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Neue Theorie zum Bau der Großen Pyramide von Gizeh

Valencia (Spanien) ­– Der spanische Forscher Vicente Luis Rosell Roig hat eine neue Theorie zum Bau der auch als Cheopspyramide bekannten Großen Pyramide von Gizeh veröffentlicht.

Computersimulation der vorgeschlagenen Rampe.Copyright/Quelle: Vicente Luis Rosell Roig, npj Herit. Sci. 2026
Computersimulation der vorgeschlagenen Rampe.
Copyright/Quelle: Vicente Luis Rosell Roig, npj Herit. Sci. 2026

Im Nature-Fachjournal „NPJ Heritage Science“ (DOI: 10.1038/s40494-026-02405-x) beschreibt der Forscher das von ihm vorgeschlagene „Integrated Edge-Ramp“-System (IER) – also spiralförmig an den Außenkanten und -seiten verlaufenden Rampen, die direkt in die Pyramidenstruktur integriert waren.

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Ein neuer Lösungsansatz für ein altes Problem

Ausgangspunkt ist das bekannte Problem der Baugeschwindigkeit: Wenn die aus rund 2,3 Millionen Große Pyramide tatsächlich um 2560 v. Chr. als Grab des Pharaos Cheops errichtet wurde, so hätte sie innerhalb von etwa 20 bis 27 Jahren fertiggestellt worden sein müssen. Das würde bedeuten, dass im Durchschnitt etwa alle drei Minuten ein Block verbaut werden musste, was wiederum einer enormen logistischen Herausforderung erfordert hätte.

Zwar ist die Theorie von Rampen nicht neu, doch haben die bisherigen Ansätze jeweils große Schwächen: Gerade Frontrampen hätten gewaltige Materialmengen benötigt und keine archäologischen Spuren hinterlassen. Zickzack- und Seitenrampen behindern Vermessung und Zugang. Externe Spiralrampen erschweren die Kontrolle der Gebäudeecken, interne Spiralrampen setzen nicht nachgewiesene Hohlräume voraus. Auch Terrassen- oder Mikrorampen erwiesen sich bei Analysen als eher ineffizient.

Das neue IER-Modell soll diese Probleme nun lösen. Dabei werden, so der Forscher, entlang der Pyramidenseiten zunächst Randbereiche ausgespart, sodass eine spiralförmige Transportbahn entsteht. Diese „Kantenrampe“ windet sich spiralartig um die Pyramide nach oben, ohne große externe Zusatzbauten zu benötigen. Nach dem Transport werden diese Bereiche wieder verfüllt, wodurch keine offenkundig sichtbaren Spuren dieser Rampen – zurückgeblieben wären.

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Simulationen auf historischer Grundlage

Der Autor simulierte dieses System mit Computermodellen, die Geometrie, Transportlogistik und statische Belastungen kombinieren und berücksichtigte dabei ausschließlich Technologien des Alten Reichs: Kupferwerkzeuge, Schlitten mit Wasser als Schmiermittel, Hebel, Seile, Erdarbeiten und Niltransporte – aber keine Eisenwerkzeuge, Räder oder Flaschenzüge.

Das Ergebnis: Ein einzelner Rampenweg wäre tatsächlich zu langsam, um die nötige Baugeschwindigkeit zu erreichen. Deshalb schlägt Rosell Roi ein adaptives Mehr-Rampen-System vor, bei dem mehrere Rampenabschnitte parallel genutzt werden. Erst dadurch seien die erforderlichen Blockplatzierungen im Minutentakt realistisch.

Auch schwere Granitblöcke für Königskammer und Entlastungskammern könnten laut den dargelegten Modellen auf diese Weise transportiert worden sein, ohne dass massive externe Großrampen nötig wären.

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Abgleich mit neusten Entdeckungen im Innern der Pyramide

Zusätzlich prüfte der Forscher, ob das Modell mit früheren aktuellen Myonen-Scan-Daten – also Teilchenscans des Pyramideninneren – vereinbar ist. Diese zeigten bislang unbekannte Hohlräume wie etwa den als „Big Void“ bezeichneten großen Hohlraum oberhalb der Großen Galerie, einen Korridor am Nordeingang sowie weitere Hohlräume und Einschnitte (…GreWi berichtete).

