Zweifel an Wasserfontänen auf Jupitermond Europa
Stockholm (Schweden) – Seit Jahren gelten mögliche geysirartige Wasserfontänen auf dem Jupitermond Europa als eine der spannendsten Entdeckungen der modernen Planetenforschung und Suche nach außerirdischem Leben. Nun hat eine neue Analyse von Beobachtungsdaten des Hubble-Weltraumteleskops jedoch erhebliche Zweifel an den bisherigen Hinweisen auf solche Ausbrüche geweckt.

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Wie das Team um Dr. Lorenz Roth vom Königlichen Technischen Institut in Schweden und Dr. Kurt Retherford vom Southwest Research Institute (SwRI) aktuell im Fachjournal „Astronomy & Astrophysics“ (DOI: 10.1051/0004-6361/202659406) berichtet, kommen sie nach einer erneuten Auswertung von 14 Jahren Hubble-Daten zu dem Schluss, dass die vom selben Team ursprünglich 2014 beschriebene Evidenz für Existenz der Europa-Fontänen deutlich schwächer ist als ursprünglich angenommen.
Frühere Hinweise möglicherweise nur statistisches Rauschen
2014 hatten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf Grundlage von Beobachtungen mit dem Spektrografen des Weltraumteleskops „Hubble“ (HST/STIS) berichtet, dass Europa möglicherweise zeitweise Wasserdampf-Fontänen ins All schleudert. Diese Interpretation beruhte auf Messungen sogenannter Lyman-Alpha-Emissionen – einer speziellen ultravioletten Wellenlänge, die von Wasserstoffatomen ausgesandt und gestreut wird.
Damals hatten die Forschenden angenommen, dass die Signale von Wasserdampf stammen könnten, der aus einem vermuteten unterirdischen Ozean durch Risse in Europas Eiskruste entweicht. Doch genau diese Interpretation steht nun auf wackeligen Beinen. Laut der neusten Auswertung der Daten arbeiteten die Wissenschaftler damals an den absoluten Grenzen der technischen Möglichkeiten des Hubble-Teleskops. Eine zentrale Schwierigkeit bestand darin, Europas exakte Position innerhalb der Bilddaten korrekt zu bestimmen.
Statistische Sicherheit sinkt auf unter 90 %
Das damalige Problem: Schon minimale Abweichungen von ein oder zwei Pixeln hätten erhebliche Auswirkungen auf die Interpretation der Daten gehabt. Dadurch könnten die vermeintlichen Hinweise auf Wasserdampf-Fontänen letztlich lediglich statistisches Rauschen gewesen sein.
Dr. Lorenz Roth erklärt hierzu, dass die erneute Analyse die ursprüngliche statistische Sicherheit drastisch reduziert habe. Während die Forscher 2014 noch von einer Sicherheit von 99,9 Prozent ausgegangen waren, liege diese nun bei unter 90 Prozent. Für wissenschaftliche Standards sei dies nicht ausreichend, um die früheren Aussagen mit derselben Sicherheit aufrechtzuerhalten.
Europa bleibt dennoch weiterhin spannend
Trotz der neuen Zweifel schließen die Wissenschaftler die Existenz von Wasserfontänen auf Europa keineswegs aus. Die aktuellen Daten liefern lediglich keine belastbaren Beweise mehr dafür. Retherford betont, dass die neuen Analysen die damalige Beschreibung des Phänomens nicht mehr im selben Maß stützen würden wie zuvor. Gleichzeitig liefere die Untersuchung jedoch wertvolle neue Erkenntnisse über die neutrale Wasserstoff-Komponente von Europas extrem dünner Atmosphäre, die offenbar von der eisigen Oberfläche des Mondes stammt.
Das Interesse an Europa bleibt unterdessen ungebrochen. Der Jupitermond gilt weiterhin als einer der vielversprechendsten Orte im Sonnensystem für mögliche lebensfreundliche Bedingungen außerhalb der Erde. Unter seiner kilometerdicken Eiskruste vermuten Wissenschaftler einen gewaltigen Salzwasserozean. Sollten tatsächlich Risse oder Spalten in der Eishülle existieren, könnten diese als Kanäle dienen, durch die Wasser aus dem Ozean an die Oberfläche gelangt und ins All entweicht.
Hoffnung auf Europa Clipper
Die Forscher verweisen zudem darauf, dass vergleichbare Fontänen auf anderen Monden bereits eindeutig nachgewiesen wurden. So stößt der Saturnmond Enceladus nachweislich gewaltige Wasserfontänen aus, während auf Jupiters Mond Io gewaltige Schwefeldioxid-Fontänen beobachtet werden.
Deshalb halten viele Wissenschaftler Wasserfontänen auf Europa weiterhin für plausibel. Neue Antworten erhofft sich die Forschung, insbesondere von der NASA-Mission „Europa Clipper“. Die Raumsonde soll das Jupiter-System im Jahr 2030 erreichen und Europa ausführlich untersuchen. Dabei sollen unter anderem Europas Oberfläche, seine Eiskruste, seine Atmosphäre und mögliche Hinweise auf aktive Wasserausbrüche analysiert werden.
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Ammoniak-Spuren auf Jupitermond Europa 3. Februar 2026
NASA-Mission zur Erforschung der Lebensfreundlichkeit des Jupitermondes Europas 15. Oktober 2024
Recherchequelle: SwRI
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