GreWi Exklusiv: Deutsche Bundesregierung hat keine Pläne für Bestätigung außerirdischer Intelligenz
Saarbrücken/Berlin (Deutschland) – Vergangene Woche wurde bekannt, dass die US-Regierung unter Donald Trump konkrete Pläne für den Fall vorbereitet hat, dass die Existenz von außerirdischer bzw. nicht-menschlicher Intelligenz bestätigt wird. Grewi.de hat bei der deutschen Bundesregierung und zuständigen Ministerien nach ähnlichen Plänen hierzulande gefragt.

Copyright: Timothy Vollmer (via WikimediaCommons) / CC BY 2.0
Inhalt
Zuvor hatte die Dr. Jennice Vilhauer, Mitglied des „UAP Science Advisory Council“ (UAPSAC) und damit eines Wissenschaftsrates, der die US-Regierung bei der Erforschung unidentifizierter Flugobjekte und anomaler Phänomene (UFOs/ UAPs) berät, vom ersten Personaltreffen des Rates mit Vertretern der US-Regierung und der -Geheimdienste berichtet. Auf diesem sei dem Rat mitgeteilt worden, dass die US-Regierung konkrete Pläne für den Fall ausgearbeitet hätte, dass die die Existenz von außerirdischer bzw. nicht-menschlicher Intelligenz bestätigt werde. Zugleich sei den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen mitgeteilt worden, dass „dass die Vereinigten Staaten bereit sind, gegebenenfalls eine internationale Führungsrolle zu übernehmen“, so die Psychologin. Allerdings fügte Vilhauer auch erläuternd hinzu, dass die Existenz der Pläne nicht als Bestätigung der Existenz, nicht-menschlicher Intelligenzen (non-human intelligence, NHI) durch die US-Regierung zu werten sei. Ebensowenig stehe eine entsprechende Erklärung unmittelbar bevor (…GreWi berichtete).
Pläne in Deutschland? Bundesregierung und Ministerien antworten
Vor dem Hintergrund der Bekanntgabe entsprechender Pläne der US-Regierung hat GreWi-Hrsg. Andreas Müller auch bei der deutschen Bundesregierung angefragt und um eine Antwort auf die Frage gebeten,
„…ob auch die deutsche Bundesregierung konkret (Vorbereitungs-)Pläne für einen solchen Fall, den Nachweis der Existenz außerirdischer/nicht-menschlicher Intelligenz, erarbeitet und vorliegen hat? Wenn ja, wie sehen diese Pläne aus? Wenn nein, warum werden keine solchen Pläne verfolgt?“
Als Antwort wurde Müller gebeten, „sich dazu gerne an das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt“ zu wenden, weil das MBFTR auch für die Bundesregierung spreche.
Vom Sprecher des Bundesministeriums für Forschung, Technik und Raumfahrt wurde die Frage des Wissenschaftsjournalisten zunächst wie folgt beantwortet:
„Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert Forschung zur Suche nach Spuren von extraterrestrischem Leben. Ihre Anfrage zielt allerdings auf sicherheitsrelevante Maßnahmen und Vorsorge ab. Die Zuständigkeit hierfür liegt nicht beim BMFTR sondern beim Bundesministerium des Innern bzw. beim Bundesministerium der Verteidigung.“
Auf eine weitere Rückfrage mit dem Hinweis, dass sich die Frage ausdrücklich nicht ausschließlich auf „sicherheitsrelevante Maßnahmen und Vorsorge“ beziehe, sondern auch gesellschafts-wissenschaftliche Aspekte einschließe, wurde Müller auf die bereits gegebene Antwort (o.) und an die Bundesministerien für Verteidigung (BMVg) und des Inneren (BMI) verwiesen.
Für das Bundesministerium des Inneren (BMI) antwortete ein Pressesprecher dann wie folgt:
„Vielen Dank für Ihre Anfrage. Bitte wenden Sie sich an die Kolleginnen und Kollegen des BMVg.“
Hier erklärte ein Sprecher des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) dann wiederum:
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Handlungen unserer Partner, sowie Medienberichte grundsätzlich und unabhängig von der Fragestellung nicht kommentieren. Für die Gefahrenabwehr in Deutschland ist grundsätzlich das Bundesministerium des Inneren (BMI) zuständig. Das BMVg hat Ihnen bereits in der Vergangenheit umfänglich zum Themenfeld Auskunft gegeben. An diesen Einschätzungen hat sich nichts geändert.“
Zur Erklärung: Müller hatte sich seit 2020 immer wieder (etwa nach der Bundestagswahl) nach dem jeweils aktuellen Stand des Umgangs und von Positionen der Bundesregierung und zuständiger Ministerien im Hinblick auf UFOs/UAPs erkundigt (zuletzt 2024 beim Büro des Generalinspekteurs der Bundeswehr …GreWi berichtete). Die aktuelle Frage nach eventuellen Plänen für den Fall des Nachweises der Existenz von außerirdischer bzw. nicht-menschlicher Intelligenz war aber nicht Inhalt dieser Anfragen.
