Cambridge (USA) – UFOs und UAPs, also unidentifizierte Flugobjekte und anomale Phänomene gehen in unterschiedlichsten Formen und mit unterschiedlichsten Merkmalen einher. Ein neues Observatorium des an der Harvard University angesiedelten „Galileo Project“ will nun gezielt sogenannte Orbs ins Visier nehmen.
Grafisches Konzept des „Orb Imager Observatory“ nach Loeb (Illu.). Copyright: Avi Loeb
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Rätselhafte Kugeln (auch) in den PURSUE-Daten
Die bislang rätselhaftesten Fälle in den fünf Datenpaketen, die in den vergangenen vier Monaten im Rahmen des „Presidential Unsealing and Reporting System for UAP Encounters“ (PURSUE) von der Trump Administration freigegeben wurden (……GreWi berichtete 1, 2, 3, 4, 5, 6)), betreffen nach Einschätzung des Harvard-Astrophysikers Prof. Avi Loeb ebensolche Orbs.
Dabei handelt es sich um leuchtende, offenbar metergroße Objekte oder Erscheinungen, die in den bislang veröffentlichten Fällen sehr unterschiedliche Eigenschaften zeigen.
So berichtet die zweite PURSUE-Tranche von einem hochrangigen Geheimdienstmitarbeiter, der 2025 nach einer rund einstündigen Beobachtung orangefarbener Orbs praktisch sprachlos gewesen sei. In der fünften Tranche findet sich zudem der Bericht einer Hubschrauberbesatzung über einen Schwarm von Orbs bei einer Serie von UAP-Begegnungen, die länger als eine Stunde dauerte. Zwei größere Objekte wurden als ovale, orangefarbene Erscheinungen mit weißem oder gelbem Zentrum beschrieben, die Licht in alle Richtungen aussendeten. Ebenfalls in „Release #05“ enthalten ist Infrarotmaterial eines schwebenden schwarzen kugelförmigen Objekts. Mehrere dieser „Orbs“ zeigen auf Wärmebildern eine auffallend geringe thermische Signatur, obwohl sie sich nach visuellen oder radarbasierenden Beobachtungen bewegen sollen. (Siehe Abb. u.: ODNI-UAP-D001, USPER Narrative, Senior USIC Official)
Eine der IR-Aufnahmen zur PURSUE-AKTE “ODNI-UAP-D001, USPER Narrative, Senior USIC Official”. Quelle: US Gov. / DOW / PURSUE
Hintergrund: Orbs – eine Frage der Definition
Beispiel für ein klassisches Orb-Foto. Copyright/Quelle: Andy Dingley (via WikimediaCommons) / CC BY SA 3.0
Der Begriff „Orb“ (Kugel) ist mehrdeutig und wird insbesondere in zwei sehr unterschiedlichen Kontexten verwendet. Wichtig ist deshalb, zwischen „Orbs“ der paranormal-esoterischen Fotografie und dem „Orb“ im UAP-Kontext zu unterscheiden.
Im Kontext der paranormal-esoterischen Fotografie werden kreisförmige Lichtflecken auf Fotos/Videos oft als der als Geist oder Energie gedeutet und in den wenigsten Fällen auch visuell gesehen. Doch nicht nur UFO-Skeptiker halten die große Mehrheit solcher auch als „Geisterflecken“ bezeichneten Aufnahmen für das Ergebnis von Lichtreflexionen und -Streuung des verwendeten Kamera-Blitzlichts (oder einer anderen Lichtquelle) an Schwebeteilchen in der Luft (Staub, Wasser, Insekten) im Unschärfebereich nahe der Kameralinse (s. Abb.).
Orbs im (hiesigen) Kontext von UFOs und UAP beschreiben hingegen kugelförmig tendenziell eher physikalische Objekte oder Phänomene, die sowohl beobachtet als auch detektiert und aufgezeichnet werden können. Hier beschreibt der Terminus „Orb“ also zunächst vielmehr die Form, nicht die Ursache oder Herkunft.
