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Avi Loeb: US-UAP-Forschungsrat will neue Theorie zu sog. UAP-Orbs prüfen

Beispiel für oft auch als „Orb“ beschriebene, kugelförmige Lichtphänomene. Das hiesige Bild zeigt ein Standbild aus einem Video zu einer vom US-Kriegsministerium Veröffentlichten FBI-Akte zu einer angeblichen UFO-Sichtung aus dem nordöstlichen Landesteil der USA 2025.Copyright: US Gov./DOW/PURSUE/FBI
Beispiel für oft auch als „Orb“ beschriebene, kugelförmige Lichtphänomene. Das hiesige Bild zeigt ein Standbild aus einem Video zu einer vom US-Kriegsministerium Veröffentlichten FBI-Akte zu einer angeblichen UFO-Sichtung aus dem nordöstlichen Landesteil der USA 2025.
Copyright: US Gov./DOW/PURSUE/FBI

– Bei dem folgenden Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Prof. Dr. Avi Loeb, der am 6. Juli 2026 im englischsprachigen Original unter dem Titel „Are UAP Orbs Meteoritic Dust Clouds?“ von Prof. Avi Loeb auf Medium.com erstveröffentlicht wurde. Der Text wurde – mit freundlicher Genehmigung des Autors (A. Loeb) – durch www.GreWi.de ins Deutsche übersetzt. Die vom Autor geäußerten Ansichten sind seine eigenen.

Heute erhielt ich von Professor John Birks ein interessantes neues Preprint (hier verfügbar) mit der folgenden Begleitnachricht:

Lieber Prof. Loeb,

ich schätze Ihre jüngsten Arbeiten zu Unidentifizierten Anomalen Phänomenen (UAP) sehr und möchte Ihnen ein Preprint (im Anhang) eines Artikels zukommen lassen, den ich bei Atmospheric Chemistry and Physics eingereicht habe. Darin schlage ich eine Erklärung für UAP-Orbs und möglicherweise auch für tagsüber beobachtete Objekte, etwa ‚fliegende Untertassen‘, vor.

In diesem Artikel werte ich Hunderte von Orb-Sichtungen aus, die auf der Website des National UFO Reporting Center (NUFORC) gemeldet wurden, und stelle fest, dass Orb-Beobachtungen in hohem Maße mit Meteor-Feuerkugel-Beobachtungen korrelieren, die auf der Website der American Meteor Society veröffentlicht wurden (mit einer statistischen Sicherheit von über 99 Prozent). Dies veranlasste mich, eine Theorie der Orbs zu entwickeln, die auf den Eigenschaften von Meteorstaub basiert. Diese Theorie kann praktisch sämtliche beobachteten Verhaltensweisen von Orbs erklären. Und, was besonders wichtig ist:

Tagsüber beobachtete Orbs sollten wie feste Objekte erscheinen – beispielsweise wie fliegende Untertassen.

Ich bin emeritierter Professor an der University of Colorado Boulder und Atmosphärenchemiker. Am bekanntesten bin ich dafür, dass ich gemeinsam mit Paul Crutzen im Jahr 1982 die Theorie mitentwickelt habe, die später als ‚Nuklearer Winter‘ bekannt wurde. Im darauffolgenden Jahr wurde die Theorie von Carl Sagan und seinen Kollegen weiterentwickelt und erhielt ihren Namen. Paul erhielt später 1995 für seine Arbeiten zur Ozonschicht den Nobelpreis für Chemie. Meine wissenschaftliche Arbeit umfasste theoretische Chemie, Labormessungen von Reaktionen, die für das ‚Ozonloch‘ verantwortlich sind, Feldmessungen von Luftschadstoffen sowie die Entwicklung neuer Messtechniken für chemische Substanzen im Allgemeinen. Als Gründer von 2B Technologies leitete ich außerdem ein Team, das eine neue Generation von Instrumenten zur Überwachung der Luftverschmutzung entwickelte. Daher interessiere ich mich auch sehr für Ihr Projekt zur Beobachtung von UAP.

Gerne würde ich meinen Artikel mit Ihnen zu einem für Sie passenden Zeitpunkt besprechen. Ich bin überzeugt, dass er einen großen Teil der UAP-Sichtungen erklären kann.

