichungen ohne wissenschaftliche Begleitung
Nicht zuletzt angesichts der NASA-Fotos zeigt sich ein weiterer Mangel von PURSUE: Offenbar geschieht die Aufnahme und Veröffentlichung der Akten ohne eine wissenschaftliche Begleitung, Prüfung, Bewertung oder zumindest Kommentierung dieser Akten, Fotos, Aufnahmen und Materialien. Denn gerade während der Apollo-Mondlandungen wurden von den Raketen der Landestufen sowie den Arbeiten auf der Mondoberfläche selbst eine Vielzahl von kleineren und größeren Trümmern in den Mondhimmel und dessen Umlaufbahn geschleudert, die von hier aus durchaus als Reflexionsquellen infrage kommen können. Zwischen solchen Trümmern und potenziell „echten UFOs“ zu unterscheiden wäre von essenzieller Bedeutung, statt lediglich Lichtpunkte auf alten Aufnahmen zu staunen.
Diese Forderung soll aber nicht im Sinne einer Aussortierung oder gar Zensur verstanden werden! Eine solche wissenschaftliche Begleitung kann schon durch einen entsprechend ausgewiesenen Hinweis erreicht werden, der etwa den Bildveröffentlichungen beigegeben wird und Inhalte und Motive kommentiert. Dieses Mindestmaß an wissenschaftlicher Begleitung findet im PURSUE-System leider nicht statt. Schade.
Dieser Umstand führt dann auch dazu, dass eine unbedarfte Leserschaft, aber auch Journalisten und Medienoutlets, die auf eine Rücksprache und die Expertise erfahrender UFO-Forscher verzichten, in diesen neuen Akten Sensationen wittern und veröffentlichen, ohne diese ihrerseits prüfen zu lassen.
Ein anschauliches Beispiel liefert der Nachrichtensender u. a. „EuroNews“, der (basierend auf der weltweit verbreiteten AP-Meldung) eine veröffentlichte Akte zur Behauptung der Konstruktion eines angeblichen „scheibenförmigen, ferngesteuerten Flugobjekts durch die Nazis“ verbreitet. Tatsächlich ist auch der Inhalt dieser und ähnlicher Akten lange bekannt und die Behauptung realer sog, Reichsflugscheiben“ wissenschaftlich sehr gut aufgearbeitet – und im Kern widerlegt.
Der wirklich interessierten Leserschaft seien hier die Bücher von André Kramer „Vorsicht Verschwörung! Verschwörungstheorien, UFOs, Atlantis und Paläo-SETI im Lichte rechtsextremer Unterwanderung“, Gerhard Wiechmann „Von der deutschen Flugscheibe zum Nazi-UFO“, mein eigener erster Band über „Deutschlands UFO-Akten“ oder auch „Flying Saucers from Naziland“ von Maurizio Verga empfohlen.
Statt mit also UFO-Historikern Rücksprache zu halten, setzt man lieber auf eine Schlagzeile, in der Nazis und UFOs in einem Satz vorkommen können – und befeuert damit einmal mehr jene Verschwörungsnarrativen, denen man sonst eigentlich mit wissenschaftlichen und journalistisch recherchierten Fakten begegnen sollte. Erneut Schade.
Veröffentlichung ohne wissenschaftliche Daten
Ein weiterer schwerwiegender Kritikpunkt an die PURSUE-Veröffentlichung ist die sich durch die Akten und Materialien weiterhin hindurchziehende, teils starke Zensur. Auch wenn diese im Sinne des Persönlichkeitsschutzes und stattlicher Geheiminformationen hier und da gerechtfertigt ist, nimmt er doch einem Großteil der so geschwärzten Dokumente und Materialien den wissenschaftlichen Wert. Dies betrifft besonders die (teilweise neuen) Foto- und Filmaufnahmen: Jeglicher Meta-Daten durch schwarze Balken beraubt, fehlen die für eine unabhängige wissenschaftliche Analyse notwendigen Informationen unter anderem zu Ort, Zeit, Flughöhen, Telemetrie und Geschwindigkeit der abgebildeten Objekte. Auf diese Weise ist es kaum bis meist gar nicht möglich zu bewerten, ob ein auf den ersten Blick exotisch wirkendes Flugmanöver das Ergebnis einer tatsächlich Flugleistung des gefilmten Objekts oder aber das verwirrende Ergebnis falscher Perspektive, etwa der sogenannten Parallaxe. Hierbei handelt es sich um einen Wahrnehmungseffekt, bei dem sich nahe Objekte scheinbar schneller und ungewöhnlicher vor dem Hintergrund bewegen als weit entfernte Objekte, wenn sich der Beobachter bzw. die Kamera (etwa einer Drohne) ebenfalls bewegt.
