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Acidophile Pilze? Studie diskutiert ungewöhnliche Kandidaten für Leben auf der Venus

Poznan (Polen) – Die Frage, ob in den Wolken der Venus Leben existieren könnte, gehört seit einigen Jahren zu den spannendsten Themen der Astrobiologie. Nachdem Forschende wiederholt Hinweise auf chemische Prozesse entdeckt haben, die bislang nicht vollständig ohne biologische Prozesse erklärt werden können, lenkt eine neue Studie den Blick nun auf eine bislang wenig beachtete Möglichkeit: säureliebende Pilze.

Symbolbild: Mikroskopaufnahme der acidolphilen Pilzart Acidiella bohemica.Copyright: Shu-nigh Oh et al., Frontiers in Microbiology 2026 / CC BY-SA 4.0
Symbolbild: Mikroskopaufnahme der acidolphilen Pilzart Acidiella bohemica.
Copyright: Shu-nigh Oh et al., Frontiers in Microbiology 2026 / CC BY-SA 4.0
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Venus: Eine lebensfeindliche Welt mit überraschenden Möglichkeiten

Auf den ersten Blick erscheint die Venus als einer der unwirtlichsten Orte im Sonnensystem. Die Oberflächentemperaturen erreichen rund 470 Grad Celsius, der Atmosphärendruck ist etwa 90-mal höher als auf der Erde und dichte Wolkenschichten aus Schwefelsäure umhüllen den Planeten vollständig.

Dennoch hat sich das wissenschaftliche Bild der Venus in den vergangenen Jahren gewandelt. Moderne Klimamodelle und Computersimulationen deuten darauf hin, dass die Venus in ihrer Frühgeschichte möglicherweise deutlich lebensfreundlicher gewesen sein könnte. Einige Modelle sprechen dafür, dass der Planet einst über gemäßigte Temperaturen und sogar flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche verfügte.

Sollte damals Leben entstanden sein, so könnte es sich nach den dramatischen klimatischen Veränderungen des Planeten in höhere Atmosphärenschichten ausgewichen sein. Noch heute herrschen in Höhen zwischen etwa 50 und 60 Kilometern Temperaturen und Druckverhältnisse, die mit einigen Regionen der Erde vergleichbar sind. Entsprechend könnten hier auch lebensähnliche Organismen existieren.

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Die Suche nach den Bewohnern der Venuswolken

Die Idee von Leben in den Venuswolken erhielt 2020 neue Aufmerksamkeit, als Forschende über mögliche Hinweise auf Phosphin in der Atmosphäre des Planeten berichteten. Da dieses Gas auf der Erde häufig mit biologischen Prozessen in Verbindung gebracht wird, löste die Entdeckung eine intensive Debatte aus.

Zwar werden die damaligen Messergebnisse bis heute kontrovers diskutiert, doch rückte die Venus dadurch erneut in den Fokus der Astrobiologie. Hinzu kommt ein weiteres Rätsel: Seit Jahrzehnten beobachten Wissenschaftler in den Wolken der Venus einen bislang unbekannten UV-Absorber. Bestimmte Bereiche der Wolkendecke absorbieren ultraviolettes Licht stärker als erwartet. Welche Substanz dafür verantwortlich ist, konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden (…GreWi berichtete, siehe „GreWi-Dossier“ u.).

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Extremophile Pilze als mögliche Kandidaten

In ihrer aktuell im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ (DOI: 10.1038/s41598-026-57245-3) veröffentlichten Studie untersuchte das Team um Anna Olewicz von der polnischen Karol- Marcinkowski-Universität die Sporen dreier sogenannt acidophiler Pilzarten: Acidiella bohemica, Acidomyces acidophilus und Acidomyces acidothermus. Diese Organismen zählen zu den sogenannten Polyextremophilen. Sie sind in der Lage, mehrere extreme Umweltbedingungen gleichzeitig zu tolerieren.

Viele solcher Pilze überstehen nicht nur starke Strahlung, extreme Temperaturen, sehr niedrige pH-Werte, sondern auch geringe Verfügbarkeit von Wasser. Eigenschaften also, die sie zumindest theoretisch zu interessanten Kandidaten für ein Überleben in den Venuswolken machen könnten.