Mit den besten Grüßen,
Dr. John Birks
Professor Emeritus of Chemistry, CU Boulder
Fellow Emeritus, Cooperative institute for Research in Environmental Sciences (CIRES)

Als ich die E-Mail erhielt, befand ich mich auf einem zehnstündigen Flug von Athen in Griechenland nach Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Dennoch las ich den Artikel mit großem Interesse und teilte ihn mit dem von mir geleiteten UAP Science Advisory Council (https://uapsac.com/).

Die am 12. Juni 2025 veröffentlichte UAP-Aktenfreigabe enthält einen Bericht (hier abrufbar) vom 5. Juni 2026, der von Dr. Jon Kosloski, dem Direktor des All-domain Anomaly Resolution Office (AARO) im Pentagon, unterzeichnet wurde. Darin heißt es, dass Strafverfolgungsbehörden an zwei Tagen im Oktober 2023 anomale Phänomene beobachteten, darunter einen orangefarbenen „Mutter-Orb“, der kleinere rote Orbs aussandte. Einige dieser Orbs waren über mehrere Stunden sichtbar – ein Verhalten, das weder mit der Brenndauer noch mit der Sinkgeschwindigkeit bekannter militärischer Leuchtkörper vereinbar ist. Nach Angaben des AARO lassen sich rund 40 Prozent der gemeldeten Phänomene nicht plausibel durch menschengemachte Technologien erklären und bleiben daher ungeklärt.

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Könnten diese vom AARO dokumentierten Orbs Staubwolken aus meteoritischen Trümmern sein?

Diese Verbindung wird durch das neue Preprint nahegelegt. Das Preprint analysiert 508 Sichtungen von Orbs aus dem National UFO Reporting Center (NUFORC), bei denen es sich um lautlose Orbs in Form von Plasmen handelt, die sichtbares Licht unterschiedlicher Farben über Zeiträume von bis zu mehreren Stunden emittieren. Das Preprint stellt eine signifikante statistische Korrelation von UAP-Orbs mit Meteor-Feuerkugeln fest und untersucht einen möglichen physikalischen Ursprung für diese Verbindung.

Das neue Preprint schlägt vor, dass die Orbs eine bislang nicht erkannte Form von ionisiertem Staubplasma darstellen, das durch die Stabilisierung von meteoritischem Staub entsteht. Insbesondere führt die verbleibende Magnetisierung von meteoritischem Eisen, Nickel und Magnetit zur Aggregation und Einschließung der Staubwolke. Die Wärme aus der Oxidation von metallischem Eisen und Nickel liefert eine Energiequelle und ermöglicht den thermischen Auftrieb der Wolken in der Erdatmosphäre, während elektrische Aktivität durch elektrische Aufladung entsteht, die durch Partikelkollisionen und konvektive Durchmischung verursacht wird.

Das eisenbasierte Staubplasma-Modell versucht, die verschiedenen berichteten Eigenschaften leuchtender Orbs zu erklären: Auftrieb, lange Lebensdauern von Minuten bis Stunden, elektrisches Verhalten und ausgeprägte Farbvariabilität. Die Leuchtkraft wird durch eine kontinuierliche Energiedissipation aufrechterhalten, die durch elektrische Aufladung infolge der durch Eisenoxidation ausgelösten Konvektion angetrieben wird. Da ein elektrischer Durchbruch einen Schwellenwert besitzt, könnten geringfügige Schwankungen bei Druck, Feuchtigkeit, Partikelkonzentration oder der Stärke des lokalen elektrischen Feldes zu einem intermittierenden Entladungsverhalten führen, wodurch das beobachtete Blinken und Flackern der Orbs entsteht. Schwach geladene Orbs müssen zusätzliche Ladung ansammeln, bevor sie die Entladung erneut auslösen können, während stärker geladene Orbs das lokale elektrische Feld ausreichend stören können, um Emissionen in nahegelegenen nicht emittierenden oder schwach emittierenden Orbs hervorzurufen. Dies stimmt mit Berichten überein, wonach „dunkle“ Orbs in Anwesenheit aktiver Orbs leuchtend werden.

