Universeller Takt? Mögliches Grundprinzip tierischer Kommunikation entdeckt
Evaston (USA) – Eine zufällige Beobachtung an einem Flussufer in Thailand hat Forscher auf eine ungewöhnliche Spur geführt: Glühwürmchen, die synchron blinkten, und Grillen in der Nähe, die zirpten – beide taten dies nahezu im gleichen Rhythmus. Obwohl die Arten weder verwandt sind, noch miteinander interagierten, lag ihr Tempo bei etwa 2,4 Impulsen pro Sekunde. Diese scheinbar banale Übereinstimmung findet sich tatsächlich nicht nur unter Insekten.

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Wie Guy Amichay und Daniel M. Abrams von der Northwestern University gemeinsam mit Vijay Balasubramanian von der University of Pennsylvania und aktuell im Fachjournal „PLoS Biology“ (DOI: 10.1371/journal.pbio.3003735) berichtet, könnte es einen engen Frequenzbereich geben, in dem Signale im Tierreich besonders effizient verarbeitet werden – unabhängig davon, ob es sich um Lichtsignale, Geräusche oder Bewegungen handelt. Die Ursache dafür könnte wiederum tief in der Funktionsweise von Nervenzellen selbst liegen.
Ein gemeinsamer Rhythmus im Tierreich
Um die Beobachtung aus Thailand zu überprüfen, analysierte das Forschungsteam eine Vielzahl bereits veröffentlichter Daten aus unterschiedlichsten Tiergruppen. Im Fokus standen Arten, die ihre Signale in regelmäßigen, wiederkehrenden Mustern senden – etwa durch Blinken, Zirpen oder Klopfen.
Das Ergebnis ist auffällig: Ein Großteil dieser Signale bewegt sich in einem relativ engen Frequenzbereich zwischen etwa 0,5 und 4 Impulsen pro Sekunde. Dieses Muster zieht sich durch das gesamte Tierreich – von Insekten und Krebstieren über Fische und Amphibien bis hin zu Vögeln und Säugetieren, einschließlich des Menschen.
Bemerkenswert ist dabei, dass dieser Rhythmus unabhängig von der Art der Signalübertragung auftritt. Ob visuell, akustisch oder mechanisch – und ob in Luft oder Wasser – spielt offenbar keine Rolle. Die Ähnlichkeit deutet darauf hin, dass nicht äußere Faktoren wie Umwelt oder Körpergröße entscheidend sind, sondern eine gemeinsame biologische Grundlage.
Tatsächlich ist diese Frequenzspanne in der Neurobiologie bereits bekannt: Sie entspricht den sogenannten Delta-Wellen, also langsamen Gehirnrhythmen, die durch synchronisierte Aktivität großer Nervenzellverbände entstehen. Diese treten etwa im Tiefschlaf auf, sind aber auch im Wachzustand bei vielen Tierarten nachweisbar.
Neuronale Resonanz als Schlüsselmechanismus
Was als zufällige Beobachtung begann, entwickelt sich damit zu einer weitreichenden Hypothese: Die Kommunikation im Tierreich könnte durch grundlegende physikalische und biologische Prinzipien strukturiert sein. Glühwürmchen und Grillen „sprechen“ zwar nicht miteinander – aber sie könnten denselben biologischen Takt nutzen, der in den Nervensystemen aller Tiere verankert ist.
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Recherchequelle: PLoS Biology
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