Außerkörperliche Erfahrungen: Studie findet unerwartete Hinweise hinter verschlossenen Türen
Charlottesville (USA) – Eine neue Studie hat untersucht, ob Menschen während einer sogenannten außerkörperlichen Erfahrung (Out-of-Body Experience, OBE) Informationen über einen Ort wahrnehmen können, der sich außerhalb ihrer normalen Sinneswahrnehmung befindet. Während der eigentliche Test keine statistisch signifikanten Hinweise auf eine solche Fähigkeit erbrachte. Unerwartete Beobachtungen von zwei Teilnehmern werfen jedoch Fragen für künftige Untersuchungen auf.

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Versuch mit verborgenen visuellen Zielen
Wie das Team um Marina Weiler von der University of Virginia im Fachjournal „Explore“ (DOI: 10.1016/j.explore.2026.103506) berichtet, versuchten in ihrer Untersuchung 21 Teilnehmer in Brasilien, bewusst einen außerkörperlichen Zustand herbeizuführenen. Anschließend sollten sie ein zufällig ausgewähltes visuelles Ziel beschreiben, das auf einem Computerbildschirm in einem anderen Raum angezeigt wurde. Die Teilnehmer konnten das Ziel nicht sehen und auch die anwesenden Forscher wussten während des jeweiligen Versuchs nicht, welches Bild ausgewählt worden war.
Zehn der 21 Teilnehmer gaben an, tatsächlich eine außerkörperliche Erfahrung erlebt zu haben. Insgesamt lieferten 13 Teilnehmer Beschreibungen, die für die anschließende Auswertung verwendet werden konnten.
Die Angaben wurden mit einer größeren Zahl möglicher Bilder verglichen. Dabei kam ein computergestütztes Verfahren zum Einsatz, das die semantische Ähnlichkeit zwischen den Beschreibungen der Teilnehmer und den möglichen Zielbildern bewertete.
Das Ergebnis des eigentlichen Experiments fiel jedoch negativ aus: Weder bei den einzelnen Versuchen noch bei der Gesamtauswertung der 13 verwendbaren Beschreibungen zeigte sich eine statistisch signifikante Übereinstimmung mit den tatsächlichen Zielbildern. Die Teilnehmer konnten das verborgene Bild demnach nicht besser identifizieren, als dies durch Zufall zu erwarten gewesen wäre.
Damit liefert der kontrollierte Hauptversuch zunächst keinen Nachweis dafür, dass Menschen während einer außerkörperlichen Erfahrung visuelle Informationen aus einem räumlich entfernten Bereich wahrnehmen können.
Unerwartetes Ergebnis in einem Nebenraum
Während der anschließenden Befragungen stießen die Wissenschaftler allerdings auf eine unerwartete Besonderheit. Zwei Teilnehmer beschrieben spontan nicht das eigentliche Zielbild, sondern Details darüber, was sich während ihrer jeweiligen Sitzung in einem anderen, für sie nicht einsehbaren Raum abgespielt hatte.
Ein Teilnehmer schilderte unter anderem einen Forscher, der links gesessen und auf einen Laptop geschaut habe, während sich ein weiterer Forscher weiter hinten im Raum befunden und ein Buch gelesen habe. Ein zweiter Teilnehmer beschrieb ebenfalls die Positionen und Tätigkeiten von zwei Forschern – einer habe rechts gesessen und Notizen gemacht, ein weiterer links an einem Computer.
Die Versuchsprotokolle bestätigten nach Angaben der Forscher, dass diese Beschreibungen mit der tatsächlichen Situation während der jeweiligen Sitzungen übereinstimmten. Die Teilnehmer hätten zudem keine Möglichkeit gehabt, die betreffenden Personen direkt zu sehen.
Kein Beleg – aber Ansatz für neue Experimente
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass diese unerwarteten Beobachtungen nicht als Beleg für außerkörperliche Wahrnehmung gewertet werden können. Die Angaben waren nicht Bestandteil der vorab festgelegten Messgrößen der Studie und wurden nicht gezielt als experimentelles Ergebnis erhoben.
Dennoch könnten sie nach Ansicht der Forscher Hinweise darauf liefern, wie zukünftige Untersuchungen gestaltet werden könnten. Eine mögliche Erklärung sei, dass bestimmte Arten von Zielen für Teilnehmer leichter wahrzunehmen oder zu beschreiben sind als andere. Besonders auffällige, ungewöhnliche oder emotional einprägsame Elemente könnten sich möglicherweise besser für entsprechende Tests eignen.
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Für zukünftige Experimente schlagen die Forscher deshalb vor, neben den eigentlichen visuellen Zielbildern auch weitere, für die Teilnehmer verborgene Merkmale einzubeziehen. Denkbar wären beispielsweise auffällige Kleidungsstücke oder andere charakteristische Gegenstände beziehungsweise Handlungen von Personen in einem abgeschirmten Raum.
Entscheidend wäre dann, ob Teilnehmer solche Details unter kontrollierten Bedingungen wiederholt und überzufällig korrekt beschreiben könnten.
Die aktuelle Untersuchung beantwortet damit die Frage nach einer außerkörperlichen Wahrnehmung nicht. Der kontrollierte Hauptversuch blieb ohne entsprechenden Nachweis. Die unerwarteten Angaben der beiden Teilnehmer liefern jedoch eine konkrete Beobachtung, die sich in künftigen Studien gezielt und unter strengeren Bedingungen überprüfen lässt.
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