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Studie zu historischen Himmelsaufnahmen sieht Belege für prä-Sputnik-Transienten

Cockeysville (USA) – Die Entdeckung von kurzfristig vorhandener Lichtquellen auf historischen astronomischem Fotoplatten aus der Zeit vor dem ersten menschlichen Satellitenstart, sorgt seit Monaten sowohl unter UFO-Enthusiasten, -Skeptikern und Wissenschaftlern für kontroverse Diskussionen in der Frage, was diese Punkte zeigen. Eine neue Studie eines ehemaligen NASA-Mitarbeiters hat nun untersucht, ob es sich bei ähnlichen sog. Transienten lediglich um Defekte auf den historischen Aufnahmen handeln könnte.

Eine Auswahl der in den Aufnahmen der Hamburger Sternwarte von (1934 bis 1957) identifizierten Transienten-Kandidaten (l.) im Vergleich zu ausgewählten nahen Sternen.Copyright: Busko, ArXiv.org 2026
Eine Auswahl der in den Aufnahmen der Hamburger Sternwarte von (1934 bis 1957) identifizierten Transienten-Kandidaten (l.) im Vergleich zu ausgewählten nahen Sternen.
Copyright: Busko, ArXiv.org 2026

Schon zuvor hatte sich der ehemalige NASA-Softwareentwickler und Astronom Ivo Busko an der Debatte um die von Forschenden um die schwedische Astronomin Dr. Beatriz Villarroel entdeckten „Transienten“ beteiligt. Diese kurzzeitigen Lichtphänomene waren auf historischen Fotoplatten der „Palomar Observatory Sky Survey“ (POSS), einer Himmelsdurchmusterung des Palomar-Observatoriums aus den 1950er Jahren, identifiziert worden und wurden unter anderem in anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Um die von Villarroel und Kollegen beschriebenen Transienten-Kandidaten anhand eines unabhängigen Datensatzes zu überprüfen, analysierte Busko vergleichbare Aufnahmen der APPLAUSE-Durchmusterung der Hamburger Sternwarte aus den Jahren 1934 bis 1957 (…GreWi berichtete).

Während die meisten Kolleginnen und Kollegen aus der wissenschaftlichen UFO/UAP-Forschung und Astronomie den grundsätzlichen Ansatz Villarroels unterstützen, auf historischen Aufnahmen aus der Zeit vor dem ersten Satelliten (Sputnik-1) nach unidentifizierten Objekten und Signalen zu suchen, gab es auch Kritik an der angewandten Methode und seitherigen Interpretation der Ergebnisse (…GreWi berichtete)

In seiner aktuell vorab via ArXiv.org publizierten Arbeit kommt Busko nun zu dem Schluss, dass eine Reihe der beschriebenen „Transienten“ – also nur kurzfristiger Lichtquellen auf den historischen Fotoplatten – höchstwahrscheinlich tatsächlich am Himmel existierten und nicht auf Defekte der Fotoplatten zurückzuführen sind. Damit begegnet Busko einer Reihe kritischer Kollegen, die genau das vermuten bzw. befürchtet hatten.

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Optische Aberration als Echtheitstest

Um diese Kritik zu überprüfen, nutzte Busko nun einen ungewöhnlichen Ansatz. Anders die Arbeiten von Villarroel, Kolleginnen und Kollegen, konzentrierte sich Busko in seiner aktuellen Studie erneut auf jene Aufnahmen des Hamburger Sternwarten-Teleskops „Doppel-Reflektor“ aus den Jahren 1934 bis 1957, die schon Grundlage seiner ersten Untersuchungen waren (…Grewi berichtete).

Das spannende an den Hamburger Aufnahmen: Das damals genutzte Instrument weist eine charakteristische optische Abbildungsstörung auf, die als „Koma-Aberration“ bezeichnet wird. Sterne erscheinen dabei mit zunehmendem Abstand von der zentralen Bildmitte nicht punktförmig, sondern leicht verzogen und erinnern so an kleine Kometen mit Schweif.

