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Fingerabdrücke offenbaren Hersteller der Terrakotta-Armee

Xian (China) – Rund 8.000 lebensgroße Terrakotta-Figuren von Kriegern und Pferden bewachen seit 5.000 Jahren die letzte Ruhestätte des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi. Fingerabdrücke im Ton geben nun Hinweise auf die Hersteller der weltberühmten Terrakotta-Armee.

Krieger der Terrakotta-Armee.Copyright: Gary Todd (via WikimediaCommons) / CC0
Krieger der Terrakotta-Armee.
Copyright: Gary Todd (via WikimediaCommons) / CC0

Erbaut wurde das Mausoleum des Qin Shihuangdi im dritten Jahrhundert vor Christus und liefert bis heute ein beeindruckendes Zeugnis von der Fähigkeit des Qin-Reiches, umfangreiche Bau- und Produktionsvorhaben zu organisieren.

Neue Analysen von Fingerabdrücken auf den Figuren der weltberühmten chinesischen Terrakotta-Armee liefern Hinweise darauf, dass an ihrer Herstellung nicht ausschließlich erwachsene Männer beteiligt waren.

Wie das Team um den Museumsarchäologen Xiaoxi Li aktuell im „Journal of Cultural Heritage” (DOI: 10.1016/j.culher.2026.09.014) berichtet, haben sie für ihre Studie 79 unbeabsichtigt im Ton von 36 Figuren der Terrakotta-Soldaten aus dem Grabungsabschnitt T23 in Grube 1 erhaltene Fingerabdrücke mithilfe eines statistischen Modells analysiert. Die Forschenden kommen dabei zu dem Ergebnis, dass auch Frauen und Jugendliche zu den Handwerkerinnen und Handwerkern gehört haben könnten. Die Ergebnisse stellen eine bislang verbreitete Annahme über die Organisation der kaiserlichen Großbaustelle infrage, laut der hier hauptsächlich bis ausschließlich Männer am Werk waren.

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Fingerabdrücke als Spuren antiker Handwerker

Wie die Herstellung der Figuren organisiert und wer daran beteiligt war, beschäftigt die archäologische Forschung seit Langem. Frühere Untersuchungen haben unter anderem anhand von Inschriften, räumlichen Verteilungen und der Zusammensetzung des verwendeten Tons Hinweise auf unterschiedliche Werkstätten und Produktionsweisen geliefert. Die demografische Zusammensetzung der Arbeitskräfte blieb dagegen weitgehend unbekannt.

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Bislang ging die vorherrschende Annahme davon aus, dass die aufwendige Herstellung vorwiegend von erwachsenen Männern geleistet wurde. Hinweise aus anderen Bereichen der Qin-Zeit lassen jedoch eine differenziertere Betrachtung zu: Auch auf Lackgegenständen finden sich unter anderem Bezeichnungen für erwachsene Frauen sowie für Mädchen und Jungen, die auf ihre Beteiligung an staatlich beaufsichtigten Produktionsprozessen hindeuten.

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Bayesianisches Modell statt klassischer Berechnung

Die Forschenden untersuchten die mittlere Breite der Papillarleisten, also der feinen Erhebungen auf der Haut, die das charakteristische Muster eines Fingerabdrucks bilden. Deren Ausprägung kann Hinweise auf das Alter und das biologische Geschlecht einer Person liefern.

Frühere Verfahren zur Alters- und Geschlechtsbestimmung anhand solcher Merkmale beruhten häufig auf linearen Regressionsmodellen. Nach Einschätzung des Forschungsteams weisen diese jedoch methodische Schwächen auf. So behandeln sie die mittlere Leistenbreite und die Leistenhäufigkeit als voneinander unabhängige Merkmale, obwohl beide mathematisch eng miteinander verknüpft sind. Zudem überschneiden sich die Werte verschiedener Alters- und Geschlechtsgruppen.

Stattdessen verwendete das Team ein bayesianisches Mischmodell. Dieses Verfahren ermöglicht es, die Zusammensetzung einer untersuchten Population statistisch abzuschätzen und die damit verbundene Unsicherheit zu berücksichtigen.

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Rund ein Drittel der Abdrücke von Frauen

Wie die Modellberechnung zeigt, können 45 Prozent der untersuchten Fingerabdrücke erwachsenen Männern zugeordnet werden. Rund 33 Prozent stammen von erwachsenen Frauen und 22 Prozent von Jugendlichen unter 15 Jahren. Damit liefern die Ergebnisse erstmals quantitative biologische Hinweise darauf, dass die Herstellung der Terrakotta-Armee möglicherweise auf einer vielfältigeren Arbeiterschaft beruhte als bislang angenommen.

Die Forschenden weisen allerdings auf wichtige Einschränkungen hin: Die ermittelten Anteile beziehen sich auf die Häufigkeit der Fingerabdrücke und nicht auf die Zahl eindeutig identifizierter Personen. Da von einzelnen Figuren mehrere Abdrücke stammen können, lassen sich aus den Prozentwerten keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die tatsächliche Zusammensetzung der gesamten Belegschaft ziehen.

Blick auf die Terrakotta-Armee im Musoleum des Qin Shihuangdi.Quelle: via WikimediaCommons / Gemeinfrei
Blick auf die Terrakotta-Armee im Musoleum des Qin Shihuangdi.
Quelle: via WikimediaCommons / Gemeinfrei

Weiterhin könnte die Verwendung einer modernen europäischen Referenzdatenbank als Grundlage die Ergebnisse beeinflusst haben. Auch unterschiedliche Verhaltensweisen beim Umgang mit dem Ton könnten dazu führen, dass Frauen und Jugendliche überrepräsentiert erscheinen.

Die Untersuchung liefert somit zwar noch keine abschließende Rekonstruktion der damaligen Arbeiterschaft, sie zeigt aber, dass Fingerabdrücke auf archäologischen Objekten neue Möglichkeiten bieten, die Organisation antiker Handwerksproduktion zu untersuchen. Weitere Analysen werden zeigen müssen, wie weit sich die Ergebnisse auf die gesamte Terrakotta-Armee übertragen lassen.

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Recherchequelle: Journal of Cultural Heritage

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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