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Zweifel an Dino-Fossilien als Vorlage für San-Felskunst

Oxford (Großbritannien) – Seit Jahrzehnten hält sich in der Paläontologie die Vorstellung, indigene San und Basotho im südlichen Afrika könnten bereits lange vor der wissenschaftlichen Erforschung von Dinosauriern deren Fossilien entdeckt, diese Funde interpretiert und in ihre Mythen und Felskunst integriert haben. Eine neue Studie weckt nun Zweifel an dieser Hypothese.

Zeichnerische Abbildung des Felsenbildes eines mythologischen Fabelwesens der San auf dem „Horned Sperpent“-Panel in der südafrikanischen La Belle France-Region (Illu.) vor dem Hintergrund der Fossilien eines Dicynodonten.Copyright/Quelle: J. Benoit / PLoS One, 2025 (Illu.), Christopher Holden (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 2.0
Zeichnerische Abbildung des Felsenbildes eines mythologischen Fabelwesens der San auf dem „Horned Sperpent“-Panel in der südafrikanischen La Belle France-Region (Illu.) vor dem Hintergrund der Fossilien eines Dicynodonten.
Copyright/Quelle: J. Benoit / PLoS One, 2025 (Illu.), Christopher Holden (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 2.0

Zuvor hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer wieder vermutet, einige Darstellungen der indigenen San in Südafrika könnten auf deren frühen Fossilienfunden, etwa von Überresten von Dicynodonten beruhen und sahen darin einer Art indigener Variante der späteren westlichen Palänthologie, die schließlich ebenfalls früher Fossilienfunde sehr frei und zeitgenössisch intepretierten (…GreWi berichtete).

Eine neue Untersuchung des Oxford-Wissenschaftlers David Witelson stellt nun zwei prominente Beispiele dieser sogenannten „Geomythologie“ infrage: Die vermeintlichen Darstellungen eines dinosaurierähnlichen Monsters und eines ausgestorbenen, mit Stoßzähnen versehenen Tieres beruhen demnach wahrscheinlich auf Fehlinterpretationen.

Wie Witelson aktuell im Fachjournal „Southern African Humanities“ erläutert, handelt es sich in beiden Beispielen um Felskunstdarstellungen, bei denen paläontologische Erkenntnisse nachträglich mit überlieferten Darstellungen und Erzählungen der San in Verbindung gebracht wurden.

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Das Dinosaurier-Monster

Der erste Fall geht auf den Paläontologen Paul Ellenberger und Kollegen zurück, die 2005 eine ungewöhnliche rote Darstellung als möglichen Dinosaurierfußabdruck interpretierten. Die Menschen, die die Darstellung angefertigt hätten, könnten – so die Hypothese der Forscher – versucht haben, sich das Tier vorzustellen, das einen solchen Fußabdruck hinterlassen hatte. Verbunden wurde die Darstellung mit dem als //Khwai-hemm bezeichneten Allesfresser-Wesen aus der Mythologie der San.

Allerdings, so erläutert Witelson nun, war //Khwai-hemm kein riesiges Monster und es seinen auch keine San-Lieder oder Mythen bekannt, die von Fußspuren berichten, die zum einen fossilien Saurierspuren und zum anderen den Spuren des //Khwai-hemm entsprechen. Vielmehr stehe das Wesen selbst symbolisch für ein personifiziertes Buschfeuer. In der überlieferten Geschichte wird das Feuer durch die Göttheit /Kaggen, eine Gottesanbeterin, ausgetrickst und beginnt daraufhin alles auf seinem Weg zu verbrennen. Hinweise auf fossile Knochen oder urzeitliche Tiere finden sich in den entsprechenden Erzählungen laut Witelson nicht.

Die ursprüngliche Fehlinterpretation könnte zudem fast ein Jahrhundert zurückreichen. Ellenberger hatte die betreffende Felskunst bereits 1930 als zwölfjähriger Junge entdeckt und schon damals die ungewöhnliche rote Form als Dinosaurierfußabdruck gedeutet.