Die untere Grafik zeigt, wie das Komenten-artige Erscheinungsbild von Sternen (o.) auf den Hamburger Fotoplatten durch Optische Aberration des verwendeten Linsensystems entstand, je weiter sich das abgelichtete Objekt mit Bildmitte entfern befindet.Quelle/Copyright: Busko, ArXiv. 2026 / M. Kohlpaintner 2026, coma image by S. Prahl 2019
Die untere Grafik zeigt, wie das Komenten-artige Erscheinungsbild von Sternen (o.) auf den Hamburger Fotoplatten durch Optische Aberration des verwendeten Linsensystems entstand, je weiter sich das abgelichtete Objekt mit Bildmitte entfern befindet.
Quelle/Copyright: Busko, ArXiv. 2026 / M. Kohlpaintner 2026, coma image by S. Prahl 2019

Während nun Staubpartikel, Kratzer, chemische Veränderungen oder andere Plattenfehler zufällig entstehen können, sollten sie die spezifische, durch die Teleskopoptik verursachte Koma-Struktur nicht erzeugen und reproduzieren. Zeigt ein vermeintliches Transienten-Signal dieselbe optische Signatur wie jene echter Sterne auf derselben Aufnahme, spreche dies dafür, dass tatsächlich Licht durch das Teleskop auf die Fotoplatte gelangt ist und die Punktquelle also nicht durch einen Plattenfehler entstand.

Für die Untersuchung analysierte Busko mehr als 500 historische Fotoplatten beziehungsweise über 400 Plattenpaare. Mithilfe automatisierter Suchverfahren und anschließender visueller Kontrolle wurden mögliche kurzzeitige Lichtquellen (Transienten) identifiziert und mit Referenzsternen verglichen.

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11 ungewöhnliche Ereignisse entdeckt

Buskos erste Analyse führte zur Identifikation von insgesamt elf transienten Ereignissen. Einige der Lichtquellen erschienen auf einer Aufnahme, verschwanden jedoch auf der unmittelbar danach aufgenommenen Vergleichsplatte. Andere zeigten das umgekehrte Verhalten, tauchten also sozusagen ganz plötzlich auf.

Unter den Ereignissen befinden sich auch mehrere vergleichsweise helle Transienten. Drei besonders auffällige Fälle wurden am 4. März 1951 registriert. Bei einem dieser Objekte zeigen die Aufnahmen sogar Anzeichen einer Sättigung der fotografischen Emulsion und sogenannte Halationseffekte, die durch Lichtstreuung innerhalb der Emulsionsschicht entstehen. Auch dies wertet Busko entsprechend als Hinweis auf eine reale Lichteinwirkung.

Die drei Transienten aus Abbildung 10 werden zusammen mit ähnlich hellen Referenzsternen gezeigt. Der Transient ist jeweils rechts und über die letzten sechs Ziffern der Quellen-ID identifiziert. Wie schon die Titelabbildung, so nutzt auch diese Darstellung nutzt eine pseudo-farbige logarithmische Dichteskala zur besseren Sichtbarkeit heller und schwacher Bereiche.Quelle/Copyright: Busko, ArXiv.org 2026
Die drei Transienten aus Abbildung 10 werden zusammen mit ähnlich hellen Referenzsternen gezeigt. Der Transient ist jeweils rechts und über die letzten sechs Ziffern der Quellen-ID identifiziert. Wie schon die Titelabbildung, so nutzt auch diese Darstellung nutzt eine pseudo-farbige logarithmische Dichteskala zur besseren Sichtbarkeit heller und schwacher Bereiche.
Quelle/Copyright: Busko, ArXiv.org 2026

Die gemessenen Helligkeiten reichen bis etwa zur 7. Größenklasse. Allerdings weist der Autor darauf hin, dass die tatsächliche Leuchtkraft auc erheblich höher gewesen sein könnte. „Falls die Ereignisse nur Bruchteile der Belichtungszeit andauerten, müssten sie während ihres kurzen Auftretens deutlich heller gewesen sein als die berechneten Werte vermuten lassen.“

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Rätselhafte Häufungen geben Rätsel auf

Bemerkenswert sei zudem die Verteilung der Ereignisse, so Busko und erläutert, dass sich alle elf Transienten-Kandidaten sich auf lediglich zwei kleine Himmelsregionen konzentrieren und zudem ausschließlich zwischen 1949 und 1953 auftraten. In den übrigen untersuchten Jahren fanden sich trotz zahlreicher Aufnahmen keine vergleichbaren Ereignisse.

Darüber hinaus wurden mehrere zeitliche Sequenzen beobachtet. So erschienen einzelne Transienten innerhalb von nur wenigen Minuten oder einer halben Stunde in benachbarten Himmelsbereichen. Die Studie diskutiert die Möglichkeit, dass solche Gruppenbildungen auf einen gemeinsamen Ursprung hindeuten könnten. Ebenso sei jedoch denkbar, dass die Häufungen lediglich durch die ungleichmäßige Verteilung der verfügbaren Beobachtungsdaten entstehen.

