Keine intelligenten Signale von interstellarem Objekt 3I/ATLAS
Mountain View (USA) – SETI-Astronomen haben das interstellare Objekt 3I/ATLAS gezielt nach möglichen technologischen Radiosignaturen und Signalen untersucht – ohne Erfolg.

Copyright: Int.Gemini Observatory/NOIRLab/NSF/AURA/Shadow the Scientist
Inhalt
Der Himmelskörper wurde im Juli 2025 entdeckt und ist – nach 1I/ʻOumuamua und 2I/Borisov – erst das dritte bekannte Objekt, das aus einem anderen Sternsystem in unser eigenes Sonnensystem eingedrungen ist.
Für die Forschung stellt 3I/ATLAS eine seltene Gelegenheit dar, Materie aus einem fremden Planetensystem direkt zu analysieren. Ziel der aktuellen Untersuchung war es jedoch nicht nur, seine Beschaffenheit besser zu verstehen, sondern auch nach sogenannten „Technosignaturen“ zu suchen, also nach möglichen Hinweisen auf künstliche, außerirdische Technologie.
Obwohl alle bisherigen astronomischen Daten klar auf ein natürliches, kometenähnliches Objekt hindeuten, gelten interstellare Besucher in der SETI-Forschung grundsätzlich als potenzielle Kandidaten für künstliche Herkunft.
Allen Telescope Array mit breiter Radiosuche im GHz-Bereich
Für die Untersuchung, deren Ergebnisse aktuell im „The Astronomical Journal“ (DOI: 10.3847/1538-3881/ae6651) veröffentlicht wurden, nutzte das Team um vom SETI Institute das Allen Telescope Array (ATA) in Nordkalifornien. Über einen Zeitraum von mehr als sieben Stunden wurde 3I/ATLAS im Frequenzbereich von 1 bis 9 Gigahertz beobachtet. Dieser Bereich ist besonders relevant, da künstliche schmalbandige Radiosignale hier theoretisch gut erkennbar wären – natürliche astrophysikalische Prozesse erzeugen solche Signaturen in der Regel nicht.
Die Auswertung lieferte zunächst eine enorme Datenmenge: Rund 74 Millionen potenzielle schmalbandige Signale wurden identifiziert. Diese wurden anschließend systematisch gefiltert, um terrestrische Störquellen, Satellitensignale und andere bekannte menschliche Funkemissionen auszuschließen.
Nach dieser Bereinigung blieben etwa 200 Kandidatensignale übrig, die genauer überprüft wurden. Alle diese verbleibenden Signale ließen sich jedoch eindeutig auf menschengemachte Quellen zurückführen – entweder auf irdische Funktechnik oder auf Satelliten im Erdorbit. Ein Hinweis auf ein Signal, das eindeutig mit 3I/ATLAS selbst verbunden wäre, ergab sich nicht.
Keine Technosignaturen – aber neue Grenzen für mögliche Sender
Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig: Es wurden keine Hinweise auf künstliche Radiosignale oder außerirdische Technologie gefunden. Damit bestätigt sich erneut die bisherige astronomische Einordnung von 3I/ATLAS als natürliches Objekt.
Gleichzeitig liefern die Messungen wichtige wissenschaftliche Einschränkungen. Die Daten erlauben es, die maximale mögliche Sendeleistung eines hypothetischen Senders in der Nähe des Objekts abzuschätzen. Radiotransmitter mit einer Leistung von mehr als etwa 10 bis 110 Watt können demnach ausgeschlossen werden – ein Bereich, der in etwa der Leistung eines alltäglichen Haushaltsgeräts entspricht, jedoch als kontinuierliche, gerichtete Funkquelle im All hochrelevant wäre.
Die Forschenden betonen, dass solche Limits entscheidend sind, um zukünftige Suchstrategien zu verfeinern. Selbst wenn kein Signal gefunden wurde, zeigen die Daten, dass die eingesetzte Technik in der Lage wäre, schwache künstliche Signaturen grundsätzlich zu erfassen.
Bedeutung für künftige SETI-Suchen nach interstellaren Objekten
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie ist die Reaktionsgeschwindigkeit des Observatoriums. Das Allen Telescope Array begann die Beobachtungen weniger als 24 Stunden nach der offiziellen Entdeckung von 3I/ATLAS. Diese schnelle Einsatzfähigkeit gilt als entscheidend, da interstellare Objekte nur begrenzte Zeitfenster für detaillierte Messungen bieten.
Die Forschenden sehen in der Untersuchung einen Baustein für zukünftige SETI-Programme. Mit der wachsenden Zahl entdeckter interstellarer Besucher steigt auch die Möglichkeit, solche Objekte systematisch auf technologische Signaturen zu überprüfen – selbst wenn die Wahrscheinlichkeit für künstliche Herkunft derzeit als gering eingeschätzt wird.
Gleichzeitig liefern die Beobachtungen wichtige Daten über die physikalischen Eigenschaften interstellarer Körper. Diese helfen dabei, natürliche Prozesse in anderen Sternsystemen besser zu verstehen und von hypothetischen künstlichen Strukturen abzugrenzen.
Die Studie unterstreicht damit zwei zentrale Punkte der modernen SETI-Forschung: interstellare Objekte sind sowohl astrophysikalisch wertvolle Forschungsziele als auch potenzielle, wenn auch bislang unbelegte, Träger möglicher technologischer Hinweise aus anderen Welten.
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Recherchequelle: SETI Institute, The Astronomical Journal
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