Kognitive Grundlagen von Skeptikern und Gläubigen: Warum Stereotype Klischees oft nicht greifen
Manchester (UUU) – Der Umgang und Haltungen gegenüber dem Paranormalen wird gerne auf zwei Grundhaltungen heruntergebrochen: Skeptiker und Gläubige. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich diese Geisteshaltungen zwar unterscheiden, diese Unterschiede aber nicht in Klischeemuster gepresst werden können. Rationalität ist demnach kein Label („Skeptiker“ vs. „Gläubiger“), sondern eine Methode.

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Wie das Studienteam um Neil Dagnall von der MMU School of Psychology, Manchester Metropolitan University aktuell im Fachjournal „Frontiers in Psychology“ (DOI: 10.3389/fpsyg.2026.1699045) erläutert, haben sie erstmals systematisch untersucht, wie sich wissenschaftlicher Skeptizismus und paranormale Überzeugungen in ihren kognitiven Grundlagen unterscheiden. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob sich beide Weltbilder durch unterschiedliche Denkstile erklären lassen – und wie stark diese tatsächlich voneinander abweichen.
Die Forschenden analysierten dazu die Daten von 300 Teilnehmenden und kombinierten verschiedene psychologische Messinstrumente. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Glauben an Wissenschaft, paranormalen Überzeugungen und individuellen Denkpräferenzen zu erfassen.
Zwei gegensätzliche Weltbilder
Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Wissenschaftlicher Glaube und paranormale Überzeugungen stehen in einem deutlichen Gegensatz. Personen mit starkem Vertrauen in wissenschaftliche Erklärungen tendieren dazu, weniger an übernatürliche Phänomene zu glauben – und umgekehrt. Auf dieser Grundlage identifizierten die Forschenden zwei Hauptgruppen:
- „Higher Evidence-based Thinking“ (HET, höheres evidenzbasiertes Denken): Personen mit starkem Vertrauen in Wissenschaft und geringer Neigung zu paranormalen Annahmen
- „Lower Evidence-based Thinking“ (LET, niedrigeres ecidenzbasiertes Denken): Personen mit geringem Vertrauen in Wissenschaft und stärkerer Offenheit für paranormale Erklärungen
Diese Gruppen unterscheiden sich nicht nur in ihren Überzeugungen, sondern vor allem in ihrer Art, Informationen zu verarbeiten. Während die HET-Gruppe stärker analytisch und rational denkt, greift die LET-Gruppe häufiger auf intuitive und erfahrungsbasierte Denkweisen zurück.
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Rational vs. intuitiv: Zwei Denkmodi im Vergleich
Damit grenzt sich die Studie ausdrücklich von einem „dogmatischen Skeptizismus“ ab, der neue oder ungewöhnliche Phänomene grundsätzlich ausschließt.
Demnach gilt:
- Paranormale Überzeugungen korrelieren positiv mit intuitivem Denken
- Wissenschaftsorientierung korreliert positiv mit analytischem Denken
Mit anderen Worten: Wer stärker auf Bauchgefühl, persönliche Erfahrungen und intuitive Einschätzungen setzt, ist eher anfällig für paranormale Deutungen. Wer hingegen systematisch, logisch und evidenzbasiert denkt, neigt eher zu wissenschaftlichen Erklärungen.
Dabei betonen die Forschenden, dass es sich nicht um „richtig“ oder „falsch“ im einfachen Sinne handelt, sondern um unterschiedliche kognitive Präferenzen. Beide Denkformen sind grundsätzlich Teil menschlicher Informationsverarbeitung – sie werden jedoch unterschiedlich gewichtet.
Überraschung: Dogmatismus ist kein Alleinstellungsmerkmal
Ein zentrales Ergebnis der Studie widerspricht einer verbreiteten Annahme: Weder Skeptiker noch Gläubige unterscheiden sich signifikant in ihrer kognitiven Starrheit.
Eigenschaften wie:
- Dogmatismus
- Bedürfnis nach klaren Antworten („Need for Closure“)
zeigten keine Unterschiede zwischen den Gruppen.
Das bedeutet: Stark ausgeprägte Überzeugungen – egal ob wissenschaftlich oder paranormal – gehen generell mit einer gewissen Festigkeit einher. Diese ist jedoch nicht exklusiv an eine bestimmte Weltsicht gebunden.
Damit relativiert die Studie das häufig gezeichnete Bild vom „dogmatischen Gläubigen“ versus dem „offenen Skeptiker“. Beide Gruppen können gleichermaßen zu festen Überzeugungen neigen.
Skepsis als Methode – nicht als Haltung
Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass wissenschaftlicher Skeptizismus im eigentlichen Sinne nicht mit pauschaler Ablehnung verwechselt werden darf.
Er wird definiert als:
- offener, evidenzbasierter Prüfprozess
- Akzeptanz von Aussagen nur bei ausreichender Beleglage
Damit grenzt sich die Studie ausdrücklich von einem „dogmatischen Skeptizismus“ ab, der neue oder ungewöhnliche Phänomene grundsätzlich ausschließt.
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Recherchequelle: Frontiers in Psychology
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