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Hohe Geschwindigkeiten und ungewöhnliche Manöver
Einige der in den PURSUE-Daten beschriebenen Orbs bewegten sich über dem Golf von Oman mit Geschwindigkeiten zwischen etwa Mach 0,3 und Mach 1,7. Aus einem syrischen Fall wird sogar eine augenblickliche Beschleunigung berichtet.
Die zweite PURSUE-Tranche beschreibt zudem „unzählige orangefarbene Orbs“, die sich vor dem Hintergrund eines Berges in verschiedene Richtungen bewegten. Hinzu kommen Aufnahmen von UAPs in Formation über dem Persischen Golf aus dem Oktober 2019.
Im September 2021 sollen rund 25 thermisch kalte Orbs über dem Golf von Oman aggressiv manövriert haben. Zwei größere orangefarbene Orbs hielten sich unmittelbar oberhalb der Rotorebene eines Hubschraubers. Den Angaben zufolge reagierten die Objekte innerhalb von etwa 15 Sekunden auf Waffenfeuer. Ein weiteres Video aus dem Jahr 2025 zeigt einen Orb, der über eine bewohnte Stadt im Nahen Osten rast.
Die meisten Orb-Beobachtungen in den PURSUE-AKTEN beruhen hauptsächlich auf Infrarot- und elektrooptischen Aufnahmen, privaten Videos oder Zeugenaussagen.
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Ein Teleskop für die rätselhaften Objekte
In einem aktuellen Beitrag auf Medium.com schlägt Loeb deshalb ein spezielles „UAP Orb Observatory“ vor, das aus zwei zentralen Komponenten bestehen soll: einem Radarsystem zur Identifizierung interessanter Objekte am Himmel und einem Teleskop mit etwa einem Meter Spiegeldurchmesser.
Das Teleskop soll eine Winkelauflösung von etwa einer Bogensekunde oder besser erreichen. Damit könnten aus einer Entfernung von zwei Kilometern Details im Zentimeterbereich sichtbar werden. Als mögliches kommerziell verfügbares Instrument nennt Loeb das CDK1000-Teleskopsystem mit einem Meter Spiegeldurchmesser.
Die Radarkomponente könnte entweder aktiv arbeiten und eigene Funksignale aussenden oder passiv vorhandene Funkwellen von Radio-, Fernseh- oder Satellitensendern nutzen. Entscheidend sei, dass sie den gesamten Himmel überwacht und die Position interessanter Objekte präziser bestimmt, als es dem Gesichtsfeld des Teleskops entspricht.
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Spektren könnten die Natur der Orbs klären
Würde ein interessantes Objekt vom Radar erfasst, soll sich das Teleskop automatisch auf dessen Position ausrichten und eine hochauflösende Aufnahme erstellen. Ein zusätzliches Spektrometer könnte dabei Hinweise auf die materielle Zusammensetzung liefern.
Loeb verweist als Beispiel auf ein 2012 zufällig aufgezeichnetes natürliches Kugelblitz-Ereignis. Erstmals konnte dabei das Emissionsspektrum eines Kugelblitzes quantitativ untersucht werden. Die gemessenen Spektrallinien passten unter anderem zu Silizium, Eisen und Kalzium und unterstützten damit ein physikalisches Modell, nach dem Kugelblitze mit verdampftem Silizium aus dem Boden zusammenhängen könnten.
Ein entsprechend ausgerüstetes Observatorium könnte somit helfen, die bislang ungeklärten Orb-Beobachtungen nicht nur anhand ihres Erscheinungsbildes, sondern anhand messbarer physikalischer Eigenschaften zu untersuchen. Das Galileo Project will sein nächstes Observatorium nach diesem Konzept als „Orb Imager“ entwickeln.
– Ein Interview mit Avi Loeb zur Arbeit seines Galileo Projects finden sie gemeinsam mit umfangreichen Informationen zum UFO-Phänomen finden Sie… …im neuen Buch von GreWi-Hrsg. Andreas Müller
Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)
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