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Experimente liefern Hinweise für Wahrnehmung während des klinischen Todes

Madrid (Spanien) – Das Ergebnis von Experimenten mit Patienten während eines Herz-Kreislauf-Stillstandes dürfte die Debatte um ein vom biologischen Körper getrenntes menschliches Bewusstsein einmal mehr befeuern.

Symbolbild.Copyright/Quelle: Pixabay Content License
Symbolbild.
Copyright/Quelle: Pixabay Content License

In ihrer experimentellen Studie versuchte das Team aus Medizinern und Bewusstseinsforschern die Frage zu beantworten, ob Betroffene während eines Herz-Kreislauf-Stillstandes tatsächlich Informationen aus ihrer Umgebung aufnehmen können, obwohl die normale Gehirndurchblutung und damit die üblichen Voraussetzungen bewusster Wahrnehmung stark eingeschränkt bis gänzlich unterbrochen sind.

Wie Álex Escolà-Gascón von der Päpstlichen Universität Comillas in Madrid, Kenneth Drinkwater und Neil Dagnall von der Manchester Metropolitan University, Andrew Denovan von der Liverpool John Moores University, und Julián Benito-León vom Octubre University Hospital im Fachjournal „The Innovation“ (DOI: 10.1016/j.xinn.2026.101355) berichten, kombinierten sie hierzu klinische Messungen mit einem Experiment, dessen akustische Reize mithilfe eines Quantencomputers organisiert wurden.

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Experiment mit 142 Überlebenden

Die Untersuchung wurde an 13 Krankenhäusern in Spanien und Großbritannien durchgeführt. Von mehr als 2.400 Patienten, die während des Untersuchungszeitraums einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten und wiederbelebt wurden, überlebten 677. Nach weiteren Auswahlkriterien gingen schließlich 142 Personen im Alter von 49 bis 65 Jahren in die Auswertung ein.

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Diese 142 Überlebenden absolvierten nach ihrer Wiederbelebung einen Erinnerungstest. Darin wurden ihnen zehn Geräusche vorgespielt, von denen fünf tatsächlich während der Reanimationsphase eingespielt worden waren. Die übrigen fünf dienten als Ablenkungsgeräusche, waren also nicht Teil der eingespielten Klänge. Zusätzlich erfasste das Team verschiedene biologische Messwerte, darunter die Sauerstoffversorgung der Großhirnrinde mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS), Blut-pH-Wert, Laktatkonzentration, Gehirntemperatur und den neurotrophen Faktor BDNF, der mit neuronaler Plastizität in Verbindung steht.

Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler drei Versuchsgruppen, von denen die Teilnehmer der ersten beiden über dem auch durch Zufall statistisch möglichen 50 Prozent lagen.

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Drei Gruppen sollten Hypothese testen

Während eine Gruppe die Geräusche und Melodien über eine klassische Zufallssteuerung eingespielt bekamen, wurde einer weiteren Gruppe während des Herzstillstands natürliche Geräusche mittels einer quantenverschränkt gesteuerten Versuchsanordnung vorgespielt. Auch eine dritte Gruppe hörte während des Herzstillstands auf quantenverschränkte Weise, allerdings neu komponierte, neutrale Melodien.

Durch die Einbeziehung der quantenverschränkten Geräuschauswahl und ‑erzeugung wollten die Wissenschaftler eine Hypothese untersuchen, laut der Wahrnehmungen während des Nahtodes der besagten Patienten statt auf biologischem Weg durch Quantenverschränkungszustände herbeigeführt werden könnten.

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Spannende Ergebnisse

Während die „klassische“ Gruppe aus 46 Teilnehmern 4,94 von 10 richtige Antworten erzeugte, lagen die Ergebnisse bei den beiden anderen „quantenverschränkten“ Gruppen bei 6 bzw. 6,68/10 – und damit über dem Zufallsniveau von fünf richtigen Antworten.

Laut den Autoren schnitten die beiden Gruppen mit quantenverschränkt kontrollierter Steuerung- und Melodieerzeugung bei der Wiedererkennung der akustischen Reize nicht nur besser ab als die Kontrollgruppe (ohne Verschränkung), die Antwortverteilungen dieser beiden Gruppen ähnelten sich zudem stark. Ein statistischer Überlappungswert von 0,843 sollte nach Einschätzung der Forscher gegen einen entscheidenden Einfluss unbewusster Erwartungen sprechen.