Als Ursache schließt Busko astronomische Erscheinungen, wie unter anderem Asteroiden, aus. „Die beobachteten Lichtquellen zeigen keine Bewegungsunschärfen, wie sie bei sich bewegenden Objekten während der mehrminütigen Belichtungszeiten zu erwarten wären.“ Auch Abfragen entsprechender Asteroiden-Datenbanken ergaben laut Studie keine passenden Kandidaten.

Die Arbeit verweist außerdem auf mögliche zeitliche Überschneidungen einzelner Ereignisse mit atmosphärischen Kernwaffentests der frühen 1950er Jahre – ein Umstand, den schon Villarroel und Kollegen aufgezeigt hatten. (…GreWi berichtete). Im Gegensatz zu Villarroel betont Busko jedoch ausdrücklich, dass die vorhandenen Daten nicht ausreichen, um daraus eine belastbare Korrelation abzuleiten. Auch sollte Buskos Studie nicht als direkte Bestätigung der Aussagen von Villarroel, Kolleginnen und Kollegen betrachtet werden, da sich die Arbeit des ehemaligen NASA-Mitarbeiters auf die Aufnahmen der Hamburger Sternwarte handelt. Allerdings weisen auch die POSS-Aufnahmen die Effekte der optischen Aberration auf. Busko führte also keine neue systematische Auswertung der digitalisierten POSS-Fotoplatten selbst durch und verwendete diese in seiner aktuellen Studie als Referenz und Vergleichsgrundlage.

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In seinem aktuellen Fazit sieht Busko die Untersuchung als unabhängige Bestätigung dafür, dass zumindest ein Teil der auf historischen Fotoplatten gefundenen schnellen Transienten reale Lichtphänomene repräsentiert und nicht mit einfachen Plattenartefakte zu erklären seien. Zugleich gibt er aber auch zu bedenken, dass die tatsächlich physikalische Natur dieser Lichtquellen bislang nicht bestimmen lasse. Weitere Untersuchungen mit größeren Datensätzen und zusätzlichen Teleskopen sollen nun klären, wie häufig solche Ereignisse tatsächlich auftreten und welche Ursachen hinter ihnen stehen könnten.

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GreWi-Dossier: Die Debatte um Prä-Sputnik-UAP auf historischen Fotoplatten

(in chronologischer Reihenfolge)
* Neuer SETI-Ansatz: „Unmöglich verschwindende Sterne“ könnten Anzeichen außerirdischer Super-Zivilisationen sein 4. Juli 2016
* Astronomen rätseln über 100 verschwundene Sterne 17. Dezember 2019
* Astronomen untersuchen 9 „verschwundene Sterne“ 21. Juli 2021
* Prä-Sputnik-UFOs oder astronomisches Phänomen? Historische astronomische Fotoplatten zeigen mysteriöse Lichtquellen 19. Oktober 2023
* Beatriz Villarroel: Das „Rätsel der verschwundenen Sterne“ und die UFO-Welle von Washington 1952 23. Januar 2024
* Studie findet Übereinstimmungen zwischen Transienten, Atomwaffentests und UFO-Sichtungen 26. Juli 2025
* Weitere Studie zu Transienten: Reflektierende Objekte im erdnahen All vor Sputnik? 28. Juli 2025
* Im Erdschatten: Studie zeigt Methode zur Suche nach außerirdischen Sonden im Sonnensystem 4. August 2025
* Muster in hist. Astro-Daten: Neue Fachpublikationen zu unidentifizierten Lichtblitzen vor Sputnik 20. Oktober 2025
* Kontroverse um Fachpublikationen zu UAP auf astronomischen Fotoplatten der Prä-Sputnik-Ära 2. Februar 2026
* Villarroels Antwort auf Kritik astronomischen Prä-Sputnik Technosignaturen 23. Februar 2026
* Prä-Sputnik Transienten: Weitere historische Himmelsaufnahmen liefern neue Hinweise 24. März 2026
* Astrophysiker Avi Loeb stützt Kritik an „Prä-Sputnik-UFO-Studien“ 21. Mai 2026

Recherchequelle: ArXiv.org

© grewi.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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