Astrophysiker fordert neue SETI-Strategie
Los Angeles (USA) – Schon seit Jahrzehnten suchen SETI-Astronomen nach Hinweisen auf außerirdische Intelligenz – meist im Radiobereich und mit einem sehr klaren technischen Grundgedanken: Falls fremde Zivilisationen Signale senden, dann wahrscheinlich energiesparend, also extrem schmalbandig und auf wenige Hertz begrenzt. Genau danach fahndet das klassische SETI (Search for Extrrestrial Intelligence). Eine aktuelle Studie stellt diese Grundlage nun einmal mehr infrage, fordert ein Umdenken, zeichnet aber auch ein eher pessimistisches Bild für einen nahen Kontakt.

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Im „The Astrophysical Journal“ (DOI: 10.3847/1538-4357/ae4c38) erläutert der Astrophysiker Benjamin Zuckerman von der University of California in Los Angeles, dass die Suche grundlegend umgestellt werden sollte. Sein Fazit ist deutlich: Wenn technisch entwickelte außerirdische Zivilisationen in den vergangenen Milliarden Jahren absichtlich Kontakt aufnehmen wollten, dann hat sich offenbar keine innerhalb von 100 Lichtjahren um die Erde aufgehalten.
Weg vom schmalbandigen Radiosignal
Bisher basiert ein Großteil der SETI-Forschung auf einer Idee des sowjetischen Astrophysikers Nikolai Kardaschew aus dem Jahr 1964: Demnach würden außerirdische Signale isotrop ausgesendet – also gleichmäßig in alle Richtungen. Solche Signale wären in jeder einzelnen Richtung schwach und damit stark energiebegrenzt. Deshalb suchen Radioteleskope meist nach extrem schmalen Frequenzfenstern. Trotz moderner Technik deckt diese Suche bislang aber nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten Radio- und Mikrowellenbereichs ab.
Zuckerman schlägt nun praktisch das Gegenteil vor: Eine fortgeschrittene außerirdische Zivilisation würde vermutlich keine Energie verschwenden, sondern hochgerichtete, gebündelte Signale verwenden – ähnlich einem kosmischen Laserpointer statt einer Glühbirne. In diesem Fall wäre nicht die verfügbare Energie das Hauptproblem, sondern für uns die Frage: Auf welcher Wellenlänge wird gesendet?
Die Konsequenz: Die Suche müsste deutlich breiter werden – nicht nur Radio, sondern auch Infrarot und sichtbares Licht müssten systematisch einbezogen werden. Solche Signale könnten sogar zufällig in normalen astronomischen Himmelsdurchmusterungen entdeckt werden, die ursprünglich gar nichts mit SETI zu tun haben.
„Wenn sie senden wollten, hätten wir sie wohl gesehen“
Zuckerman argumentiert, dass gezielt ausgesandte starke Richtsignale bei passender Ausrichtung regelrecht „herausschreien“ würden. Selbst vergleichsweise kleine Teleskope könnten solche Übertragungen entdecken, wenn sie zufällig in die richtige Richtung schauen.
Da die Astronomie inzwischen auf rund 100 Jahre intensiver Himmelsbeobachtung zurückblicken kann, lassen sich daraus auch Grenzen ableiten. Wenn technisch fortgeschrittene Nachbarn aktiv Kontakt gesucht hätten, wäre dies vermutlich bereits aufgefallen.
Seine Schlussfolgerung lautet deshalb: In den vergangenen wenigen Milliarden Jahren ist wahrscheinlich keine technologische Zivilisation innerhalb von 100 Lichtjahren an unserem Sonnensystem vorbeigekommen – zumindest keine, die aktiv kommunizieren wollte.
Primitive oder technisch wenig entwickelte Kulturen würden mit dieser Methode allerdings kaum auffallen. Doch das gilt auch für viele bisherige SETI-Ansätze.
Fokus auf alte sonnenähnliche Sterne
Für seine Analyse betrachtete Zuckerman fünf zentrale Beobachtungsparameter: Entfernung, Richtung, Empfindlichkeit, Wellenlänge und Zeit. Er geht davon aus, dass nachweisbares intelligentes Leben – ähnlich wie auf der Erde – wasserbasiert sein dürfte. Das setzt einen Planeten in der habitablen Zone seines Sterns voraus, also dort, wo flüssiges Wasser existieren kann. Zudem müsse der Zentralstern sonnenähnlich und alt genug sein. Sterne mit mehr als etwa 1,25 Sonnenmassen leben nicht lange genug, damit sich in rund 4,5 Milliarden Jahren eine technologische Spezies entwickeln kann.
Demnach müsste ein gezieltes Suchprogramm bis zu 300.000 Sterne innerhalb von 200 Parsec (etwa 650 Lichtjahren) beobachten. Insgesamt könnten in den vergangenen zwei Milliarden Jahren – seit dem starken Sauerstoffanstieg in der Erdatmosphäre – etwa zwei Millionen solcher Sterne innerhalb von 100 Lichtjahren an unserem Sonnensystem vorbeigezogen sein.
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Wie viele Zivilisationen gibt es und wo?
Noch sind Teile des Radio- und Infrarotbereichs unzureichend untersucht. Zuckerman fordert deshalb breitbandige Durchmusterungen alter, sonnenähnlicher Sterne – vom Radiobereich bis ins sichtbare Licht. Erst dadurch lasse sich erstmals eine belastbare Obergrenze für kommunikative außerirdische Intelligenzen in der Milchstraße abschätzen. Seine Rechnung ergibt maximal etwa 100.000 solcher Zivilisationen – möglicherweise sogar nur rund 10.000.
Zuckerman betont, dass Kollegen aus der SETI-Forschung seine Argumentation bislang nicht grundsätzlich kritisiert hätten. Dennoch deutetet der Forscher selbst verschiedene Hinweise ernüchternd: Wir sind in unserem kleinen Bereich der Milchstraße womöglich tatsächlich allein.
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Recherchequelle: Astrophysical Journal
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