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Zusammengefasst darf also festgestellt werden, dass es vonseiten der deutschen Bundesregierung keine mit den US-Plänen vergleichbaren Vorbereitungen und Gedankenspiele gibt. Damit wiederholt auch die aktuelle Bundesregierung und ihre Ministerien damit frühere Positionen, die unter anderem das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI) bereits 2018 als Antwort auf eine Anfrage des damaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek formuliert hatten:
„Für einen möglichen Erstkontakt mit außerirdischem Leben gibt es keine Protokolle oder Pläne, da die Bundesregierung einen Erstkontakt auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand für äußerst unwahrscheinlich hält. Konkrete Fälle, die Gegenstand eines bi- oder multilateralen Gesprächs mit anderen Staaten hätten sein können, sind nicht bekannt.“ (…GreWi berichtete)
Und schon diese Antwort entsprach nahezu wortgleich der des damaligen Staatssekretärs Jochen Hohmann für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technik auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Peter Hettlich im Juni 2009 (Dt. Bundestag, 16. Wahlperiode Drucksache 16/13570, 26.06.2009; siehe auch A. Müller: Deutschlands UFO-Akten, 2021, S. 423ff.)
Pläne sinnvoll, notwendig und machbar
Während sich die deutsche Politik auf das von der US-Regierung antizipierte Szenario noch völlig unvorbereitet zeigt und derzeit, so die obigen Aussagen, auch keine Veranlassung für entsprechende Pläne sieht, fordern Wissenschaftler genau das aber schon seit Jahren.
In ihrem Buch „Sie Sind Da – Ein Gedankenexperiment“ (2020) haben die Soziologen Andreas Anton und Michael Schetsche vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) durchgespielt, wie sich die Bestätigung der Existenz außerirdischer Intelligenz, hier in Form des sogenannten Erstkontakts, auf unsere Gesellschaft auswirken und diese verändern könnte.
In den aufgezeigten „Was-wäre-wenn-Szenarien“ zeigen die Kultur- und Sozialwissenschaftler mögliche Auswirkungen etwa auf Weltanschauungen, globale politische Konsequenzen und Religionsfragen auf. Sie schlagen aber auch vor, wie wir uns auf den Erstkontakt vorbereiten könnten.
„Unsere Forschungen deuten darauf hin, dass ein Erstkontakt zwischen Menschen und einer außerirdischen Zivilisation enorme Risiken mit sich bringen könnte“, so Andreas Anton gegenüber GreWi.de. „Neben dem oftmals erwähnten kollektiven ontologischen Schock (also einer tiefgreifenden Erschütterung unseres grundlegenden Verständnisses davon, was wirklich existiert und wie die Welt beschaffen ist) könnten schwerwiegende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Erschütterungen die Folge sein. Die Risiken bei einem Erstkontakt, das zeigen unsere Studien auch, gehen dabei auch und vor allem von uns Menschen selbst aus.
Die Wahrscheinlichkeit für einen Erstkontakt kann im Moment niemand seriös einschätzen. Er könnte nie, aber auch schon morgen stattfinden. Da die Folgen dramatisch sein könnten, fordern wir schon seit Längerem eine systematische Vorbereitung auf den Fall der Fälle.“
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Bundeszentrale für politische Bildung informierte bereits
Immerhin hat sich die Bundeszentrale für politische Bildung – also eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern – diesen Fragen mit einem ausführlichen Beitrag von Schetsche und Anton in ihrer Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ) gewidmet (…GreWi berichtete), wie er online auf der Webseite BpB zu finden ist.
Auch hier schreiben die Autoren abschließend:
„Kein Mensch weiß heute mit Sicherheit zu sagen, ob auch außerhalb der Erde Leben entstanden ist – und erst recht nicht, ob sich in den Weiten des Weltalls andere intelligente Wesen entwickelt haben. Es gibt wissenschaftlich jedoch keinen Grund, diese Möglichkeit auszuschließen. Und angesichts der schier unfassbaren Größe des Universums scheint es sehr wahrscheinlich, dass neben der irdischen Zivilisation eine Vielzahl außerirdischer Zivilisationen existiert. Je mehr wir über das Universum wissen und je weiter wir durch eigene Forschungsaktivitäten in den Kosmos vordringen, desto wahrscheinlicher wird es auch, dass wir mit jenen Zivilisationen, ihren Signalen oder Hinterlassenschaften konfrontiert werden. Uns als Weltgesellschaft darauf vorzubereiten, scheint dringend geboten.“
Vision: Nationales Kompetenzzentrum mit Mehrwert
Auch wenn es bislang von staatlicher Seite keine Vorbereitung für das Szenario der Bestätigung der Existenz von außerirdischer bzw. nicht-menschlicher Intelligenz gibt, verfügt Deutschland jedoch bereits über einer umfassende fachliche Forschungslandschaft, Personalkompetenz und Expertise auf den Gebieten der Exosoziologie, SETI und der wissenschaftlichen Erforschung von UAPs und UFO-Phänomenen – und dies sowohl auf zivil-bürgerwissenschaftlicher, journalistischer und akademischer Ebene.