Ein magnetisch eingeschlossenes Staubplasma liefert auch eine plausible Erklärung für die Teilung und Verschmelzung von Orbs. Eine schwache elektromagnetische Bindung zwischen benachbarten Orbs könnte zu einer Verschmelzung führen. Das neue Preprint zeigt, dass die erforderliche Energie in Orbs im Metermaßstab unter typischen Annahmen hinsichtlich Masse, Partikelgröße, Ladungszustand und Magnetfeldstärke plausibel aufgebracht werden kann. Dies könnte unter mechanischen Belastungen durch Windscherung oder Turbulenzen eine Aufspaltung in zwei oder mehr Orbs begünstigen. Eine Orb-Teilung, die zu Orbs unterschiedlicher Farben führt, könnte aus einer teilweisen Phasentrennung während der Aufspaltung resultieren, wodurch separate Orb-Fragmente mit unterschiedlichen Partikelzusammensetzungen oder Größenverteilungen entstehen.

Gemäß dem vorgeschlagenen Modell stellen leuchtende Orbs ein seltenes, aber physikalisch reales atmosphärisches Phänomen dar. Bei den betrachteten Partikelkonzentrationen sind die Orbs undurchsichtig, obwohl die Partikel nur einen kleinen Bruchteil des gesamten Volumens einnehmen. Folglich würde ein Orb bei Tageslicht wahrscheinlich eher als ein undurchsichtiges Objekt erscheinen und nicht als ein leuchtendes, wobei sein Erscheinungsbild je nach Beleuchtung, Betrachtungswinkel und Partikelzusammensetzung weiß, grau oder silbrig wirken würde.

Die scheinbare Form eines Orbs würde ebenfalls von den atmosphärischen Bedingungen und der inneren Dynamik abhängen. Während ein ruhender Orb annähernd kugelförmig erscheinen könnte, könnten interne Konvektion, Rotation, Verformung durch Umgebungswinde und Schwankungen der Partikelkonzentration eine Reihe unterschiedlicher Morphologien hervorbringen, darunter kugelförmige, scheibenartige sowie längliche oder zigarrenförmige Formen. Diese Formen könnten sich zudem im Laufe der Zeit verändern.

Wie von zivilen und militärischen Piloten festgestellt wurde, könnten UAP-Orbs eine Gefahr für den Luftverkehr darstellen. Unabhängig davon, ob sie ein natürliches Ergebnis meteoritischer Staubwolken oder etwas anderes sind, ist es wichtig, ihre Beschaffenheit zu ermitteln, um das Risiko zu mindern.

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Derzeit gibt es etwa 11.000 aktive Kommunikationssatelliten um die Erde, wobei die etwa 95 Prozent von ihnen, die sich in niedrigen Erdumlaufbahnen befinden, eine durchschnittliche Betriebslebensdauer von 5 Jahren haben. Wenn diese Satelliten schließlich in der Erdatmosphäre verglühen, könnte ihr Weltraumschrott ebenfalls UAP-Orbs erzeugen, deren Eigenschaften den in diesem neuen Preprint modellierten meteoritischen Orbs ähneln.

In den kommenden Wochen wird der UAP Science Advisory Council dieses Modell mit den quantitativen Daten vergleichen, die zu den Orbs von AARO verfügbar sind, um festzustellen, ob das Modell alle beobachteten Eigenschaften von UAP-Orbs erklären kann. Es wäre besonders interessant zu überprüfen, ob die AARO-Orbs durch dieses Modell vollständig erklärt werden. Natürlich könnte es einige Fälle von Orbs geben, die sich anders verhalten und durch dieses Modell nicht erklärt werden. Die Analyse des Rates wäre dann besonders wirksam, wenn sie einige Fälle erklären bzw. auflösen könnte, während sie die Aufmerksamkeit auf jene Fälle lenkt, die nicht erklärt werden. UAP sind ein gemischtes Feld. Daran besteht kein Zweifel.

Es könnte sogar möglich sein zu überprüfen, ob UAP-Orbs im Labor aus magnetischen Eisen-Nanopartikeln erzeugt werden können. Dieses theoretische Modell und seine experimentellen Tests werden zeigen, wie evidenzgeleitete wissenschaftliche Forschung Fortschritte dabei machen kann, die Natur von UAP zu klären.

Prof. Dr. Avi Loeb ist Leiter des „Galileo-Projekts“ in Harvard, einer systematischenwissenschaftlichen Suche nach Beweisen für außerirdische technologische Artefakte. Loeb ist Gründungsdirektor von Harvards Black Hole Initiative, Direktor des Institute for Theory and Computation am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und Vorsitzender des Beirats des Breakthrough Starshot-Projekts. Er ist Autor des Buches „Außerirdisch: Intelligentes Leben jenseits unseres Planeten“.

 

© Avi Loeb

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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