Geometrische Übreinstimmung der Strukturvorhersagen des IER-Modells mit den Strukturanomalie-Entdeckungen der Myuonen-Scans des ScanPyramids-Projekts.Copyright/Quelle: Vicente Luis Rosell Roig, npj Herit. Sci. 2026
Geometrische Übreinstimmung der Strukturvorhersagen des IER-Modells mit den Strukturanomalie-Entdeckungen der Myuonen-Scans des ScanPyramids-Projekts.
Copyright/Quelle: Vicente Luis Rosell Roig, npj Herit. Sci. 2026

Hierzu argumentiert Rosell Roi, dass sein IER-Modell besser zu diesen Befunden passt als bisherige Theorien mit durchgehenden inneren Spiraltunneln (…GreWi berichete). Einige der bekannten Hohlräume könnten mit früheren Rampenabschnitten oder konstruktiven Übergängen zusammenhängen. Auch statisch halten die temporären Randkanäle laut der Analyse der Belastung stand, ohne die Stabilität der Pyramide zu gefährden.

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Kein Beweis, aber überprüfbare Theorie

Die Studie versteht sich nicht als endgültiger Beweis, sondern als testbares Modell. Besonders wichtig sei, dass das IER-System konkrete archäologische Vorhersagen liefert: etwa charakteristische Spuren an Kantenbereichen, bestimmte Hohlraumstrukturen oder spezifische Bauabfolgen, die künftig überprüft werden können.

Im Vergleich zu bisherigen Rampentheorien sieht Vicente Luis Rosell Roig sein Modell als ersten Ansatz, der gleichzeitig Baugeschwindigkeit, Vermessungsgenauigkeit, Materialeffizienz und geringe äußere Eingriffe quantitativ zusammenführt.

Hintergrund: Bauablauf und Anforderungen

Studie beschreiben das IER-System als eine spiralförmige Kantenrampe, die direkt in die Pyramidenstruktur integriert wurde. Dafür werden entlang der aktiven Außenkante jeweils temporär mehrere Randblöcke ausgespart, wodurch ein etwa 3,8 Meter breiter und 4,26 Meter hoher offener Transportkorridor entsteht. Dieser verläuft als offene Helix um die Pyramide nach oben. Der Boden wird mit Lehm, Sand oder kurzen Holzplanken geglättet, um eine geringe Steigung von rund 7 Grad zu halten – ideal für den Transport schwerer Steinblöcke auf Schlitten.

Der Bau selbst erfolgt dann in zwei Phasen: Während des Aufstiegs werden Kalkstein- und Verkleidungsblöcke über diese Rampe nach oben gebracht. Die Rampe „wandert“ mit dem Baufortschritt nach oben, sodass Vermessungslinien und Gebäudekanten sichtbar bleiben. Nach dem Setzen des Pyramidions (Pyramidenspitze) beginnt die Rückbauphase: Die Rampenkanäle werden von oben nach unten wieder mit Steinmaterial verfüllt, die Außenflächen mit Tura-Kalkstein verkleidet und die Pyramide erhält ihre glatte Endform – ohne dauerhafte äußere Rampenspuren („Zero-Footprint“).

Die Große Pyramide von Gizeh. Copyright: Andreas Müller für GreWi.de
Die Große Pyramide von Gizeh. Copyright: Andreas Müller für GreWi.de

Die Forscher simulierten den Bau mit einem rekursiven Computermodell, das Block für Block und Lage für Lage berechnet. Dabei werden Transportkräfte, Reibung, Rampenneigung und Arbeitsaufwand physikalisch modelliert. Als optimal erwies sich eine Rampenneigung von 7 Grad und ein Reibungskoeffizient von μ = 0,20, passend zu Experimenten mit wasserbenetzten Sandschlitten. Für einen Standardblock von etwa 2,27 Tonnen wären rund 23 bis 25 Arbeiter nötig.

Zur Sicherheit wurden zusätzliche Designverbesserungen eingebaut: niedrige Steinbrüstungen gegen Absturz, größere Eckplattformen für das Drehen der Schlitten und Holzpfosten an den Ecken, die zugleich als Vermessungshilfe und Umlenkpunkt für Seile dienen. Diese 90°-Kurven gelten als logistischer Engpass, weshalb solche Wendebuchten zentral sind.

Ein einzelner Rampenweg wäre jedoch zu langsam. Deshalb schlägt die Studie ein Mehr-Rampen-System vor: In den unteren Bauphasen arbeiten zunächst vier Rampen gleichzeitig – eine pro Seite. Mit zunehmender Höhe reduziert sich das automatisch geometrisch auf zwei und schließlich auf eine Rampe. Noch effizienter wäre laut Modell ein gestuftes System: zuerst 16 gerade Rampen, dann 8, dann 4 spiralförmige, später 2 und am Ende 1 Rampe. Dieses adaptive 16→8→4→2→1-Modell maximiert die Baugeschwindigkeit in den unteren, blockreichsten Bereichen.