(Ein einfaches Beispiel: Schaut man aus einem fahrenden Auto, ziehen nahe Bäume schnell vorbei, während entfernte Berge sich kaum zu bewegen scheinen. Dieser Effekt kann auch bei UFO-Sichtungen eine Rolle spielen, etwa wenn helle Himmelsobjekte durch Eigenbewegung des Beobachters falsch eingeschätzt werden.).
Auf diese Weise verkommen potenziell interessante Filmbeweise für UFOs zu „Filmchen“ ohne wissenschaftlichen Wert. Auch hier: Schade.
Was bleibt…?
Abschließend gilt es anzuerkennen, dass es sich erst um die erste von zahlreichen weiteren, schon jetzt angekündigten Tranchen handelt.
Tatsächlich haben sich schon einige US-Abgeordnete selbst enttäuscht von den ersten Veröffentlichungen gezeigt und erklärt, sie selbst hätten bereits in geheimen Unterrichtungen sehr viel überzeugendere Aufnahmen wirklich unglaublicher UFOs gesehen:
Noch kurz für der PURSUE-Veröffentlichung hatte die der „Task Force zur Freigabe von Regierungsgeheimnissen“ vorsitzende republikanische Abgeordnete Anna Paulina Luna (Florida) von Kriegsminister Pete Hegseth die unmittelbare Veröffentlichung von 46 namentlich ausgewiesenen UFO-Videos gefordert (…GreWi berichtete) von denen keines in der ersten Tranche beinhaltet war. Erneut forderte Luna nun die Veröffentlichung dieser Filme.
Auch der ebenfalls republikanische Abgeordnete Eric Burlison (Missouri) erklärte als Reaktion auf die jüngste PURSUE-Veröffentlichung gegenüber FOX-News:
„Ich denke, diese Veröffentlichung sind erst ein erster vorsichtiger Vorgeschmack. Das sind erst die tief hängenden Video-Früchte. (…) Ich selbst habe Videos gesehen, die sich derzeit im Deklassifikations-Prozess befinden sollten. Wenn diese nicht deklassifiziert werden, dann werde ich sie selbst veröffentlichen.“
🚨 CONGRESSMAN THREATENS TO DROP CLASSIFIED UFO VIDEOS HIMSELF if the government won’t after TODAY’S massive Pentagon UFO files release! 👽🛸
Rep. Eric Burlison just went on Will Cain and dropped this:
“Every previous president dismissed or openly mocked the UAP topic.… pic.twitter.com/YdWFRJXOfq
— Interstellar (@InterstellarUAP) May 8, 2026
Noch finden sich in den PUSRUSE-Akten von Trumps Kriegsministerium also wenig Neues und ganz sicher keine eindeutigen Beweise und Antworten auf die Frage, was UFOs und UAPs sind. Sie zeigen jedoch, dass die US-Regierung eine Vielzahl von Fällen kennt, in denen die Natur und Herkunft der beobachteten und detektierten Objekte bis heute nicht erklärt werden kann. Sie zeigen auch, wie ernst man diese Phänomene ganz offiziell nimmt. Es bleibt zu wünschen, darf zugleich aber leider auch bezweifelt werden, dass zukünftige Tranchen weniger Schwärzungen interessanter Daten und wirklich neue Fälle und bestenfalls Beweise enthalten.
Diese erste Tranche mag also kein „Nothingburger“ sein – mehr als ein „Cheeeburger“ ist es aber auch noch nicht und zu einem „Royal-Doubble-Bacon-mit-Käse-Menü mit ganz viel Extras“ fehlen bislang noch einige notwendige Zutaten.
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
US-Kriegsministerium veröffentlicht erste UFO-Akten 8. Mai 2026
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