Die Autoren der Studie ordnen den Befund selbst allerdings noch vorsichtig ein. Sie weisen darauf hin, dass der Test die Erinnerung der Patienten nach ihrer Wiederbelebung abbilde, nicht unmittelbar eine unmittelbare Wahrnehmung während des Herzstillstands.

Hintergrund: Bewusstsein und Quantenverschränkung
In ihrem Fachartikel greifen die Autoren verschiedene theoretische Ansätze auf, die sog. Quantenprozesse mit Bewusstsein in Verbindung bringen.

So formulierte etwa der Physiker Roger Penrose gemeinsam mit dem Anästhesisten Stuart Hameroff ihre Orch-OR-Theorie (Orchestrated Objective Reduction). Laut dieser entsteht unser Bewusstsein durch quantenphysikalische Prozesse in röhrenförmigen Proteinstrukturen innerhalb der Nervenzellen, den sogenannten Mikrotubuli. Demnach können sich dort quantenmechanische Zustände bilden, die schließlich durch einen besonderen physikalischen Prozess – die sogenannte objektive Reduktion – kollabieren. Diese Vorgänge sollen einzelne bewusste Momente hervorbringen. Zwar verbindet diese Theorie Quantenphysik und neuronale Aktivität, gilt aber wissenschaftlich als umstritten und wurde bislang auch noch nicht empirisch bestätigt.

Die Grundidee hinter einem von quantenverschränkten Zuständen beeinflussten Gehirn sind (stark vereinfacht ausgedrückt) „latente Informationsmuster“, die möglicherweise mit Wahrnehmungs- und Gedächtnisprozessen des Gehirns wechselwirken.

Wären Quantenprozesse tatsächlich an der Entstehung des Bewusstseins beteiligt, könnte dieses mehr sein als ein Produkt klassischer neuronaler Informationsverarbeitung. Das würde neue Fragen zur Entstehung von Wahrnehmung, Gedächtnis und subjektivem Erleben aufwerfen.

Spekulativ ließen sich solche Ansätze auch auf paranormale Phänomene wie Telepathie, Präkognition oder außerkörperliche Erfahrungen übertragen. Quantenverschränkung könnte dabei als theoretisches Modell für nichtlokale Informationszusammenhänge dienen.

Im Experiment wurde besagte Verschränkung allerdings nicht im Gehirn, sondern in einem externen Quantencomputer erzeugt. Die Autoren vermuten, dass die dadurch strukturierten Informationsmuster auf bislang unbekannte Weise vom Gehirn aufgenommen oder verarbeitet werden könnten – auch bei stark eingeschränkter Gehirnfunktion.

Wie eine solche Wechselwirkung biologisch funktionieren soll, bleibt jedoch ungeklärt bzw. im Falle der Orch-OR-Theorie bislang unbewiesen. Die Studie liefert auf die Frage nach dem der Funktionsweise weder einen konkreten Mechanismus noch einen Nachweis, dass Quantenverschränkung tatsächlich Bewusstsein oder Wahrnehmung unabhängig von der Gehirnaktivität ermöglichen kann.

Die Autoren interpretieren ihre Ergebnisse als Hinweise darauf, dass während eines klinischen Todes eine Form nichtlokaler Wahrnehmung möglich sein könnte. Ferner könnte die quantenphysikalische Verschränkung möglicherweise die Informationsstruktur der Reize beeinflusst und so deren spätere Erinnerung begünstigt haben.

Die Ergebnisse belegten zwar nicht, dass quantenphysikalische Prozesse tatsächlich die Ursache des beobachteten Effekts seien, stattdessen sei das verwendete Quantenmodell zunächst als hypothesengenerierender Ansatz zu verstehen. Auch andere, nicht quantenphysikalische Mechanismen könnten vergleichbare Effekte hervorbringen und seien deshalb ebenfalls noch zu untersuchen, so die Forscher abschließend.

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Recherchequelle: The Innovation

© grewi.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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