Die Zahl der pro Bauphase benötigten Steinblöcke nimmt mit zunehmender Höhe stark ab: Von mehr als 33.000 Blöcken in der untersten Lage sinkt sie bis zur 100. Lage auf rund 8.800. Etwa 90 Prozent aller rund 2,3 Millionen Blöcke wurden bereits in den ersten 111 Schichten bis etwa 80 Meter Höhe verbaut.

Diagramm zum Arbeitsaufwand des vorgeschlagenen Pyramidenbaus.Copyright/Quelle: Vicente Luis Rosell Roig, npj Herit. Sci. 2026
Diagramm zum Arbeitsaufwand des vorgeschlagenen Pyramidenbaus.
Copyright/Quelle: Vicente Luis Rosell Roig, npj Herit. Sci. 2026

Die für die Rampe ausgelassenen Steinblöcke bleiben dabei erstaunlich gering: Selbst bei vier parallelen Rampen fehlen weniger als zwei Prozent des Gesamtvolumens. Das spricht gegen die oft geäußerte Kritik, Rampensysteme würden selbst zu viel zusätzliches Baumaterial erfordern.

Die Arbeitsorganisation basiert auf festen Zeitabständen: Etwa alle vier Minuten wird pro aktiver Rampe ein neuer Block gestartet. Teams bewegen sich in festen Zellen ohne Überholen, mit Warteschleifen an Eckplattformen. Simulationen berechnen Staus, Wartezeiten und Durchsatz. So lässt sich prüfen, ob die nötige Blockfrequenz innerhalb von Cheops’ Regierungszeit realistisch erreichbar war.

Für die besonders schweren Granitbalken der Königskammer – bis zu 80 Tonnen – ist das normale Rampensystem ungeeignet. Stattdessen sieht das Modell kurze flache Hilfsrampen mit nur 3–4 Grad Steigung, Hebeltechnik und Holzpfosten als Capstan-Bremsen vor. Die Granitblöcke würden stufenweise Lage für Lage angehoben, getrennt vom normalen Kalksteinfluss. Dadurch bleibt der Hauptbauprozess nicht blockiert.

Auch diese schweren Transporte folgen dem Zero-Footprint-Prinzip: Temporäre Verankerungslöcher für Holzpfosten werden später wieder verfüllt. Solche Stellen könnten heute noch als lokale Dichteanomalien nachweisbar sein.

Die bis zu 80 Tonnen schweren Granitbalken für die Königskammer stellten zwar eine besondere Herausforderung dar, waren laut Modell aber kein echter Zeitfaktor. Sie wurden nicht über die Haupt-Rampen transportiert, sondern über kurze, flache Spezialrampen mit Hebeltechnik und Holzpfosten als Umlenk- und Haltesystem. Diese Arbeiten liefen demnach parallel zum normalen Kalksteinbau und machten weniger als zwei Prozent der gesamten Bauzeit aus.

Selbst hohe Zugkräfte von bis zu 200 Kilonewton blieben laut Berechnungen innerhalb sicherer Grenzen für Kalkstein, Holz und Auflageflächen. Das schwere Heben war daher technisch anspruchsvoll, aber nicht der eigentliche Engpass.

Eine Frage der Zeit

Die Simulationen zeigen, dass die Große Pyramide mit dem „Integrated Edge Ramp“-Modell (IER) grundsätzlich innerhalb der Regierungszeit von Pharao Cheops errichtet worden sein könnte. Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Rampe, sondern ein adaptives Mehrfach-Rampensystem.

Eine zentrale Erkenntnis: Eine einzelne spiralförmige Rampe wäre viel zu langsam gewesen. Das Modell errechnet dafür eine Bauzeit von rund 49,5 Jahren – deutlich länger als die rund 27 Regierungsjahre von Cheops.

Mit vier parallelen Rampen verkürzt sich die Bauzeit dagegen auf etwa 16,5 Jahre. Noch effizienter ist ein adaptives System, bei dem zu Beginn bis zu 16 Rampen genutzt werden, später 8, dann 4, dann 2 und schließlich nur noch eine Rampe. Dieses Modell kommt auf rund 13,7 Jahre reine Bauzeit vor Ort.

Selbst bei konservativen Annahmen – etwa höherer Reibung, steileren Rampen oder längeren Transportabständen – bleibt die Bauzeit im Bereich von etwa 18 bis 24 Jahren. Rechnet man Planung, Steinbrucharbeit, Nil-Transport und saisonale Unterbrechungen hinzu, ergibt sich ein Gesamtzeitraum von etwa 20 bis 27 Jahren – passend zu den historischen Quellen.

Für Vicente Luis Rosell Roig ist dies der stärkste Hinweis dafür, dass nur ein paralleles Mehr-Rampen-System realistisch war.

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Recherchequelle: NPJ Heritage Science

© grewi.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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