Die meisten dieser Kompetenzen und Expertisen sind bereits über das Netzwerk assoziierter Mitglieder am oben erwähnten „Interdisziplinären Forschungszentrum für Extraterrestrik“ (IFEX) an der Universität Würzburg gebündelt. Hier arbeiten und forschen Mitglieder zahlreicher deutscher und internationaler Universitäten, Vertreter der zivilen UFO-Forschungsorganisationen und von angesehenen Forschungseinrichtungen bereits zusammen. Hier könnten auch besagte Pläne und Strategien ausgearbeitet werden.

In einem aktuellen strategischen Positionspapier schlägt Prof. Hakan Kayal durch den Ausbau der Aktivitäten am IFEX zu einem „Nationalen Kompetenzzentrum für SETI und anomale Phänomene im Luft- und Weltraum“, die „bereits erreichte wissenschaftliche Position“ zu stärken:
„Deutschland verfügt bislang über keine institutionell verankerte Einrichtung mit koordinierender Verantwortung für dieses Themenfeld. Gleichzeitig besitzt Deutschland mit dem IFEX bereits eine international anerkannte wissenschaftliche Einrichtung, die zu den führenden akademischen Zentren der UAP-Forschung zählt und bundesweit einzigartig ist.“
Trotz fehlender institutioneller Förderung habe das IFEX bereits über wesentliche Elemente einer zukünftigen wissenschaftlichen Infrastruktur aufgebaut, so Kayal weiter. Er nennt etwa das DLR-geförderte Projekt VaMEx3–MarsSymphony zur Entwicklung von Detektionsverfahren, den Betrieb von SkyCAM-Systemen, ein vom Luftfahrt-Bundesamt unterstütztes UAP-Meldeformular für Pilotinnen und Piloten, die wissenschaftliche Bearbeitung eingehender Meldungen aus Behörden und Bevölkerung sowie internationale Fachkonferenzen und eine reguläre universitäre Lehrveranstaltung.
Zugleich besitzen „die entwickelten Methoden erhebliche Synergiepotenziale für Drohnendetektion und -abwehr, Space Domain Awareness, Weltraumlageerfassung, KI-gestützte Sensorfusion sowie zivile und militärische Luftraumüberwachung. Damit entstehen Kompetenzen mit wissenschaftlichem, wirtschaftlichem und sicherheitspolitischem Mehrwert.“
Vor diesem Hintergrund könne das IFEX als Nationales Kompetenzzentrum und Basis einer nationalen wissenschaftlichen Infrastruktur verstetigt werden: „Im Mittelpunkt stünde dann nicht ein weiteres Einzelprojekt, sondern der dauerhafte Aufbau organisatorischer, personeller und technischer Strukturen sowie belastbarer Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Behörden und internationalen Partnern.“
Finanzierung und Förderung notwendig
Allerdings müssen auch und gerade Einrichtungen wie das angedachte Kompetenzzentrum finanziert und gefördert werden. Es bedarf personeller Ressourcen, die etwa die Zusammenarbeit mit Behörden und Forschungseinrichtungen koordinieren, die vorhandene Infrastruktur weiter betreiben und entwickeln, wissenschaftliche Meldungen be- und verarbeiten, Standards entwickeln und neue nationale und europäische Infrastruktur- und Drittmittelprojekte vorbereiten. „Neben der personellen Verstärkung sind politische und institutionelle Unterstützung sowie belastbare Schnittstellen zu Luftfahrt-, Raumfahrt-, Sicherheits- und Verteidigungsbehörden erforderlich.“
Kayal, Kollegen und Kolleginnen zeigen sich entsprechend zuversichtlich, dass Deutschland mit dem IFEX bereits heute eine international sichtbare Ausgangsbasis besitzt. Mit einer vergleichsweise geringen Anschubfinanzierung könne diese Position gesichert und zu einem Nationalen Kompetenzzentrum mit internationaler Ausstrahlung ausgebaut werden. „Damit investiert Deutschland nicht allein in ein neues wissenschaftliches Themenfeld, sondern in Kompetenzen und Technologien, die langfristig für Forschung, Innovation, Wirtschaft sowie zivile und sicherheitsrelevante Anwendungen von Bedeutung sein werden.“
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
* Sprecher des Generalinspekteurs der BUndeswehr beantwortet UFO-Fragen 22. Februar 2024
* GreWi nachgefragt: Neue Bundesregierung – neue Position zu UFOs und UAP? 11. Januar 2022
* GreWi nachgefragt: Warum gibt es in Deutschland keine UAP-Task Force? 1. Juni 2021
Recherchequelle: grewi.de
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