Im Rahmen der Studie analysierten die Forschenden die UV- und sichtbaren Lichtspektren der Pilzsporen. Dabei zeigte sich, dass einige der gemessenen Absorptionsbereiche teilweise mit dem Spektralbereich des geheimnisvollen UV-Absorbers der Venus übereinstimmen.

Besonders die Art Acidomyces acidothermus wies mehrere deutliche Absorptionsspitzen auf. Die beiden anderen untersuchten Arten zeigten jeweils ein starkes Maximum im ultravioletten Bereich.

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Weiterhin kein Nachweis für Leben

Die Autoren betonen ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keineswegs als Nachweis für Leben auf der Venus verstanden werden dürfen. Die beobachteten Übereinstimmungen stellen lediglich eine interessante Parallele dar, die weitere Untersuchungen rechtfertigt.

Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch, dass mögliche Lebensformen auf der Venus nicht zwangsläufig den bekannten Vorstellungen von Bakterien oder einfachen Mikroorganismen entsprechen müssten. Auch pilzähnliche Organismen könnten theoretisch in Betracht gezogen werden, sofern sie sich im Verlauf der Evolution an die extremen Bedingungen angepasst haben.

Künftige Missionen sollen Antworten liefern

Ob tatsächlich Leben in den Wolken der Venus existiert, werden letztlich erst künftige Raumfahrtmissionen klären können. Mehrere geplante Sonden sollen in den kommenden Jahren die Atmosphäre des Planeten genauer untersuchen und Proben der Wolkenschichten analysieren.

GreWi-Dossier: Biomarker Phosphin in der Venusatmosphäre?
…die bisherigen GreWi-Meldungen dazu in chronologischer Reihenfolge beginnend bei der Erstmeldung

Vorab geleaked: Astronomen finden starke Hinweise für mikrobisches Leben auf der Venus 14. September 2020
Breakthrough Initiative fördert Suche nach primitivem Leben in den Wolken der Venus 16. September 2020
Leben auf der Venus? Forscher hoffen schon in wenigen Wochen auf weitere Daten 21. September 2020
Private Mission zur Suche nach Leben auf der Venus könnte schon 2023 starten 24. September 2020
Zweifel an Nachweis des Biomarkers Phosphin in der Venus-Atmosphäre 21. Oktober 2020
Weiterer Hinweis auf Leben auf Venus? Aminosäure Glycin in lebensfreundlicher Zone der Venus-Atmosphäre 18. Oktober 2020
Möglicher Biomarker auf der Venus: Astronomen stufen Aussagen herab 18. November 2020
Studie: Biomarker in der Venusatmosphäre vermutlich nur gewöhnliches Schwefeldioxid 28. Januar 2021
Phosphin in Venusatmosphäre spricht für explosiven Vulkanismus auf der Venus 12. Juli 2021
Doch Biomarker auf der Venus? – Venus Phosphin-Update 2. Dezember 2021
Phosphin: Neue unabhängige Messungen bestätigen erneut möglichen Biomarker in der Venusatmosphäre 17. August 2022
Fachartikel sieht weiterhin Hinweise für Leben in der Venus-Atmosphäre 3. Dezember 2022
Weitere Studie zu Biomarkern auf der Venus: “Wenn Phosphin, dann nur ganz wenig” 6. Dezember 2022
Erneute Detektion von Phosphin: Gibt es Leben in der Venus-Atmosphäre? 11. Juli 2023
Studie legt nahe: Auch die Venus hatte vor Milliarden vermutlich erdähnliche Plattentektonik 29. Oktober 2023
Studie: Leben in Säurewolken der Venus möglich – Private Mission will 2025 danach suchen 8. Januar 2024
Weitere chemische Anomalien in der Venusatmosphäre wecken Hoffnung Leben 26. Januar 2024
Phosphin und Ammoniak: Neue Detektionen bestärken Hoffnung auf Leben auf der Venus 30. Juli 2024
Studie zweifelt an einst lebensfreundlicher Venus 3. Dezember 2024
DNA-ähnliches Molekül könnte Bedingungen in venusähnlichen Wolken überleben 12. Mai 2025

Alte Pioneer-Daten zeigen: Venus-Wolken enthalten mehr Wasser als bislang angenommen 3. Oktober 2025
Studie zeigt: Organische Moleküle können auch auf der Venus überraschend stabil sein 8. April 2026

Recherchequelle: Astrobiology.com

© grewi.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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