Archäologen rekonstruieren Weg der „Teufelspfeile“ in North Yorkshire
Perth (Australien) – Bis zu sieben Meter hoch, ragen die „Devil’s Arrows“, die „Teufelspfeile“ im Norden Englands in den Himmel. Eine neue Analyse zum geologischen Ursprung der gewaltigen Steine zeigt nun, zu welchen Leistungen die Menschen der späten Stein- oder frühen Bronzezeit in der Lage waren, als sie diese mindestens 18 Kilometer weit durchs Land transportierten.

Copyright/Quelle: Dr. Jim Leary / Curtin University
Inhalt
Die Devil’s Arrows bilden eine der bedeutendsten prähistorischen Steinreihen Großbritanniens und gelten als die höchste noch heute erhaltene Anlage dieser Art im Land. Ihre Errichtung wird in die späte Jungsteinzeit oder frühe Bronzezeit datiert, möglicherweise um das Jahr 2000 v. Chr. Bislang war jedoch unklar, woher die Steine selbst ursprünglich stammten. Als wahrscheinlicher Ursprungsort galt bislang unter anderem das deutlich näher gelegene Plumpton Rocks. Die neue Untersuchung widerspricht dieser Annahme.
Bewusste Wahl statt kürzester Transportweg
Wie das Team um Anthony Clarke von der australischen Curtin University in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen um Jim Leary von der University of York aktuell im Fachjournal „Proceedings of the Ryal Society A“ (DOI: 10.1098/rspa.2026.0504) berichten, konnten sie erstmals den geologischen Ursprung der gewaltigen Steine eindeutig bestimmen. Demnach stammen die „Teufelspfeile“ aus dem Gebiet der Brimham Rocks in North Yorkshire.
Nach den neuen Ergebnissen wurden die jeweils mehr als 25 Tonnen schweren Steine nicht einfach aus einer der nächstgelegenen geeigneten Gesteinsquellen entnommen. Stattdessen transportierten die damaligen Menschen sie aus einer deutlich weiter entfernten und zugleich schwer zugänglichen Landschaft zu ihrem späteren Standort bei Boroughbridge.
Für die Forschenden deutet dies darauf hin, dass bei der Errichtung der Steinreihe nicht allein praktische Erwägungen eine Rolle spielten. Die Herkunftslandschaft der Steine könnte für die damaligen Gemeinschaften eine besondere Bedeutung besessen haben.
Die Entfernung und das Gewicht der Blöcke lassen zudem auf einen erheblichen organisatorischen und technischen Aufwand schließen. Das Bewegen und Aufrichten von Steinen dieser Größenordnung erforderte nach Einschätzung der Wissenschaftler umfangreiche Planung, Koordination und nicht zuletzt entsprechende Kenntnisse.
Damit liefert die Untersuchung zugleich neue Hinweise darauf, wie prähistorische Gemeinschaften ihre Landschaft wahrnahmen und welche Rolle gemeinsame Vorstellungen und möglicherweise religiöse oder soziale Bedeutungen bei der Errichtung monumentaler Anlagen spielten.
Mineralische Fingerabdrücke verraten Herkunft
Um die Herkunft der Steine zu bestimmen, entwickelte das Forschungsteam eine besonders schonende Untersuchungsmethode. Mithilfe von Klebeband konnten winzige Mineralpartikel von den Oberflächen der Steine entnommen werden, ohne das Monument wesentlich zu beschädigen.
Anschließend analysierten die Wissenschaftler die charakteristischen Altersmerkmale dieser Mineralien. Diese gewissermaßen geologischen „Fingerabdrücke“ ermöglichten den Abgleich mit Gesteinsproben aus verschiedenen möglichen Ursprungsgebieten.
Das Ergebnis weist auf die Brimham Rocks als Quelle der Devil’s Arrows hin. Gleichzeitig sprechen die Befunde gegen die Annahme, dass die tonnenschweren Steine durch natürliche Prozesse wie Gletscherbewegungen an ihren heutigen Standort gelangt sein könnten. Vielmehr wurden sie demnach gezielt von Menschen transportiert.
Verbindung zweier prähistorischer Landschaften
Die Entdeckung schafft damit eine direkte Verbindung zwischen den Devil’s Arrows und den rund 18 Kilometer entfernten Brimham Rocks. Beide Landschaften werden heute von der britischen Natur- und Kulturschutzorganisation, dem „National Trust“ betreut.
www.grewi.de
+ HIER den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +
Die Forschenden wollen ihre zerstörungsarme Untersuchungsmethode künftig auch bei anderen prähistorischen Steinmonumenten einsetzen, deren geologische Herkunft bislang unbekannt ist. Ferner sind gezielte archäologische Untersuchungen sowohl am Monument selbst als auch am neu identifizierten Ursprungsort geplant.
Diese weiteren Arbeiten könnten dann klären, wann die Steine tatsächlich bewegt wurden und möglicherweise weitere Hinweise darauf liefern, wie die Menschen vor rund 4000 Jahren die außergewöhnlichen Steinmonumente errichteten.
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
5.000 Jahre altes Sonnenobservatorium nahe Stonehenge entdeckt 25. Juni 2026
Gletscher-These zum Transport der Steine von Stonehenge widerlegt 24. Januar 2026
Vishaps: Bedeutung der armenischen „Drachensteine“ enthüllt 25. September 2025
Flagstones Enclosure: Der erste Steinkreis Britianiens? 8. März 2025
Recherchequelle: Curtin University
© grewi.de