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Aus zwei Flecken werden Stoßzähne

Noch weiter verbreitet wurde ein zweiter Fall nach einer 2024 veröffentlichten Studie des Paläontologen Julien Benoit. Darin wurde eine Felsdarstellung als mögliches mythisches Tier mit Stoßzähnen interpretiert. Benoit vermutete einen Zusammenhang mit Dicynodonten, einer ausgestorbenen Gruppe säugetierähnlicher Reptilien, deren Fossilien im südlichen Afrika vorkommen.

Das Felsenbild (o.l.) mit grafischer Rekonstruktion der Kopfpartie (o.r.) und Dicynodont-Fossilien aus der nahen Karoo. Copyright/Quelle: J. Benoit / PLoS One, 2025
Das Felsenbild (o.l.) mit grafischer Rekonstruktion der Kopfpartie (o.r.) und Dicynodont-Fossilien aus der nahen Karoo.
Copyright/Quelle: J. Benoit / PLoS One, 2025

Witelson untersuchte die betreffende Felsmalerei nun erneut vor Ort und fertigte neue Fotografien sowie digitale Bildverbesserungen an. Dabei kam er nun zu einem anderen Ergebnis: Die vermeintlichen Stoßzähne seien offenbar lediglich schwarze Farbschmierer. Form und Position passten nicht zu den Stoßzähnen eines Dicynodonten. Die graue Färbung, die als charakteristisch für fossile Stoßzähne interpretiert worden war, erklärt Witelson zudem mit der Verwitterung der ursprünglichen Farbe.

Auch die historische Grundlage der Interpretation sieht der Forscher kritisch. Benoit hatte sich unter anderem auf eine alte Kopie der Felsmalerei durch George Stow sowie auf Aussagen einer San-Frau namens „Kou’ke“ gestützt. Witelson weist darauf hin, dass Stows Kopien bekanntermaßen Ungenauigkeiten aufweisen und dass die überlieferten Aussagen durch Übersetzung und Stows eigene Perspektive beeinflusst wurden.

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Moderne Sichtweise beeinflusst die Interpretation

Selbst wenn die Darstellung tatsächlich ein Tier mit Stoßzähnen zeigen würde, fehle ein entscheidendes Element: ein entsprechender Mythos. Nach Witelson werden Mythen über Generationen innerhalb von Gemeinschaften weitergegeben. Weder die Aussagen von „Kou’ke“ noch andere bekannte San-Erzählungen würden jedoch von riesigen, einst lebenden Tieren mit Stoßzähnen berichten.

Stattdessen könnte die Darstellung ein sogenanntes Regenwesen zeigen – ein mythisches Tier, das von den San gejagt werden konnte, um Regen herbeizuführen. Solche Regenwesen sind laut Witelson sowohl in der Felskunst als auch in den überlieferten Geschichten der San dokumentiert.

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Der Forscher sieht darin ein grundsätzliches methodisches Problem: Nicht die Möglichkeit, dass indigene Menschen Fossilien wahrgenommen oder interpretiert haben könnten, stehe hier zur Debatte. Problematisch sei vielmehr, wenn westliche Wissenschaftler eine solche Interpretation ohne ausreichende Belege auf eine andere Kultur übertragen.

Die eigene wissenschaftliche Vorstellung von Dinosauriern und Fossilien könne dadurch unbewusst die Lücken in der Kenntnis über eine fremde Kultur füllen. Für die beiden untersuchten Fälle sieht zumindest Witelson jedenfalls keinen belastbaren Nachweis dafür, dass San Menschen Fossilien ausgestorbener Tiere als solche erkannt und in ihre Mythologie oder Felskunst integriert haben.

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Recherchequelle: sahumanities.org

© grewi.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist

Andreas Müller ist ein deutscher Kornkreis- und UFO-Forscher, Journalist, Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Anomalistik. Mehr erfahren (Wikipedia)

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Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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